Direkt zum Inhalt
Diskriminierung im Gesundheitswesen
Foto: iStock / BartekSzewczyk
ANZEIGE

Stigmata im Gesundheitswesen Diskriminierung verstärkt Krebs- und HIV-Risiko bei LGBTIQ+

ms - 05.02.2026 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die ILGA Europe warnt in ihrem neuen Bericht zur Gesundheitslage von LGBTIQ+-Menschen in Europa vor Diskriminierungen im Gesundheitssystem, die reale Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Viele homosexuelle und queere Menschen meiden den Gang zum Arzt demnach immer öfter, was in der Konsequenz schwere Krankheitsverläufe von Depressionen bis hin zu Krebserkrankungen fördere. 

Diskriminierung allgegenwärtig 

Die Untersuchung unter Zuhilfenahme der LGBTIQ+-Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) wertete Daten von rund 100.000 homosexuellen und queeren Menschen aus 27 EU-Mitgliedsstaaten aus. Die erschütternden Ergebnisse: Diskriminierungen sind im Gesundheitswesen noch immer weit verbreitet. Bei Fragen rund um die sexuelle Gesundheit erlebten 49 Prozent der lesbischen Frauen und 45 Prozent der schwulen Männer Schwierigkeiten aufgrund ihrer Homosexualität. Bei trans* Menschen erlebte im Schnitt jede dritte Person ähnliche Probleme. 

Anders bei Fragen rund um die psychische Gesundheit, hier führen trans* und nicht-binäre Menschen das Negativ-Ranking an, jede zweite Person (47-49%) erlebte Anfeindungen. Bei Homosexuellen war es im Durchschnitt „nur“ jeder Vierte (24,5%). Einzig bei Notfällen ist die Lage besser, Diskriminierungen rückten hier in den Hintergrund und nur eine Minderheit von knapp 12 Prozent der LGBTIQ+-Menschen wurde auch dort noch mit homophoben Problemen konfrontiert. 

Suizidale Gedanken 

Die indirekte Folge: Suizidale Gedanken sind noch immer überproportional in der Community vertreten: 19 Prozent der Schwulen und Lesben sowie 23 Prozent der bisexuellen Männer und 29 Prozent der bisexuellen Frauen hatten bereits solche Erfahrungen. Bei den tatsächlich verübten Suizidversuchen führen bisexuelle Frauen mit 20 Prozent das Ranking an, danach kommen lesbische Frauen (16%) sowie schwule und bisexuelle Männer (jeweils 15%). 

Höheres Risiko für Krebs und HIV

Solange Diskriminierungen und Stigmata im Gesundheitswesen so omnipräsent sind, steigen laut der ILGA Europe auch die Gefahren für eine Krebs- oder HIV-Erkrankung, weil viele LGBTIQ+-Menschen demnach nur noch in Ausnahmefällen zum Arzt gehen. Die Studie zeigt so unter anderem auf, dass 36 Prozent der lesbischen und sogar 41 Prozent der bisexuellen Frauen noch nie einen Abstrich für Gebärmutterhalskrebs gemacht haben. Bei trans* Männern lag die Quote sogar bei 57 Prozent. Mit Blick auf HIV zeigte sich, dass 19 Prozent der Schwulen und 40 Prozent der bisexuellen Männer noch nie einen HIV-Test haben machen lassen. 

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

K.-o.-Tropfen im Fokus

Künftig fünf Jahre Haft

Wer K.-o.-Tropfen für Vergewaltigung oder Raub einsetzt, soll künftig mindestens fünf Jahre Haft bekommen, so die Idee der Bundesregierung.
Anti-Gender-Bewegung in Europa

Von der Straße in die Parlamente

Eine neue Studie von Forbidden Colours sieht die Anti-Gender-Bewegung inzwischen in allen 47 untersuchten europäischen Ländern verankert.
Köln stellt 70.000 Euro bereit

Hilfe gegen queerfeindliche Gewalt

Die Stadt Köln unterstützt 14 queere Projekte gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber LGBTIQ+-Menschen mit insgesamt 70.000 Euro.
Geheimes Netzwerk in Italien

Konversionstherapien unter Verdacht

In Italien gibt es Hinweise auf ein geheimes Netzwerk von Konversionstherapie-Anbietern. LGBTIQ+-Organisationen fordern Aufklärung und ein Verbot.
Angriff auf Alfonso Osnaya

Adultstar im Castro attackiert

Adultstar Alfonso Osnaya wurde in San Francisco von einigen Männern angegriffen und bewusstlos geschlagen, mutmaßlich wegen seines Jobs als Sexworker.
Marokko vor der Wahl

LGBTIQ+-Menschen im Fokus

Marokkos Wahl entscheidet über das Parlament – für queere Menschen steht dabei auch der Umgang mit einem repressiven Strafrecht auf dem Spiel.
Newsom stoppt Schutzgesetz

Veto sorgt für Enttäuschung

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom stoppt überraschend ein Gesetz zum Schutz von Anbietern für trans* Versorgung.
Mord nach Grindr-Date

Zwei Jugendliche vor Gericht

Zwei Jugendliche sind wegen Mordes an einem 37-jährigen Mann aus Dublin angeklagt. Sie sollen sich zuvor mit ihm über Grindr verabredet haben.
Angriffe auf Mallorca

Schwule beim Cruising attackiert

Attacke im Cruising-Areal auf Mallorca: In einem Waldgebiet von Palma wurden schwule Männer von einer Gruppe junger Männer beschimpft und angegriffen.