Stigmata im Gesundheitswesen Diskriminierung verstärkt Krebs- und HIV-Risiko bei LGBTIQ+
Die ILGA Europe warnt in ihrem neuen Bericht zur Gesundheitslage von LGBTIQ+-Menschen in Europa vor Diskriminierungen im Gesundheitssystem, die reale Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Viele homosexuelle und queere Menschen meiden den Gang zum Arzt demnach immer öfter, was in der Konsequenz schwere Krankheitsverläufe von Depressionen bis hin zu Krebserkrankungen fördere.
Diskriminierung allgegenwärtig
Die Untersuchung unter Zuhilfenahme der LGBTIQ+-Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) wertete Daten von rund 100.000 homosexuellen und queeren Menschen aus 27 EU-Mitgliedsstaaten aus. Die erschütternden Ergebnisse: Diskriminierungen sind im Gesundheitswesen noch immer weit verbreitet. Bei Fragen rund um die sexuelle Gesundheit erlebten 49 Prozent der lesbischen Frauen und 45 Prozent der schwulen Männer Schwierigkeiten aufgrund ihrer Homosexualität. Bei trans* Menschen erlebte im Schnitt jede dritte Person ähnliche Probleme.
Anders bei Fragen rund um die psychische Gesundheit, hier führen trans* und nicht-binäre Menschen das Negativ-Ranking an, jede zweite Person (47-49%) erlebte Anfeindungen. Bei Homosexuellen war es im Durchschnitt „nur“ jeder Vierte (24,5%). Einzig bei Notfällen ist die Lage besser, Diskriminierungen rückten hier in den Hintergrund und nur eine Minderheit von knapp 12 Prozent der LGBTIQ+-Menschen wurde auch dort noch mit homophoben Problemen konfrontiert.
Suizidale Gedanken
Die indirekte Folge: Suizidale Gedanken sind noch immer überproportional in der Community vertreten: 19 Prozent der Schwulen und Lesben sowie 23 Prozent der bisexuellen Männer und 29 Prozent der bisexuellen Frauen hatten bereits solche Erfahrungen. Bei den tatsächlich verübten Suizidversuchen führen bisexuelle Frauen mit 20 Prozent das Ranking an, danach kommen lesbische Frauen (16%) sowie schwule und bisexuelle Männer (jeweils 15%).
Höheres Risiko für Krebs und HIV
Solange Diskriminierungen und Stigmata im Gesundheitswesen so omnipräsent sind, steigen laut der ILGA Europe auch die Gefahren für eine Krebs- oder HIV-Erkrankung, weil viele LGBTIQ+-Menschen demnach nur noch in Ausnahmefällen zum Arzt gehen. Die Studie zeigt so unter anderem auf, dass 36 Prozent der lesbischen und sogar 41 Prozent der bisexuellen Frauen noch nie einen Abstrich für Gebärmutterhalskrebs gemacht haben. Bei trans* Männern lag die Quote sogar bei 57 Prozent. Mit Blick auf HIV zeigte sich, dass 19 Prozent der Schwulen und 40 Prozent der bisexuellen Männer noch nie einen HIV-Test haben machen lassen.
Hier gibt es Hilfe
Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.
Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de