Staatsschutz ermittelt erneut Zwei queerfeindliche Angriffe in Berlin binnen Stunden
In Berlin wurden in der Nacht zum Donnerstag, dem 21. Mai 2026 innerhalb weniger Stunden zwei Menschen aus der queeren Community Opfer mutmaßlich queerfeindlicher Gewalt. Diese Vorfälle zeigen erneut die angespannte Sicherheitslage in der Hauptstadt für LGBTIQ+-Personen.
Das Wichtigste im Überblick
- In einem Bus der Linie N60 im Stadtteil Plänterwald eskalierte ein Streit zwischen einem 23-jährigen und einem 35-jährigen Mann – ersterer beleidigte den Älteren homophob und attackierte ihn körperlich gegen 1:00 Uhr. Polizei und Staatsschutz ermitteln.
- Wenige Stunden zuvor wurden zwei trans* Personen im Alter von 17 und 19 Jahren auf dem Alexanderplatz nach bisherigen Erkenntnissen transphob verfolgt, beleidigt und mit Flaschen beworfen, wobei eine leicht verletzte Person davon berichtete.
- Beide Angriffe werden vom Landeskriminalamt Berlin über den staatlichen Staatsschutz geprüft.
Gewalt gegen queere Menschen in Berlin
In Plänterwald kam es gegen 1:00 Uhr in einem BVG-Nachtbus zu einem homophoben Angriff: Ein 23-Jähriger beleidigte einen 35-Jährigen verbal, der sich als homosexuell zu erkennen gab. Es folgte ein Schlag mit der Faust gegen die Schläfe des Älteren, der sich zur Wehr setzte und die Polizei rief. Der 35-Jährige erlitt eine Kopfverletzung, lehnte eine ärztliche Behandlung jedoch ab. Der Polizeiliche Staatsschutz führt Ermittlungen wegen Beleidigung und Körperverletzung mit möglichem homophoben Hintergrund.
Verfolgung am Alexanderplatz
Noch vor diesem Vorfall wurden in Mitte zwei trans* Personen, 17 und 19 Jahre alt, gegen 22:30 Uhr auf dem Alexanderplatz verfolgt und transphob beleidigt. Ein 16-jähriger Tatverdächtiger spuckte der 17-Jährigen ins Gesicht und warf eine Flasche, die sie am Oberkörper traf – mit Hautrötung und Schmerzen als Folge. Anschließend warfen er zwei große Bierflaschen auf die 19-Jährige; sie wurde am Arm getroffen, gleichwohl unverletzt. Sie rief die Polizei, die drei Tatverdächtigen wurden vorläufig festgenommen und später entlassen. Auch hierbei hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
Überblick über die Vorfälle
Die Angriffe zeigen, dass queere Menschen in Berlin erneut Angriffsflächen ausgesetzt sind – sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch auf belebten Plätzen wie dem Alexanderplatz. In beiden Fällen lehnte das Opfer eine medizinische Behandlung ab. Die Ermittlungen laufen beim Staatsschutz des LKA Berlin. Diese institutionelle Haltung soll ermöglichen, queerfeindliche Motive gezielt aufzuklären.
Hintergrund zur Entwicklung queerfeindlicher Gewalt
Die aktuellen Vorfälle fügen sich in eine bereits beobachtete Zunahme queerfeindlicher Gewalt in Berlin ein. Laut der Beratungsstelle Maneo wurden im vergangenen Jahr 723 Angriffe oder Hinweise auf Anfeindungen gegen LGBTIQ+-Personen registriert – darunter Angriffe auf der Straße, in Bussen und an Haltestellen. Die Dunkelziffer wird auf 80 bis 90 Prozent geschätzt. Zudem beklagen queere Verbände einen fast verzehnfachten Anstieg queerfeindlicher Straftaten seit 2010 und fordern eine stärkere rechtliche Verankerung im Grundgesetz.
Ausblick: Welche Reaktionen gibt es auf die Angriffe?
Beide Angriffe liegen nur wenige Stunden auseinander und betreffen unterschiedliche Bezirke – Plänterwald und Mitte. Die Staatsanwaltschaft könnte nach Abschluss der Ermittlungen Anklage erheben. Es bleibt zu beobachten, ob Polizei und Politik Konsequenzen aus der Vielzahl queerfeindlicher Vorfälle ziehen – etwa durch verstärkten Schutz in Bussen, Bahnen und öffentlichen Räumen oder Präventionsprogramme in Schulen und Nachtleben.
Diese Vorfälle unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf, um queeres Leben in Berlin abzusichern und Übergriffe konsequent zu verfolgen.