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Premiere in der Karibik Erste Pride-Wochen im französischen Überseedepartement

Von ms - 17.06.2026 - 14:00 Uhr
Premiere in der Karibik
Foto: iStock / NANCY PAUWELS
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In Guadeloupe wird am 25. Juli 2026 erstmals ein Kréyòl Pride stattfinden. Die neue Pride-Veranstaltung soll die LGBTIQI+-Community im französischen Überseegebiet der Inselgruppe, die rechtlich zur EU gehört, stärken und Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft zusammenbringen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Am 25. Juli 2026 findet in der Hauptstadt Basse-Terre erstmals der Kréyòl Pride in Guadeloupe statt.
  • Organisiert wird die Veranstaltung von mehreren LGBTIQ+-Gruppen und dem neuen LGBT+-Zentrum der Insel.
  • Die Initiatoren wollen queere Menschen, Verbündete und die Diaspora zusammenbringen.
  • Geplant ist ein mehrwöchiges Programm mit Kultur, Diskussionen, Workshops und Feiern.
  • Die Organisatoren verstehen die Veranstaltung als Signal für mehr Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz.

Erster Kréyòl Pride der Inselgruppe 

Hinter dem Projekt steht ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen, darunter Secret’s Out, Queer Super Power, Queer Gang und Trans’Actions Guadeloupe. Unterstützt werden sie vom neu gegründeten LGBT+-Zentrum Maison des Diversités et de l’Inclusion sowie von der regionalen Dachorganisation Bokantaj Inclusion French West Indies. Nach Jahren interner Spannungen wolle man damit nun ein Zeichen der Einheit setzen, so das Bündnis. Eine der Organisatorinnen namens Leila erklärt dazu: „Das Ziel ist es, LGBTIQ+-Menschen, die lokale Bevölkerung und Verbündete zusammenzubringen, einschließlich jener in der Diaspora.“

Seit Jahren engagieren sich Aktivisten auf der Karibikinsel gegen Homo- und Queerfeindlichkeit. Leïla verweist auf Aufklärungsarbeit in Gefängnissen, die Beteiligung an einem Symposium zu LGBTIQ+-Feindlichkeit an der Universität der Antillen sowie Sensibilisierungsmaßnahmen für Beschäftigte der Bildungsverwaltung. Darüber hinaus habe die Gruppe Queer Gang bis zum vergangenen Jahr regelmäßig sogenannte „Kaz Queer“-Treffen organisiert. Diese Veranstaltungsreihe solle bald wieder aufgenommen werden.

Gesellschaft ist bereit dafür

Nach Ansicht der Initiatoren ist die Pride-Parade ein logischer nächster Schritt. Während auf der französischen Insel Réunion bereits jährlich Pride-Märsche stattfinden und Martinique ein eigenes Festival ausrichtet, wolle nun auch Guadeloupe eine entsprechende öffentliche Veranstaltung etablieren. „Unser Ziel ist es, diejenigen zu widerlegen, die behaupten, die Gesellschaft in Guadeloupe sei noch nicht bereit dafür“, so Leïla. „Und dabei können wir auf die Sichtbarkeit zählen, die wir gemeinsam in den Medien schaffen werden, weil wir geduldig eine organisationsübergreifende Zusammenarbeit aufgebaut haben, um den Kréyòl Pride ins Leben zu rufen.“

Auch Estelle Prudent von Queer Super Power betont die Bedeutung des gemeinschaftlichen Ansatzes. „Viele Menschen haben sich in der Vergangenheit an Initiativen für Sichtbarkeit beteiligt; das stellen wir nicht infrage. Heute geht es jedoch darum, eine Allianz rund um eine kollektive Bewegung aufzubauen und nicht um eine Bewegung, die sich um eine einzelne Person dreht. Wir glauben, dass dies für die Mobilisierung entscheidend ist. Was wir tun, ist historisch.“

Name betont kulturelle Identität

Bei der Namensgebung spielte nach Angaben der Organisatoren die besondere Geschichte und kulturelle Vielfalt Guadeloupes eine zentrale Rolle. „Was den Namen Kréyòl Pride betrifft, wollten wir einen Begriff oder Ausdruck, der unsere historische und soziale Identität sowie unsere kulturelle Mischung widerspiegelt; deshalb erschien uns der Name Kréyòl Pride am natürlichsten“, erklärt Leïla. Der Pride soll nicht auf einen einzelnen Demonstrationstag beschränkt bleiben, bekräftigt Estelle Prudent: „Die Kréyòl Pride wird von einem Monat voller Veranstaltungen begleitet, darunter ein Eröffnungsempfang, eine Abschlussveranstaltung, eine Vorführung queerer Filme sowie eine Konferenz, künstlerische Tanz- und Poesiedarbietungen und Mitmach-Workshops.“ Darüber hinaus seien Feste, Bälle und weitere Veranstaltungen geplant. Ebenso vorgesehen seien Informations- und Sensibilisierungsangebote gegen Diskriminierung, die von verschiedenen Organisationen in einem Gemeinschaftsdorf durchgeführt werden sollen.

Die Entscheidung für Ende Juli fiel ebenso bewusst, so Leïla: „Viele Menschen aus der Karibik, die im Ausland leben, kehren im Juli und August nach Hause zurück, besonders junge Leute. Letztlich ist diese Jahreszeit eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen die Diaspora auf die Einheimischen trifft und Familien wieder zusammenkommen. Wir wollen diese Energie nutzen, Familien anziehen und Menschen aller Generationen zusammenbringen.“

Basse-Terre als Austragungsort

Die Wahl des Veranstaltungsortes fiel nach gemeinsamer Beratung auf Basse-Terre. Ursprünglich habe sie eher an Jarry in der Gemeinde Baie-Mahault gedacht, berichtet Leïla. Letztlich habe die Unterstützung lokaler Entscheidungsträger in der Inselhauptstadt den Ausschlag gegeben. „In Basse-Terre wurde das Projekt mit großer Begeisterung aufgenommen“, sagt sie. Zudem biete die Stadt aus organisatorischer Sicht Vorteile, etwa die Möglichkeit, einen Musikwagen in den Umzug einzubinden. Estelle Prudent verweist zusätzlich auf die historische Bedeutung der Stadt. „Auch die historische Bedeutung der Stadt war ein Faktor.“

Derzeit laufen nach Angaben der Organisatoren Gespräche mit möglichen Partnern und Förderern, darunter Institutionen aus dem Tourismus- und Wirtschaftsbereich. Die Veranstalter rufen Interessierte dazu auf, die erste Kréyòl Pride durch Spenden oder ehrenamtliche Mitarbeit zu unterstützen. Ziel sei es, die neue Veranstaltung dauerhaft als Symbol für Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Vielfalt in Guadeloupe zu etablieren. Als französisches Übersee-Département gelten auf Guadeloupe weitgehend die gleichen Gesetze wie in Frankreich, Homosexualität ist legal und die gleichgeschlechtliche Ehe ist möglich. Dennoch ist die gesellschaftliche Akzeptanz gespalten. Die Insel ist zwar ein beliebtes Reiseziel mit einer gewissen Offenheit, doch die Kultur ist oft noch stark konservativ und das Thema wird teilweise bis heute tabuisiert.

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