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Sexuelle Belästigung in LGBTI-Safe Space Vorwurf: Der Spitzendiplomat habe die queer-feindliche Situation vor Ort sexuell ausgenutzt

Von ms - 16.06.2022 - 12:00 Uhr
Sexuelle Belästigung in LGBTI*-Safe Space
Foto: iStock / asiandelight
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Die Deutsche Welle berichtet exklusiv über einen Vorfall, der sich bei einer LGBTI*-Veranstaltung in Karachi, Pakistan, zugetragen haben soll. Dabei soll ein deutscher Spitzendiplomat während der queeren Veranstaltung mehrere Frauen sexuell belästigt und bedrängt haben. Der Vorfall wiegt auch deswegen besonders schwer, weil Safe Spaces für die queere Community in Pakistan angesichts der homo-feindlichen Gesetzgebung des Landes eine der wenigen Rückzugsorte für die gesamte Community sind. In Pakistan werden homosexuelle Handlungen mit teilweise lebenslangen Haftstrafen oder sogar der Todesstrafe geahndet.

Der Vorfall soll sich im November 2021 zugetragen haben, wie die Deutsche Welle berichtet. Bei einem besonderen Abend mit Live-Musik und Stand-up-Comedy in der Hafenstadt Karachi sollte LGBTI*-Menschen ein besonderer Rahmen geboten werden, in dem sie unbefangen feiern können. Die Kulturveranstaltung namens Scrap-Fest war von der kanadisch-pakistanischen Rockmusikerin Urvah Khan organisiert und vom deutschen Generalkonsulat in Karachi mitfinanziert worden – Zutritt nur für geladene und überprüfte Gäste, um einen Safe Space für queere Menschen zu schaffen. Nach Aussagen der Gäste ist es eine der wenigen Gelegenheiten für queere Personen in Pakistan, unbeschwert man selbst sein zu dürfen.

Die Situation kippte und eskalierte schlussendlich, nachdem ein hochrangiger betrunkener deutscher Diplomat, Mitte 60, eine Frau auf dem Fest immer wieder massiv sexuell begrapscht haben soll; weitere Frauen berichten davon, dass der Diplomat auch sie immer wieder sexuell belästigt haben soll. Das Investigativ-Team der DW hat dabei mit acht Gästen der Veranstaltung gesprochen und zudem Videomaterial und Textnachrichten ausgewertet. Eine trans-Frau erklärte, wie sie der deutsche Vertreter der Bundesregierung und andere Frauen auf die Tanzfläche gezerrt habe, weil sie “so heiß“ seien: "Ich habe das Gefühl, dass er dachte, sie sind Transgender, also kann man alles mit ihnen machen.“ Ein anderer Mann erzählte, wie er versucht habe, seine Freundin vor dem Diplomaten zu schützen: "Ich dachte, das kann doch nicht sein, dass das hier passiert. Ich habe bis dahin immer geglaubt, dass die Menschen im Westen anders sind, wenn es um die Behandlung von Frauen und Mitgliedern der LGBTI*-Community geht. Er hat die Veranstaltung finanziert - also hat er sich wahrscheinlich mächtig gefühlt. Er war sehr herablassend."

Zwischendurch hatte der betrunkene Diplomat in einer Rede zudem erklärt: "Deutschland ist ein Land der Freiheit. Wir sind hier in Pakistan, um Pakistan zu einem Land zu machen, das in die Zukunft blickt. Wir wollen nicht, dass ihr ein Land seid wie Deutschland, wie es vor 50 Jahren war." Viele LGBTI*-Menschen zeigten sich nicht nur peinlich berührt, sondern betonten auch mehrfach, dass an diesem Abend ein Riss durch die queere Community gegangen sei. Wenn queere Menschen aus Pakistan auf einer eigens dafür eingerichteten Veranstaltung sich nicht mehr sicher fühlen können, wo können sie es dann künftig überhaupt noch? Keiner der Gäste erstattete Anzeige, was angesichts der Ausgangslage – einer queeren Party – auch unmöglich ist.

Das Auswärtige Amt hat die Vorwürfe laut DW inzwischen untersucht und will den Diplomaten in wenigen Wochen abberufen. Gleichzeitig stellte das Amt allerdings klar, dass man den "spezifischen Vorwurf der sexuellen Belästigung" nicht nachweisen konnte. Ein europäischer Diplomat und Pakistan-Kenner erklärte indes: "Ein solcher Vorfall schadet in einem islamischen Land wie Pakistan nochmal mehr, weil er Wasser auf den Mühlen von Islamisten ist, die die westliche Kultur ablehnen." Nun falle es umso leichter gegen künftige LGBTI*-Veranstaltungen zu protestieren.

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