Direkt zum Inhalt

Schwulenhass als Motiv? Vater des mutmaßlichen Schützen wettert gegen Schwule

Von ms - 24.11.2022 - 11:00 Uhr
Schwulenhass als Motiv?
Foto: IMAGO / USA TODAY Network
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Tatmotiv des nicht-binären Attentäters von Colorado Springs könnte Hass auf Homosexuelle sein – die Hinweise dazu verdichten sich immer mehr. Der 22-jährige Anderson Lee Aldrich wurden offensichtlich maßgeblich auch durch seinen Vater (48) Aaron Brink geprägt, der jetzt gegenüber dem Fernsehsender KFMB in San Diego erklärte, er sei erleichtert darüber, dass sein Sohn nicht schwul sei.

Homophober Vater fragte sich, ob sein Sohn schwul ist

Der erste Gedanke, der dem offensichtlich homophoben Vater nach Bekanntwerden der Tat in den Sinn kam, war die Frage, was sein Sohn in einer Schwulenbar wie dem Club Q zu suchen gehabt habe. Dass sein Sohn dort mutmaßlich fünf Menschen erschossen und viele weitere teils lebensgefährlich verletzt hat, scheint Brink zunächst nicht so dramatisch irritiert zu haben. „Die Verteidiger begannen, mir von dem Vorfall zu erzählen, einer Schießerei, an der mehrere Menschen beteiligt waren. Und dann habe ich herausgefunden, dass es sich um eine Schwulenbar handelt. Ich sagte zu mir selbst: 'Gott, ist er schwul?' Ich bekam Angst, 'Scheiße, ist er schwul?' Aber er ist nicht schwul, also sagte ich, 'Puh!'", so der Vater des mutmaßlichen Schützen.

„Mormonen sind nicht schwul!“

Brink, der bereits als Pornodarsteller, Sportkämpfer und Trainer für Kampfsportarten gearbeitet hat, bekräftigte im Interview weiter, dass er und seine Familie Mormonen sind, ein wichtiger Aspekt im Leben der ganzen Familie: „Wissen Sie, Mormonen sind nicht schwul. Wir sind nicht schwul. Es gibt keine Schwulen in der Mormonenkirche. Wir sind nicht schwul!" Ganz korrekt sind Brinks Ausführungen dabei nicht, zwar vertritt die mormonische Vereinigung, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, homophobe Glaubenssätze, hat aber selbst auch schwule Mitglieder, die für mehr Akzeptanz kämpfen. Zudem hat sich die Kirche jüngst auch für das geplante neue Bundesgesetz zum Schutz der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA ausgesprochen.

Der mutmaßliche Schütze Anderson Lee Aldrich

Zur Gewalt erzogen

Brink, der heute in San Diego lebt, entschuldigte sich im weiteren Interviewverlauf dann auch bei den Familien der Opfer und erklärte, er übernehme eine gewisse Verantwortung, weil er sein Kind für gewalttätiges Verhalten stets gelobt habe. "Es tut mir leid für Ihren Verlust. Das Leben ist so zerbrechlich, und es ist wertvoll. Die Leben dieser Menschen waren wertvoll. Wissen Sie, sie sind wertvoll. Wahrscheinlich sind es gute Menschen. Das ist nichts, weswegen man jemanden umbringt. Es tut mir leid, dass ich meinen Sohn im Stich gelassen habe", so der Vater des mutmaßlichen Schützen weiter.

Die Familie indes scheint insgesamt sehr zerrüttet zu sein, Aldrichs Mutter Laura hatte so ihrem Ex-Ehemann Brink sechs Monate vorgelogen, der Sohn sei tot, weil sie sich für seine Arbeit als Pornodarsteller sowie Schauspieler in der Reality-Serie “Intervention“ geschämt habe. Aldrichs Großvater ist zudem der homophobe und rechtsextreme kalifornische Abgeordneten Randy Voepel, ein Republikaner, der seine letzte Wiederwahl verloren hat. Voepel ist ein wichtiger Unterstützer von Ex-Präsident Donald Trump und verglich den Aufstand im US-Kapitol Anfang Januar 2021 mit der amerikanischen Revolution.

Aldrich selbst schweigt vor Gericht

Der 22-jährige Aldrich, der über seine Anwälte mitteilen ließ, dass er nicht-binär ist und mit den Pronomen they/them sowie dem Kürzel  “Mx. A.“ angesprochen werden möchte, wurde gestern via Livestream vom Gefängnis aus ins Gericht übertragen. Zu den Taten selbst schweigt Aldrich beharrlich. Die Richterin des Paso County Court ordnete Untersuchungshaft an, eine Freilassung gegen Kaution wurde ausgeschlossen. Anfang Dezember ist die nächste Anhörung anberaumt, bei der vermutlich auch die finalen Anklagepunkte seitens der Staatsanwaltschaft bekanntgegeben werden sollen - nach Angaben der Behörden könnte die Anklage auf Mord und Verbrechen aus Hass lauten.

Aldrich soll am vergangenen Wochenende mit einem Sturmgewehr sowie einer Handfeuerwaffe den Nachtclub Q in Colorado Springs betreten und wahllos um sich geschossen haben. Der Club ist besonders bei Homosexuellen beliebt. Fünf Menschen im Alter von 22 bis 40 Jahren starben dabei, darunter auch die beiden Barkeeper des Clubs. Zwei Gäste des Nachtclubs überwältigten schließlich den Schützen und stoppten damit den Amoklauf. Aldrich wurde dabei selbst verletzt, weswegen er zunächst ins Krankenhaus gebracht worden war. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Rekord bei Buchverboten

Strikte Zensur in den USA

Fast 12.000 Buchverbote registriert PEN America aktuell an US-Schulen – besonders häufig betroffen sind Werke über Sexualität, LGBTIQ+ und Rassismus.
Eiskunstlaufstar aus Südafrika

Bodasing schreibt Sportgeschichte

Shiven Bodasing schreibt südafrikanische Eiskunstlauf-Geschichte – neben seinem Beruf als Jurist und seinem Einsatz für LGBTIQ+.
Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.
Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trump verspottet Aktivisten

„Gays for Palestine“ im Visier

Donald Trump verspottet „Gays for Palestine“ und deutet an, queere Aktivisten würden von einer Reise in die Region nicht zurückkehren.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.
Basler warnt vor Coming-Out

Homosexualität bleibt Tabuthema

Mario Basler hält ein Coming-Out im Profifußball weiterhin für kaum möglich und warnt vor massiven Anfeindungen gegen schwule Spieler.
Trauer um Mad Sandhu

Influencer in Indien erschossen

Der schwule Influencer Mad Sandhu ist in Indien auf offener Straße erschossen worden. Ermittler prüfen jetzt, ob der Angriff gezielt geplant war.
Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.