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Schwule Bären im Wandel
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Schwule Bären im Wandel Gesundheit und Identität in Zeiten der Abnehmspritze

ms - 14.08.2026 - 15:00 Uhr
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Die Bear Week im US-amerikanischen Provincetown gilt seit einem Vierteljahrhundert als Treffpunkt für größere und behaarte schwule Männer. Doch in diesem Jahr fiel Beobachtern ein Wandel auf, der auch einen Monat später noch nachhallt: Immer mehr Teilnehmer erschienen deutlich schlanker. Als möglicher Grund wird unter anderem die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic genannt, die umgangssprachliche Abnehmspritze. Die Debatten darum dauern in diesen Tagen an. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Bei der Bear Week in Provincetown fielen zunehmend schlankere Teilnehmer auf.
  • Beobachter führen dies unter anderem auf den wachsenden Einsatz von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic zurück.
  • Die Bear Week gilt seit 25 Jahren als Symbol für Körperpositivität und Vielfalt.
  • Teilnehmer berichten von gemischten Gefühlen zwischen gesundheitlichen Vorteilen und dem Verlust eines Gemeinschaftsgefühls.
  • Ein Politiker und mehrere Besucher betonen, dass Gesundheit und Körperakzeptanz kein Widerspruch sein müssen.

Ozempic verändert Bären-Community

Der Journalist Joseph Bernstein besuchte die traditionsreiche Veranstaltung für die New York Times und schilderte seine Eindrücke. Statt der für die Szene typischen kräftigen „Bären“ seien ihm auffallend viele schlankere „Cubs“ begegnet. „Es ist eine völlig andere Art von Bear Week“, sagte ein Besucher aus San Francisco. Die Bear Week existiert seit rund 25 Jahren und versteht sich als einwöchiges Festival, das Körpervielfalt, Gemeinschaft und Selbstakzeptanz feiert. Partys, Treffen und ein humorvoller Umgang mit dem eigenen Körper gehören traditionell zum Konzept. So berichtet die New York Times etwa von zwei als Parkranger verkleideten Besuchern, die bei einem Tea Dance im Boatslip Resort scherzhaft nach „Problembären“ Ausschau hielten.

Schönheit in der Aids-Krise

Die Ursprünge der Bären-Community reichen bis in die 1960er-Jahre zurück. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Begriff 1966 in den Unterlagen eines Tanzclubs in Los Angeles, in denen ein „Bear Cub“ genannt wurde. Größere Bekanntheit erlangte die Szene 1987 mit der Gründung des Bear Magazine, das bis heute erscheint und sich an kräftige, behaarte Männer richtet. Ein schwuler Historiker erklärte gegenüber dem Bear World Magazine, dass kräftigere Körper insbesondere während der HIV/Aids-Krise zunehmend als attraktiv wahrgenommen worden seien. Später hätten sich die Schönheitsideale innerhalb der schwulen Community jedoch wieder verändert. Schlanke und über viele Jahre möglichst haarlose Körper seien zunehmend zum Ideal geworden. Heute darf beides nebeneinander bestehen – bisher. 

Einfluss von Medikamenten

Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele die Frage, welche Auswirkungen Medikamente zur Gewichtsreduktion auf die Szene haben. Nach ersten Schätzungen nehmen bis zu elf Prozent der US-Bevölkerung GLP-1-Präparate ein. In Provincetown gibt es seit Jahren den Scherz, dass Restaurants während der Bear Week kaum freie Plätze anbieten können. Bernstein sprach mit dem Besitzer eines Cupcake-Geschäfts, der erzählt, die Bear Week habe sein Geschäft überhaupt erst bekannt gemacht. Inzwischen beobachte er jedoch, dass viele seiner Stammkunden mit deutlich kleinerem Appetit kämen. Ein Besucher habe ihm berichtet: „Ich habe 65 Pfund abgenommen“ und „mein Arzt ist so glücklich.“ Anschließend habe der Mann lediglich einen Mini-Cupcake bestellt.

Selbstakzeptanz und Gesundheit

Der offen schwule Senator des Bundesstaates Massachusetts, Julian Cyr, sieht die Entwicklung differenziert. Gesündere Lebensweisen seien grundsätzlich positiv. Gleichzeitig erinnert er daran, welche Bedeutung die Bear Week für viele Menschen gehabt habe. „Ich hatte das Gefühl, ich konnte nicht gleichzeitig schwul und übergewichtig sein“, sagte er. „Die Bear Week wurde für mich zu einem Ort der Bestätigung und Anerkennung – eine Absage an Körperideale, die für mich nicht funktioniert haben.“ Nach seiner Auffassung schließen sich körperliche Gesundheit und Körperakzeptanz jedoch nicht gegenseitig aus. Außerdem sei die Bear Week schon immer ein Treffpunkt unterschiedlichster Gruppen innerhalb der Community gewesen.

Verlust eines Gemeinschaftsgefühls

Auch der Content Creator Charlie Nuttall, auf Instagram als „studlycub“ bekannt, beschreibt seine Erfahrungen mit starkem Gewichtsverlust. Nach eigenen Angaben hat er in den vergangenen Jahren insgesamt rund 98 Kilogramm abgenommen und wiegt inzwischen noch etwa rund 109 Kilogramm. Obwohl er sich körperlich deutlich besser fühle, habe sich zugleich ein neues Gefühl eingestellt. „Ich habe das Gefühl, meinen Stamm verloren zu haben“, sagte er.

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