Direkt zum Inhalt
Rückschritte in der Slowakei

Rückschritte in der Slowakei Regierung setzt homophoben Kurs gegen die Community fort

ms - 19.01.2024 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Die neue Regierung in der Slowakei setzt ihren strikten Kurs gegen LGBTI*-Menschen weiter fort – das Kulturministerium kündigte jetzt an, künftig keine Pride-Paraden oder LGBTI*-Projekte mehr finanziell zu unterstützen. In besonderer Weise ist dabei der Bratislava Pride betroffen.

„Rückkehr zur Normalität“

„LGBTI*-Organisationen werden nicht länger die Gelder des Kulturministeriums ausnutzen. Das werde ich unter meiner Leitung sicher nicht zulassen“, erklärte die zuständige Ministerin Martina Šimkovičová von der Slowakischen Nationalpartei (SNS). Dabei bekräftigte sie zudem, dass sie die „zunehmende Normalisierung von sexuellen Minderheiten“ ablehne. Das Kulturministerium wolle sich künftig verstärkt darauf konzentrieren, eine „Rückkehr zur Normalität“ voranzutreiben. Die Pride- und LGBTI*-Organisationen sind die einzigen Einrichtungen, denen bisher damit Gelder gestrichen werden sollen.

Staatliche Zensur

LGBTI*-Organisationen und Menschenrechtsgruppen wie die NGO Saplinq sprechen so ganz offen von staatlicher Zensur und Diskriminierung. „Wir sind empört, dass die Ministerin öffentlich eine bestimmte Minderheit und eine bestimmte NGO angreift, mit denen die staatlichen Behörden bisher keine Probleme hatten“, so Direktor Róbert Furiel. 12 Jahre lange arbeitete die Organisation mit der Regierung zusammen, um sich für die Stärkung der Menschenrechte von LGBTI*-Personen einzusetzen.

Weitere Schritte gegen die Community

Es wird befürchtet, dass weitere Schritte folgen werden, um die Rechte und den Lebensalltag von LGBTI*-Menschen in der Slowakei noch mehr zu minimieren. Ministerpräsident Robert Fico plane nach Auskunft der LGBTI*-Organisation bereits die nächsten Rückschritte. Erst im November letzten Jahres hatte die frisch gewählte Regierung die Richtlinien für eine Personenstandsänderung widerrufen – künftig soll eine juristische Geschlechtsänderung nur im Rahmen einer zuvor erfolgten, verpflichtenden Kastration beziehungsweise Sterilisation möglich sein.

Erklärtes Ziel soll es insgesamt dabei sein, schrittweise die ersten zaghaften positiven Entwicklungen der letzten Jahre im Land wieder rückabzuwickeln – teilweise bereits jetzt mit Erfolg. Die Slowakei wird von einer neuen Welle der Gewalt gegenüber LGBTI*-Menschen heimgesucht, tragischer bisheriger Höhepunkt war der Mord an einem jungen schwulen Paar vor der Gay-Bar Tepláreň in Bratislava im Jahr 2022. Nach einer Studie des Think-Tanks GLOBSEC aus dem Jahr 2023 sprechen sich so aktuell auch  63 Prozent der Slowaken gegen Rechte für Homosexuelle aus, beispielsweise auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Minderheitenstress Community

Neue Studiendaten gehen ins Detail

Diskriminierung sorgt bei LGBTIQ+-Menschen für Minderheitenstress. Je mehr Akzeptanz, je besser wird es? Ganz so einfach scheint es doch nicht zu sein
Krise bei Influencern

Erschöpfung in der digitalen Welt

Ein Leben als queerer Social-Media-Influencer ist toll? Nicht unbedingt! Eine neue Studie zeigt nun auf, rund die Hälfte von ihnen kennt ein Burnout.
Fortschritte im Bereich HIV

Der lange Weg zur Heilung

HIV-Forscher aus den USA haben nun bekräftigt, dass eine HIV-Heilung bis 2040 denkbar ist. Dazu müssten mehrere Ansätze kombiniert werden.
Kritik an der Gen-Z

Weniger Jammern, mehr Handeln

Die Jugend in Deutschland jammert zu viel und handelt zu wenig, betont ein Sozialforscher. Davon betroffen sind auch queere Jugendliche.
Homosexuelle Flüchtlinge

Neue humane Wege in Kenia

Kenias Regierung will Flüchtlingslager in neue Dörfer überführen. Homosexuelle haben neue Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensrealität.
Keine Jobs für Homosexuelle?

Sehr schwierige Lage in Afrika

Homosexuelle haben in Afrika nicht „nur“ mit Diskriminierung zu kämpfen, auch die Jobsuche wird zum Hürdenlauf, betont jetzt eine Hilfsorganisation.
Indonesien im Zwiespalt

Zwischen Hass und Herzlichkeit

Indonesien kämpft seit zehn Jahren zwischen den Extremen: LGBTIQ+-Menschen bekämpfen oder integrieren. Ein neue Studie untersuchte das Phänomen.
Kommunikation ohne Big Brother

Neue kreative Wege in Russland

Russland schränkt digitale Wege immer mehr ein, die queere Community und viele Bürger experimentieren derzeit mit neuen Kommunikationsideen.