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Höchststand bei Hinrichtungen Mindestens 2.700 Menschen hingerichtet, darunter schwule Männer

Von ms - 18.05.2026 - 10:00 Uhr
Höchststand bei Hinrichtungen
Foto: IMAGO / Wolfgang Maria Weber
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Die Zahl der weltweit vollstreckten Todesurteile hat im Jahr 2025 den höchsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten erreicht. Nach Angaben von Amnesty International wurden mindestens 2.707 Menschen in 17 Staaten hingerichtet. Das geht aus dem Bericht „Death Sentences and Executions 2025“ hervor. Darunter auch eine unbekannt große Zahl von homosexuellen Männern. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Weltweit wurden 2025 mindestens 2.707 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 1981 nicht mehr.
  • Hauptverantwortlich für den drastischen Anstieg sind laut Amnesty International vor allem Iran, Saudi-Arabien und China.
  • Besonders im Iran trifft die Todesstrafe auch homosexuelle Männer und andere queere Menschen.
  • Fast jede zweite dokumentierte Hinrichtung stand im Zusammenhang mit (angeblichen) Drogendelikten.
  • Trotz steigender Zahlen haben inzwischen mehr als zwei Drittel aller Staaten die Todesstrafe abgeschafft oder wenden sie nicht mehr an.

Extremste Form staatlicher Gewalt

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der dokumentierten Exekutionen demnach um 78 Prozent. Verantwortlich dafür seien insbesondere wenige Staaten, die die Todesstrafe gezielt zur Einschüchterung und Unterdrückung einsetzten. Amnesty nennt dabei vor allem China, Iran und Saudi-Arabien. „Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit. Dass immer noch Regierungen darauf setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben“, erklärte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland.

Besonders kritisch bewertet die Menschenrechtsorganisation die Entwicklung im Iran. Dort wurden nach Angaben von Amnesty mindestens 2.159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Immer wieder geraten dabei auch homosexuelle Männer und andere queere Menschen ins Visier der Behörden. Menschenrechtsorganisationen werfen der Islamischen Republik seit Jahren vor, die Todesstrafe gezielt zur Verfolgung sexueller Minderheiten sowie zur Unterdrückung gesellschaftlicher Gruppen einzusetzen.

„In Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten. Das ist ein eklatanter Missbrauch staatlicher Macht und ein Angriff auf jede Form von Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit“, sagte Duchrow.

Enthauptungen, Erhängen, Erschießungen

Auch in Saudi-Arabien stieg die Zahl der Exekutionen deutlich an. Dort wurden laut Bericht mindestens 356 Menschen hingerichtet. Weitere starke Zuwächse registrierte Amnesty unter anderem in den USA, Singapur, Ägypten und Kuwait. Vollstreckt wurden Todesurteile zudem in Afghanistan, Irak, Japan, Jemen, Nordkorea, Somalia, Südsudan, Taiwan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Vietnam. Als Hinrichtungsmethoden kamen unter anderem Enthauptungen, Erhängen, Erschießungen, tödliche Injektionen sowie Stickstoffgas-Erstickung zum Einsatz.

Die tatsächliche Zahl der Exekutionen dürfte laut Amnesty deutlich höher liegen. Nicht enthalten seien Hinrichtungen in China, da entsprechende Daten dort als Staatsgeheimnis gelten. Nach Schätzungen der Organisation werden in der Volksrepublik jedes Jahr tausende Menschen und damit weltweit die meisten Todesurteile vollstreckt.

Urteile wegen Drogendelikten 

Besonders alarmierend bewertet Amnesty den hohen Anteil von Todesurteilen wegen echten und angeblichen Drogendelikten. Fast jede zweite dokumentierte Hinrichtung – insgesamt 1.257 Fälle – stand 2025 in Zusammenhang mit entsprechenden Straftaten. Allein im Iran wurden deshalb 998 Menschen hingerichtet, in Saudi-Arabien 240. Weitere Fälle gab es unter anderem in Singapur und Kuwait. Seit Jahren ist dabei bekannt, dass viele Opfer unter Folter zu Geständnissen dieser Art gezwungen werden, auch schwule Männer. 

Nach internationalen Menschenrechtsstandards dürfe die Todesstrafe – sofern sie überhaupt angewandt werde – ausschließlich bei „schwersten Verbrechen“ verhängt werden. „Die Todesstrafe verletzt die Würde des Menschen immer in ihrem Kern. Doch Menschen für Straftaten wie Drogendelikte hinzurichten, ist zusätzlich ein klarer Bruch des Völkerrechts. Diese Praxis ist nicht nur rechtswidrig, sondern zutiefst menschenverachtend“, erklärte Duchrow.

Abschaffung der Todesstrafe

Trotz des weltweiten Anstiegs sieht Amnesty zugleich Fortschritte bei der Abschaffung der Todesstrafe. In Europa und Zentralasien wurden 2025 weder Todesurteile verhängt noch Hinrichtungen vollstreckt. Auf dem amerikanischen Kontinent blieben die USA im 17. Jahr in Folge das einzige Land mit Exekutionen. In Afrika führten lediglich drei von 54 Staaten Todesurteile aus.

Zudem hätten mehrere Länder Schritte zur Einschränkung oder Abschaffung der Todesstrafe unternommen. So schafften Vietnam und Gambia die Todesstrafe für zahlreiche Delikte ab. Im US-Bundesstaat Alabama wurde Rocky Myers begnadigt – laut Amnesty die erste Begnadigung eines Schwarzen Menschen im Todestrakt des Bundesstaates. Auch im Libanon und in Nigeria wurden Gesetzesinitiativen zur Abschaffung eingebracht. In Kirgisistan erklärte das Verfassungsgericht Versuche zur Wiedereinführung der Todesstrafe für verfassungswidrig.

„Die Staaten, die weiterhin hinrichten, stehen zunehmend isoliert da“, sagte Duchrow. „Als Amnesty International 1977 die Arbeit gegen die Todesstrafe aufnahm, hatten nur 16 Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt. Weltweit setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist – und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf.“

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