Razzia bei Kostümparty Statt russischen LGBTIQ+-Menschen waren nur Clowns vor Ort
In Russland erreicht die staatliche Repression gegenüber queeren Menschen zunehmend absurde Ausmaße. Vor wenigen Tagen geriet jetzt eine Partyclique in Tomsk, einer Stadt in Sibirien, ins Visier der Polizei. Anlass war die jährliche Kostümparty mit Zirkus-Motto, auf der Gäste als Clowns verkleidet waren und akrobatische Darbietungen zeigten. Russlands spitzfindige Ermittler waren indes davon überzeugt, es mit einem gemeinen LGBTIQ+-Treffen zu tun zu haben.
Jede geschminkte Person ist verdächtig
Pflichtbewusst wie die Beamten sind, wittern sie überall einen Verstoß gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz, das „Propaganda“ für LGBTIQ+ verbietet. Dazu lauern offenbar überall auch geheime Treffen der als extremistisch eingestuften LGBTIQ+-Bewegung. Doch statt umsturzwilliger queerer Aktivisten trafen die Einsatzkräfte lediglich auf Clowns, Artisten und Menschen, die tanzten. Die Lage blieb zunächst sicherlich trotzdem schwierig, denn ist Schminke im Gesicht nicht immer ein eindeutiges Anzeichen für eine queere Person? In Russlands Weltbild mit Sicherheit.
Nach Berichten lokaler Nachrichtenkanäle wurden deswegen auch sieben Personen vorübergehend festgehalten. Die Polizei durchsuchte das Gebäude gründlich: Sie überprüfte insgesamt 17 Räume und verbrachte über zwei Stunden mit den weiteren Durchsuchungen, bevor die Gäste die Party verlassen durften. Augenzeugen berichten, dass die Beamten verlangten, keine Aufnahmen zu machen und bereits gefilmte Videos zu löschen. Anlass der Aktion war ein anonymer Hinweis. Bleibt die Frage offen, wer an diesem Abend die größten Clowns waren – die Maskierten oder die Uniformierten?
Dramatischer Hintergrund
So amüsant das Geschehen auch ist, so ernst ist der Hintergrund – solche Einsätze sind in Russland kein Einzelfall mehr. Immer rabiater gehen die Behörden gegen Schwulenclubs und vermeintlich queere Treffen vor, zuletzt stürmte die Polizei in Moskau vor wenigen Wochen eine „Kissing Party“ in einem Nachtclub, ein weiteres Beispiel für die gezielte Verfolgung von Veranstaltungen, die als „nicht-traditionell“ gelten. Seit das Oberste Gericht Russlands 2023 die internationale LGBTIQ+-Bewegung verbot, haben sich Polizeiaktionen gegen queere Menschen und deren Treffpunkte drastisch erhöht.
Berichte von Partygästen zeigen dabei immer wieder, dass die Polizei oft mit brutaler bewaffneter Präsenz einschreitet, feiernde Gäste stundenlang am Boden fixiert und teilweise überdies körperlich misshandelt. Die Überprüfungen betreffen nicht nur die Teilnehmer selbst, sondern auch ihre Ausweise und Smartphones.