Direkt zum Inhalt

KI-Brillen sorgen für Kritik Queere Menschen besonders im Fokus

Von ms - 31.07.2026 - 14:00 Uhr
KI-Brillen sorgen für Kritik
Foto: IMAGO / anke waelischmiller
ANZEIGE
Loading audio player...

Neue KI-Brillen des Technologiekonzerns Meta sorgen für Diskussionen über Datenschutz und staatliche Überwachung. Kritiker warnen davor, dass tragbare Kameratechnik künftig dazu beitragen könnte, Menschen in großem Umfang zu erfassen und zu identifizieren – mit möglichen Folgen insbesondere für Minderheiten wie der LGBTIQ+-Community. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Neue KI-Brillen von Meta lösen Debatten über Datenschutz und Überwachung aus.
  • Kritiker warnen vor möglichem Einsatz gegen LGBTIQ+-Menschen.
  • US-Behörden arbeiten bereits mit umfangreichen Datensammlungen und Technologieunternehmen zusammen.
  • Gesichtserkennung gilt als mögliche nächste Stufe der Entwicklung.
  • Datenschützer befürchten Folgen für Anonymität und geschützte Gruppen.

Interesse der US-Regierung

Die Brillen werden von Meta als modisches und technisches Produkt vermarktet. Durch ihr unauffälliges Design sei für Menschen in der Umgebung jedoch schwer zu erkennen, ob sie gerade gefilmt oder aufgezeichnet werden. Bereits Anfang des Jahres schlug die Trump-Regierung vor, im Haushaltsjahr 2027 Mittel für das US-Heimatschutzministerium (DHS) bereitzustellen, um tragbare Überwachungstechnologien wie KI-Brillen zu entwickeln. In dem Vorschlag wurde erklärt, die Geräte könnten Behörden dabei helfen, Migranten, die sich illegal in den USA aufhalten, in Echtzeit zu „begegnen, zu transportieren, festzuhalten und abzuschieben“. Der Vorschlag ist bislang nicht verabschiedet, gilt aber als Hinweis auf die geplante Ausrichtung der Behörde.

Umfassende Überwachung

Eine größere Verbreitung solcher Geräte könnte nach Einschätzung von Kritikern dazu führen, dass Menschen sich kaum noch unbeobachtet im öffentlichen Raum bewegen können. KI-Brillen, die filmen, live übertragen, Orte erkennen und künftig möglicherweise Gesichter identifizieren können, würden die Möglichkeiten staatlicher Kontrolle deutlich erweitern. Besonders betroffen seien Gruppen, die bereits verstärkt staatlicher Beobachtung ausgesetzt seien oder anderweitig im besonderen Fokus stehen. Eine solche Überwachung könne ein Klima ständiger Unsicherheit und Angst schaffen.

Nach einer Recherche des Independent sollen ICE-Beamte in mindestens sechs US-Bundesstaaten bereits Meta-Brillen während ihrer Einsätze getragen haben. Ob dies auf eine Anweisung des Heimatschutzministeriums zurückgeht oder eigenständig geschah, ist bislang unklar. Während Meta die Brillen als Ausdruck moderner Kultur und Technologie präsentiert, könnten sie nach Ansicht von Kritikern durch ihren Einsatz bei Behörden zunehmend mit der Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump verbunden werden. Dabei sind solche Geräte nicht die einzigen umstrittenen Überwachungsinstrumente. Das DHS arbeitet mit privaten Unternehmen wie Palantir und Clearview AI zusammen, um große Mengen an Informationen über Migranten zu sammeln – darunter Steuerdaten und Beiträge aus sozialen Netzwerken. 

Gesichtserkennung als nächster Schritt

Im Vergleich zu den bestehenden Datensammlungen wirken Meta-Brillen derzeit technisch noch begrenzt. Die Möglichkeit einer Gesichtserkennung gilt jedoch als nächster Schritt. Nach Angaben von Wired arbeitet Meta daran, entsprechende Technologien mithilfe von Rank One Computing einzusetzen. Das Unternehmen erzielt den Großteil seiner Einnahmen durch Regierungsaufträge, darunter Verträge mit US-Strafverfolgungsbehörden und dem Militär.

Kritiker sehen mögliche Folgen nicht nur für Migranten, sondern auch für queere und trans* Menschen. Die Trump-Regierung und Politiker in mehreren Bundesstaaten nutzen nach Einschätzung von Aktivisten bereits Überwachungsmaßnahmen, um Einschränkungen für trans* Rechte durchzusetzen. Dazu gehören Versuche, Daten über Menschen zu sammeln, die geschlechtsangleichende medizinische Versorgung erhalten, sowie Meldepflichten für Personen, die ihr Geschlecht in offiziellen Dokumenten ändern. Mit KI-Brillen könnte diese Überwachung nach Ansicht von Kritikern weiter erleichtert werden. Sie warnen davor, dass Behörden oder andere Akteure Menschen möglicherweise automatisch als trans* identifizieren oder falsch einordnen könnten.

Die Technologie könnte nach Einschätzung von Aktivisten künftig dazu genutzt werden, Informationen darüber zu sammeln, welche Ärztinnen und Ärzte trans* Menschen behandeln, welche Schulen von queeren Jugendlichen besucht werden oder welche Personen öffentliche Einrichtungen nutzen. Kritiker verweisen darauf, dass das DHS im Februar des vergangenen Jahres Schutzregelungen gegen Überwachung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität abgeschafft habe.

Datenschutz bleibt Streitpunkt

Meta verweist auf Schutzmaßnahmen beim Umgang mit persönlichen Daten. Das Unternehmen erklärt jedoch, Informationen herauszugeben, wenn eine rechtliche Verpflichtung besteht – etwa durch eine Vorladung oder einen Durchsuchungsbefehl. Die Firma verpflichtet sich, Anfragen zu erfüllen, die „im Einklang mit geltendem Recht“ stehen. Kritiker bezweifeln indes, dass Datenschutzversprechen ausreichen, um die Risiken einer zunehmenden staatlichen Überwachung zu begrenzen. Sie warnen, die KI-Brillen seien nicht nur ein neues Technikprodukt, sondern könnten ein Werkzeug werden, das insbesondere Minderheiten stärker unter Kontrolle bringt.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.