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Psychische Folgen nehmen zu Schwule konsumieren viermal häufiger Ketamin

Von mr - 13.04.2026 - 20:00 Uhr
Schwule konsumieren viermal häufiger Ketamin
Foto: © iStock / Johnrob
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Ein junger Mann aus den USA, Lucas Pearson, berichtet offen über seine Abhängigkeit von Ketamin – einer Droge, die besonders in der queeren Community zunehmend verbreitet ist. Pearson schildert, wie Ketamin zunächst scheinbar Erleichterung von psychischem Schmerz brachte, später jedoch zu Isolation, Angstzuständen und psychischen Zusammenbrüchen führte. Weltweit warnen Fachleute vor dem erhöhten Risikopotenzial von Ketaminmissbrauch bei schwulen und bisexuellen Männern, die laut internationalen Studien signifikant häufiger zu dieser Substanz greifen als heterosexuelle Vergleichsgruppen.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Studien zeigen: Schwule Männer konsumieren bis zu viermal häufiger Ketamin als Heterosexuelle.
  • Ketamin ist in der Chemsex-Szene zunehmend verbreitet und wird oft mit weiteren Drogen kombiniert.
  • Die Droge kann neben kurzzeitiger Schmerzlinderung langfristig Psychosen, Paranoia und schwere soziale Isolation auslösen.
  • Traumatische Erlebnisse wie religiöse Intoleranz oder familiärer Ausschluss erhöhen das Suchtrisiko.
  • Der Weg aus der Abhängigkeit führt laut Experten meist nur über professionelle Hilfe und soziale Unterstützung.

 

Ketaminmissbrauch in queeren Communities

Pearsons Erfahrungsbericht ist symptomatisch für eine Entwicklung, die Suchtfachleute seit Jahren beobachten: Ketamin, ursprünglich als Narkosemittel entwickelt, wird vermehrt im Party- und Chemsex-Kontext eingesetzt und ist bekannt für seine dissoziative Wirkung. Klinikdaten und sozialwissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass Männer, die Sex mit Männern haben, besonders anfällig für den Konsum sind – unter anderem, weil sie laut Studien überdurchschnittlich oft unter psychischen Belastungen, marginalisierender Erziehung oder Gewalterfahrung leiden.

Das US-amerikanische Gesundheitsministerium bestätigt, dass Ketaminkonsum außerhalb medizinischer Anwendungen erhebliche Risiken birgt. Forschungsergebnisse aus Großbritannien und den USA verdeutlichen, dass Einschränkungen beim Zugang zu psychosozialer Hilfe, erlebte Ablehnung oder religiöser Druck häufig Suchterkrankungen begünstigen.

 

Persönliche Krise und der Ausstieg

Im Podcast „Uncloseted“ berichtet Pearson, wie der Konsum eskalierte: Was mit einem neugierigen Probieren in einer Bar begann, führte in die Abwärtsspirale kompletter sozialer Abschottung und psychotischer Symptome wie Wahnvorstellungen und Angst. Besonders belastend war für ihn die Ablehnung durch die Familie nach seinem Coming-out im religiös-konservativen Umfeld. Erst ein Moment der absoluten Einsamkeit brachte den Wendepunkt: Mit Unterstützung eines Freundes begab er sich in Therapie und lernte, Strategien zur Bewältigung seiner Belastungen zu entwickeln. Er hebt hervor, wie wichtig es war, einen stabilen Freundeskreis außerhalb des bisherigen Party-Kontextes aufzubauen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

„Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass sich etwas ändern muss“, resümiert Pearson.

 

Hintergründe und Perspektiven

Ketamin gilt in der Medizin als Hoffnungsträger bei therapieresistenter Depression, birgt außer Kontrolle konsumiert jedoch erhebliche Risiken. Die WHO führt es als essenzielles Medikament, warnt aber ausdrücklich vor Eigenmedikation und Missbrauch. Experten fordern gezielte Präventionsprogramme für marginalisierte Gruppen und leichten Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe im gesamten Gesundheitswesen.

Nicht nur in den USA, auch in europäischen Großstädten wie Berlin beobachten Suchtexperten einen signifikanten Trend zu neuartigen Drogen in queeren Partykreisen. Viele Hilfsangebote setzen inzwischen auf anonyme Beratung, Community-basierte Unterstützung und Begleitung im Übergang von der Abstinenz zurück in soziale Räume.

Die Entwicklung wirft die Frage auf, wie queere Menschen besser vor substanzbedingtem Rückzug geschützt und rechtzeitig medizinisch betreut werden können. Innovative Programme, die sowohl Trauma-Arbeit als auch Gemeinschaft selbst in den Vordergrund stellen, gewinnen zunehmend an Bedeutung.

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