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Strukturelle Gewalt Afrikanische queere Frauen sind besonders stark betroffen

Von ms - 04.05.2026 - 11:00 Uhr
Strukturelle Gewalt
Foto: iStock / wilpunt
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Lesbische, bisexuelle und queere Frauen in Afrika sind laut einem neuen Bericht der African Human Rights Coalition (AHRC) systematischer und vielfach staatlich begünstigter Gewalt ausgesetzt. Die Übergriffe haben dabei häufig ihren Anfang im familiären Umfeld und setzten sich dann über weitere Gemeinschaften fort. In der Folge sind Haft und Vertreibung weit verbreitet, so das Ergebnis der Studie.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Gewalt gegen lesbische, bisexuelle und queere Frauen in Afrika: LGBTIQ+-Frauen sind in vielen afrikanischen Ländern systematischer und oft staatlich begünstigter Gewalt ausgesetzt, beginnend im familiären Umfeld und sich über Gemeinschaften bis hin zu Haft und Vertreibung ausbreitend.
  • Formen der Gewalt: Die Gewalt gegen LGBTIQ+-Frauen ist häufig sexualisiert und häuslich (z.B. Zwangsheirat, Vergewaltigung in der Ehe, „korrigierende“ Übergriffe). Diese Gewalt wird oft als private oder kulturelle Angelegenheit verharmlost und bleibt unsichtbar.
  • Unzureichende Schutzmaßnahmen: Bestehende Schutzmaßnahmen, wie geschlechtsneutrale Unterkünfte und polizeiliche Sensibilisierungsprogramme, haben sich als unzureichend erwiesen und verstärken teilweise die Ausgrenzung und Verwundbarkeit von LGBTIQ+-Frauen.
  • Empfehlungen der AHRC: Forderungen an Staaten, einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen zu entkriminalisieren, den Zugang zu Asylverfahren zu sichern und Gewalt konsequent zu verhindern. Internationale Organisationen sollten verlässliche Daten erheben und Schutzstandards durchsetzen.
  • Kritik an den USA: Der Rückzug der USA aus internationalen Berichts- und Kontrollmechanismen schwächt den internationalen Schutz und verstärkt die Unterdokumentierung der Verfolgung von LGBTIQ+-Frauen.

Gewalt im Geheimen

Der Bericht mit dem Titel „From Home to Hostile Host: Structural Violence Against LBQ Women Across African Contexts“, verfasst von Melanie Nathan, basiert auf der Arbeit der AHRC in zwanzig afrikanischen Staaten. Dokumentiert werden unter anderem sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat, familiärer Ausschluss sowie staatlich ermöglichte oder geduldete Menschenrechtsverletzungen. Diese Gewaltformen würden in bestehenden Frauenrechts- und LGBTIQ+-Schutzmechanismen häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

Nach Angaben der Autorin erfahren LGBTIQ+-Frauen Gewalt auf andere Weise als schwule Männer oder andere sexuelle Minderheiten. Während Verfolgung von Männern häufiger öffentlich sichtbar, polizeilich kontrolliert oder strafrechtlich verfolgt werde, richte sich Gewalt gegen homosexuelle und queere Frauen vielfach in sexualisierter und häuslicher Form gegen sie. Dazu zählten etwa Zwangsehen, Vergewaltigung in der Ehe, sogenannte „korrigierende“ sexuelle Übergriffe sowie reproduktiver Zwang zur Durchsetzung traditioneller Geschlechterrollen.

Kein Schutz für LGBTIQ+-Frauen

Der Bericht betont weiter, dass strafrechtliche Verbote einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen dabei oft als Legitimationsrahmen wirkten. Sie rechtfertigten Gewalt auch dann, wenn diese nicht direkt durch staatliche Stellen, sondern durch Familienangehörige oder andere private Akteure ausgeübt werde. Gewalt gegen LGBTIQ+-Frauen werde zudem häufig als private oder kulturelle Angelegenheit verharmlost und bleibe dadurch unsichtbar.

Kritisch sieht der Bericht außerdem bestehende Schutzmaßnahmen. Geschlechtsneutrale Unterkünfte, kurzfristige humanitäre Hilfen, polizeiliche Sensibilisierungsprogramme ohne klare Rechenschaftspflichten sowie männerzentrierte LGBTIQ+-Angebote hätten sich als unzureichend erwiesen. Sie hätten Ausgrenzung und Verwundbarkeit teils sogar verstärkt, statt wirksamen Schutz zu bieten.

Forderungen an Staatengemeinschaft

Die AHRC formulierte daher eine Reihe von Empfehlungen. Staaten werden aufgefordert, einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen zu entkriminalisieren, den Zugang zu Asylverfahren sicherzustellen und Gewalt gegen LGBTIQ+-Frauen konsequent zu verhindern, zu untersuchen und zu bestrafen. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen sollten demnach stärker auf aufgeschlüsselte Daten zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität achten und die Einhaltung von Schutzstandards zur Voraussetzung für Zusammenarbeit machen.

Humanitäre Akteure sollten laut Bericht spezielle Schutzunterkünfte für lesbische Frauen schaffen, klare Schutzmechanismen etablieren und vertraulichen Zugang zu medizinischer sowie psychosozialer Versorgung gewährleisten. Auch Kinder müssten in entsprechende Hilfsangebote einbezogen werden. Asyl- und Flüchtlingssysteme sollten sexualisierte und familienbasierte Verfolgung anerkennen und Schutz auch ohne verpflichtende Selbstoffenlegung der sexuellen Orientierung ermöglichen.

Kritik an Rückzug der USA

Besondere Sorge äußert der Bericht über die internationale Menschenrechtslage. Die Vereinigten Staaten hätten sich zuletzt aus wichtigen internationalen Berichts- und Kontrollmechanismen zurückgezogen, unter anderem durch den Verzicht auf umfassende Berichterstattung zur Lage von Frauen und LGBTIQ+-Personen in den jährlichen Menschenrechtsberichten des US-Außenministeriums. Dies schwäche internationale Rechenschaftsstrukturen und treffe homosexuelle und queere Frauen besonders stark, deren Verfolgung ohnehin häufig unterdokumentiert sei. Der Rückzug bedeute keine Verbesserung der Situation, sondern verdecke bestehende Risiken. Umso wichtiger seien unabhängige Analysen und belastbare Daten, um Schutzansprüche bewerten und wirksame politische Maßnahmen entwickeln zu können.

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