Krise bei Influencern Die Hälfte der Social-Media-Profis hat Erfahrungen mit Burnout
Laut einer aktuellen Studie von Metricool berichten viele Social-Media-Profis von erheblichem Stress, mentaler Erschöpfung und einem Verlust an Kreativität. Die ständige Erreichbarkeit, hohe Arbeitsbelastung und häufige Alleinarbeit führen zu einer belastenden Arbeitsdynamik, die oft unterschätzt wird. Unter queeren Influencern verstärkt sich die Problematik oftmals noch einmal aufgrund von diskriminierenden Erlebnissen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Hohe Belastung: Viele Social-Media-Profis erleben Stress, mentale Erschöpfung und Kreativitätsverlust.
- Überlastung: 75 % der Befragten fühlen sich mit zu vielen Aufgaben überlastet, fast 60 % arbeiten ohne Teamunterstützung.
- Burnout-Erfahrungen: 46 % der Befragten haben bereits Burnout erlebt oder standen kurz davor.
- Überstunden: 37 % leisten häufig, 36 % gelegentlich Überstunden.
- Kreativität und Motivation: 73 % berichten von einem Verlust an Motivation und Kreativität, 69 % fühlen sich mental erschöpft.
- Queere Influencer besonders belastet: LGBTIQ+-Kreative erleben zusätzlich Diskriminierung, Hasskonfrontationen und den Druck, sich ständig öffentlich zu exponieren und für LGBTIQ+-Rechte Stellung zu beziehen.
Zu viel Arbeit, zu oft Burnout
Für ihre erste Wellbeing-Studie hat Metricool fast 1.000 Social-Media-Professionals befragt, darunter Angestellte aus Agenturen und Marketingabteilungen, aber auch Freelancer, Influencer und Content Creator. Die Ergebnisse werfen ein besorgniserregendes Licht auf die Arbeitsbedingungen in der Branche: Fast die Hälfte der Befragten hat bereits Burnout-Erfahrungen gemacht, während drei Viertel angeben, mit zu vielen Aufgaben überlastet zu sein.
Die Aufgaben im Social-Media-Management gehen weit über das bloße Posten von Inhalten hinaus. Über 90 Prozent der Befragten sind nicht nur für die Content-Erstellung, sondern auch für die Strategie, Planung, Datenanalyse sowie für Community-Management und Kundenkontakt verantwortlich. Trotz dieser Vielzahl an Aufgaben arbeiten fast 60 Prozent ohne Unterstützung durch ein Team. 87 Prozent fühlen sich in ihrer Arbeit oft oder manchmal überfordert. Verstärkt wird die Lage auch hier bei jenen Influencern, die selbstständig tätig sind.
Diese Arbeitsbelastung führt auch zu einem hohen Arbeitsaufwand. 37 Prozent der Befragten leisten häufig Überstunden, weitere 36 Prozent zumindest gelegentlich. Der schnelle Wandel der Social-Media-Welt, geprägt durch Trends, Algorithmen und den Druck, ständig Reichweite zu generieren, trägt ebenfalls zur Belastung bei. Der Wunsch, ständig neue Ideen zu entwickeln (58 Prozent), Last-Minute-Änderungen (48 Prozent) und die permanente Erwartung, sofort zu reagieren, sind die größten Stressfaktoren.
Die Auswirkungen der Überlastung sind deutlich: 46 Prozent der Befragten haben bereits Erfahrungen mit Burnout oder Beinahe-Burnout gemacht. 73 Prozent berichten von einem Verlust an Motivation und Kreativität, 69 Prozent fühlen sich mental erschöpft. Fast die Hälfte (46 Prozent) hat ernsthaft darüber nachgedacht, die Branche zu verlassen. Auch die Vergütung wird als problematisch angesehen: Nur vier Prozent der Befragten empfinden ihre Bezahlung als fair, während 26 Prozent dies nur teilweise tun.
Besonders belastet sind LGBTIQ+-Kreative
Queere Social-Media-Profis und Influencer sind besonders belastet, da sie nicht nur mit den allgemeinen Herausforderungen der Branche konfrontiert sind, sondern zusätzlich mit gesellschaftlicher Diskriminierung und Vorurteilen. In einer Welt, die oft noch von heteronormativen Erwartungen geprägt ist, müssen sie sich häufig mit negativen Kommentaren und Hasskonfrontationen auseinandersetzen. Die ständige Notwendigkeit, sich selbst darzustellen und zu verteidigen, sowie das Gefühl, eine „Repräsentation“ für ihre Community zu sein, können eine enorme psychische Belastung darstellen. Zudem sind queere Influencer oft der Erwartung ausgesetzt, sich öffentlich für LGBTIQ+-Rechte einzusetzen, was zusätzlichen Druck erzeugen kann, ständig Stellung zu beziehen und sich öffentlich zu exponieren. Dies kann zu einer noch intensiveren Erschöpfung führen, besonders wenn die Unterstützung aus ihrer Community oder von ihrem Publikum nicht immer sicher ist. Zur Minderung der Belastung fordern die Social-Media-Profis daher klarere Strukturen, realistischere Ziele und weniger Last-Minute-Änderungen.