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Fortschritte im Bereich HIV HIV-Experten sehen Durchbruch bis 2040

Von ms - 30.04.2026 - 10:00 Uhr
Fortschritte im Bereich HIV
Foto: iStock / nicolas_
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Mehr als 40 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus rückt eine mögliche Heilung nach Einschätzung von Wissenschaftlern näher. Zwar verlängern antiretrovirale Therapien (ARV) das Leben von Menschen mit HIV und halten das Virus unter Kontrolle, und Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) kann die Übertragung wirksam verhindern, eine Heilung ist bislang jedoch nicht gelungen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Fortschritte bei der Heilung von HIV: Wissenschaftler schätzen, dass eine Heilung von HIV in den nächsten 10-15 Jahren möglich sein könnte, dank signifikanter Investitionen und Fortschritte in der Forschung. 
  • Kombination von Ansätzen: Luis Montaner, Direktor des HIV Cure and Viral Diseases Center, erwartet keinen „Wundermedizin“-Durchbruch, sondern eine Kombination mehrerer Strategien. 
  • Herausforderungen: Zentrale Herausforderung bleibt die Identifizierung und gezielte Bekämpfung infizierter Zellen im Körper. 
  • Erfolgreiche Fallbeispiele: Weniger als ein Dutzend Menschen gelten als virusfrei, nachdem sie ein Transplantat erhalten haben, das ihr Immunsystem stärkte. 
  • Neue Forschungsergebnisse: Fortschritte bei der Integration von Lipid-Nanopartikeln und gentherapeutischen Verfahren könnten neue Wege für eine HIV-Heilung eröffnen. 

Durchbruch bis 2040 

Der Direktor des HIV Cure and Viral Diseases Center am Wistar Institute in Philadelphia, Luis Montaner, zeigt sich dennoch optimistisch. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch in meiner beruflichen Laufbahn einen Durchbruch erleben werden, und ich habe noch gute zehn bis 15 Jahre vor mir“, sagte er. Montaner rechnet nicht mit einer einzelnen Wundermedizin, sondern mit einer Kombination verschiedener Ansätze – ähnlich wie bei der bestehenden HIV-Therapie. „Einer funktioniert nicht, aber drei tun es.“

Er vergleicht den aktuellen Stand der Forschung mit einem Landeanflug: Vor fünf oder zehn Jahren habe man die „Landebahn“ noch nicht so klar gesehen wie heute. Grund dafür seien umfangreiche Investitionen in die heilungsorientierte Forschung in den vergangenen 15 Jahren, sowohl in den USA als auch international. Dadurch sei das Verständnis darüber gewachsen, warum infizierte Zellen trotz Virus überleben und wie das Immunsystem bei der Beseitigung unterstützt werden kann.

Das Virus ist stets einen Schritt voraus 

Als zentrale Herausforderung nennt Montaner die Frage, wie sich infizierte Zellen zuverlässig sichtbar machen lassen. Zwar gebe es inzwischen zahlreiche Strategien, um das Immunsystem zur Eliminierung infizierter Zellen zu befähigen, doch eine effektive Methode zur gezielten „Enttarnung“ dieser Zellen fehle noch.

Weltweit sind nach Schätzungen etwa ein Dutzend Fälle dokumentiert, in denen Menschen mit HIV als virusfrei gelten. In allen Fällen sei jedoch das Immunsystem der Betroffenen durch eine Transplantation ersetzt worden – durch Zellen, die weniger anfällig für eine Infektion sind. Diese Eingriffe hätten wichtige Erkenntnisse über die Dynamik der Infektion geliefert.

HIV nutze zentrale Mechanismen des Immunsystems für seine eigene Vermehrung, erklärt Montaner. Als Retrovirus schreibt es sein Erbgut von RNA in DNA um – in einem fehleranfälligen Prozess, der ihm evolutionäre Vorteile verschafft. Während das Immunsystem mehrere Tage für eine gezielte Reaktion benötigt, kann sich das Virus innerhalb eines Tages vermehren und so stets einen Schritt voraus sein.

Kombination mehrerer Strategien 

Zudem kann sich HIV in langlebige Immunzellen integrieren und dort als sogenanntes Reservoir überdauern. Frühere Annahmen, wonach aktivierte T-Zellen zwangsläufig Virus produzieren und sterben, hätten sich als unvollständig erwiesen. Es gebe Zellpopulationen, die sich teilen könnten, ohne Virus zu produzieren oder abzusterben. Antiretrovirale Medikamente griffen nur Schritte außerhalb des Zellkerns an. Für den bereits integrierten Bestandteil des Virus gebe es bislang keine gezielte Therapie.

Als vielversprechende Ansätze nennt Montaner mehrere Strategien. Dazu zählen bestimmte antiretrovirale Kombinationen, die den Zelltod infizierter Zellen fördern könnten, auch wenn bislang nicht alle infizierten Zellen erreicht würden. Zudem eröffneten Lipid-Nanopartikel neue Möglichkeiten, genetische Informationen gezielt in Zellen einzuschleusen – etwa um infizierte Zellen zu identifizieren oder Immunzellen gezielt zu stärken.

Kein Ende kurz vor dem Ziel 

Auch gentherapeutische Verfahren, wie sie in der Krebsbehandlung eingesetzt werden, könnten für die HIV-Forschung neue Wege eröffnen. Darüber hinaus sei es inzwischen möglich, jene Virusvarianten zu identifizieren, die vom Immunsystem noch nicht kontrolliert werden. Dadurch könne die Immunabwehr gezielt gegen diese Varianten gestärkt werden.

Mit Blick auf die langfristigen Investitionen in die Forschung warnt Montaner vor einem Nachlassen der Anstrengungen. „Es ist fast so, als säße man an einem Spielautomaten, hätte all diese Münzen eingeworfen und stünde kurz vor dem Jackpot, und dann sagt jemand: ‚Gut, du hast lange genug gespielt. Steh auf und geh zu einem anderen Automaten.‘ Und man sagt: ‚Nein, nein, ich bleibe hier sitzen.‘“ Er ergänzt: „Ich argumentiere, dass wir auf die Auszahlung warten müssen. Wir stehen nicht vom Stuhl auf, bevor wir die Arbeit beendet haben.“

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