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Prozess gegen Neonazi-Anführer „Wir töten die Schwulen und die Missgebildeten“

Von ms - 23.01.2026 - 12:00 Uhr
Prozess gegen Neonazi-Anführer
Foto: iStock / powerofforever
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In Rom startete jetzt der Prozess gegen den 27-jährigen Alessio Sabelli, der in Italien als Anführer der rechtsradikalen Neonazi-Gruppe „Unione Forze Identitarie“ (UFI) gilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine paramilitärische Organisation mit terroristischen Zielen geführt zu haben. Dabei soll es die Gruppe insbesondere auf Homosexuelle abgesehen haben. 

Kollaps der Gesellschaft

Der Angeklagte selbst bestreitet die Vorwürfe und behauptet, die Gruppe sei ursprünglich nur eine Online-Community von „Gamern“ gewesen, die sich durch das Videospiel „Wizard101“ zusammengeschlossen habe. Laut seiner Verteidigung seien die in den Chats verwendeten Begriffe wie „Waffen“, „Zellen“ und „Aktionspläne“ lediglich Teil von Rollenspiel-Dynamiken und virtuellen Koordinierungen gewesen.

Die Staatsanwaltschaft jedoch beschreibt die UFI als eine strukturierte, hierarchische Organisation mit klaren Verbindungen zu neonazistischen und faschistischen Ideologien. Sabelli, der sich in den Chats „Cesare“ nannte, soll dabei an der Spitze gestanden haben. Laut den Ermittlungen wurde die „Unione Forze Identitarie“ 2020 gegründet und sollte als „ideologische und operative Trainingshalle“ für einen „drohenden Kollaps“ der Gesellschaft dienen. Im Rahmen dieses Projekts begann Sabelli, reale Treffen in Rom, Imola und Bologna zu organisieren, bei denen er neue Mitglieder rekrutierte und das Vorhaben vorstellte. 

Rekrutierung von Jugendlichen 

Das erklärte Ziel war der Aufbau einer paramilitärischen Struktur, die auch junge Menschen einbezog – einige davon im Alter von nur zehn bis sechzehn Jahren. In Fiano Romano bekam die Rekrutierung von Minderjährigen viel öffentliche Aufmerksamkeit, nachdem die Eltern eines fünfzehnjährigen Jungen ein Messer und eine Schleuder in seinem Rucksack fanden und die Medien informierten. Die Gruppe wurde schließlich 2024 durch die Zusammenarbeit eines Mitglieds mit den Ermittlungsbehörden zerschlagen. Dabei entdeckte die Polizei ein Versteck der Gruppe im Parco della Caffarella, in dem Waffen und ein Messer mit Hakenkreuz gefunden wurden.

Zu Beginn des Prozesses versuchte Sabelli vor Gericht, die in den Chats abgefangenen Nachrichten zu relativieren. Laut seiner Darstellung seien die Bezugnahmen auf Munition und Reichweite lediglich auch Elemente des Spiels gewesen, während Symbole wie Runen und Hakenkreuze aus einer esoterischen oder „anthropologischen“ Perspektive verstanden werden sollten. Der sogenannte „Survivalismus“ sei einfach eine Freizeitaktivität im Freien, die auch „Zombie-Apokalypse“-Simulationen umfasse.

Gewaltaufrufe gegen Homosexuelle 

Ermittlungen und Beweise dokumentieren jedoch auch die Propaganda-Inhalte der Gruppe, darunter Spott über Juden und vor allem homosexuelle Menschen sowie konkrete Aufrufe zur Gewalt. „Wir töten die Schwulen und die Missgebildeten“, so eine der abgefangenen Statements. Sabelli versuchte, diese Inhalte als „Memes“ abzutun, die unkontrolliert über Telegram verbreitet wurden. Er bezeichnete diese als ein modernes „reduzierendes“ Mittel zur Propaganda. Der Prozess wird in den kommenden Monaten fortgesetzt, um weitere Beweise und Abhörprotokolle zu prüfen. In mehreren Verfahren, unter anderem in Rom, hat sich das italienische Innenministerium als Kläger der Ermittlungen angeschlossen.

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