Direkt zum Inhalt

Proteste in Italien Regierung will alle Sexualthemen und LGBTIQ+ von Schulen verbannen

Von ms - 22.04.2026 - 10:00 Uhr
Proteste in Italien
Foto: iStock / JackF
ANZEIGE
Loading audio player...

In Italien startete der Senat in dieser Woche die Beratung des umstrittenen Gesetzentwurfs DDL Valditara, rund vier Monate nach der Zustimmung des Abgeordnetenhauses im Dezember 2025. Das Gesetz sieht unter anderem ein Verbot sexualpädagogischer Aktivitäten in Kindergarten und Grundschule vor. In Mittel- und Oberschulen müssen Eltern schriftlich zustimmen, bevor ihre Kinder an Unterrichtseinheiten zu Sexualität und emotionalen Beziehungen teilnehmen. LGBTIQ+-Themen sollen dabei gezielt komplett verboten werden. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der italienische Senat begann in dieser Woche mit der Beratung des Gesetzentwurfs DDL Valditara, wenige Monate nach der Verabschiedung im Abgeordnetenhaus. 
  • Das Gesetz sieht ein Verbot sexualpädagogischer Aktivitäten in Kindergarten und Grundschule sowie die Pflicht zur schriftlichen Zustimmung der Eltern für Mittel- und Oberschulen vor. 
  • Externe Fachkräfte dürfen nur nach Genehmigung durch Lehrerkollegium und Schulausschuss eingesetzt werden. 
  • Mehrere Organisationen haben eine Unterschriftensammlung gestartet und rufen für heute zu einer Protestkundgebung in Rom auf.
  • Angedacht ist eine komplette Zensur von LGBTIQ+-Themen, die Opposition spricht von „Rückkehr ins Mittelalter“ 

Protestaktion in Rom

Darüber hinaus wird der Einsatz externer Fachkräfte stärker reguliert: Sie müssen vom Lehrerkollegium ausgewählt und vom Schulausschuss genehmigt werden. Alle verwendeten Materialien sollen transparent gemacht werden. Kritiker warnen, dass das Gesetz Familien in Bildungsfragen isoliert lasse und die Rolle von Fachkräften marginalisiere. Nach der Zustimmung im Abgeordnetenhaus mit 151 Ja-Stimmen, 113 Nein-Stimmen und einer Enthaltung will die Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Vorlage zügig auch im Senat durchsetzen. Erklärtes Ziel ist es dabei auch, alle Sachthemen rund um LGBTIQ+ ganz von den Schulen zu entfernen. 

Dagegen regt sich immer mehr Widerstand, zahlreiche Organisationen, darunter Agedo Nazionale, Arcigay, Famiglie Arcobaleno und weitere queere Verbände starteten eine Petition, in kurzer Zeit haben bereits mehr als 40.000 Menschen unterschrieben. Heute Vormittag wird es zudem in Rom auf der Piazza Vidoni ab 11 Uhr eine Kundgebung gegen die Verabschiedung des DDL Valditara geben. 

Rückkehr ins Mittelalter

Kritik am neuen Gesetzentwurf kommt auch von der Opposition, die Schulbeauftragte der Demokratischen Partei (PD) sprach von einem „zensurähnlichen Modell, das Freiraum für Desinformation lässt“ und der Europaabgeordnete Alessandro Zan kommentierte: „So kehrt Italien ins Mittelalter zurück.“ Ähnlich auch die Einschätzung von Elisabetta Piccolotti von der Alleanza Verdi e Sinistra: „Die Regierung ist von Fundamentalismus und religiösem Extremismus inspiriert. Das ist ein Angriff auf die Säkularität der Schule, auf die Freiheit der Lehre und überdies eine schwerwiegende Verweigerung des subjektiven Rechts aller Schüler und Schülerinnen auf Zugang zu einer umfassenden und qualitativ hochwertigen Bildung.“ 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtndIslamismus und Rechtsextremismus | Incels mit und ohne GottSüddeutsche ZeitungInterview: „Wer keinen Ärger kriegt, hat auch keinen Ärger gemacht“Frankfurter Allgemeine ZeitungPressefreiheit: Nachrichtenseite „T24“ in der Türkei wegen „LGBT-Propaganda“ gesperrtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kevin Williams ist tot

Abschied von frühen Adultstar

Kevin Williams, einer der bekanntesten schwulen Pornodarsteller der 1980er- und 1990er-Jahre, ist Ende September mit 60 Jahren gestorben.
Dame Esther Rantzen ist tot

Viele Jahre Einsatz für LGBTIQ+

Dame Esther Rantzen ist mit 86 Jahren gestorben. Die britische Moderatorin und Aktivistin setzte sich über Jahrzehnte für LGBTIQ+-Menschen ein.
Cooper Kim holt Gold

Gold beim internationalen Debüt

Der schwule Turner Cooper Kim gewinnt bei seinem internationalen Debüt Gold am Reck – und setzt damit sein erfolgreiches Jahr nach dem Coming-Out fort.
Frankreich spricht über Gewalt

Männer brechen ihr Schweigen

In Frankreich rückt sexuelle Gewalt gegen Männer stärker in den Fokus – besonders schwule und bisexuelle Männer sind betroffen.
Zweites Coming-Out In Japan

Volleyball-Profi Reon Arao ist out

Japans Volleyball-Profi Reon Arao spricht öffentlich über Identität, Geschlechterrollen und die schwierige Entscheidung zum Coming-Out.
Streitfall trans* Athletinnen

Klage gegen Sportverein gescheitert

Streitfall trans* Athletinnen: Eine Klage gegen den Sportbund NCAA wurde abgewiesen, ohne Klärung des Klagegrundes. Klägerin Gaines geht in Berufung.
Doppelmord in Arizona

Polizei nennt neue Details

Nach zwei Morden vor einer schwulen Bar in Tucson Arizona haben Ermittler jetzt Hinweise auf ein mögliches schwulenfeindliches Motiv gefunden.
Schärferes Extremismusrecht

„Traditionelle Werte“ in Russland

Ein russischer Gesetzentwurf soll den Extremismusbegriff radikal auf Ideologien ausweiten, die sich gegen „traditionelle Werte“ richten.
LGBTIQ+-Rechte unter Druck

Neue Gesetze verschärfen Risiken

UN-Experte Graeme Reid warnt vor wachsender Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen – besonders gefährdet seien Menschen in Haft.