Direkt zum Inhalt
Pride trotz Verbot

Pride trotz Verbot Hunderte CSD-Teilnehmer trotzen der türkischen Polizei in Istanbul

ms - 01.07.2024 - 08:00 Uhr
Loading audio player...

Seit Jahren verbieten die Behörden in Istanbul immer wieder aus oftmals fadenscheinigen Gründen wie einer angeblichen Gefahrenlage die Pride-Parade – die LGBTI*-Community im Land nahm dies auch in diesem Jahr erneut nicht schweigend hin, hunderte Demonstranten zogen am Wochenende lautstark durch die Innenstadt. 

„Jede Straße gehört uns“

Einmal mehr gelang es der Polizei dabei trotz einer Abriegelung des Zentrums inklusive geschlossener U-Bahn-Stationen rund um den Taksim-Platz nicht, die Pride-Teilnehmer daran zu hindern, durch die Straßen zu ziehen – immer wieder wichen diese den Beamten aus und zeigten sich kreativ in der Umsetzung ihrer grundsätzlichen Demonstrationsrechte. Im asiatischen Teil der Millionenmetropole kam es dann doch schlussendlich zur Pride-Parade.  

Hunderte Menschen schwenkten Regenbogenflaggen und liefen pfeifend und Parolen rufend durch die Straßen. „Eure Tausenden Polizisten, Hubschrauber und Verbote werden uns nicht aufhalten. Jede Straße in dieser Stadt gehört uns. Wir werden nie müde, die Polizei zu täuschen und sie zu zwingen, sich mit uns auseinanderzusetzen“, so das Statement der CSD-Organisatoren.

 Keine Polizeigewalt 

Glücklicherweise kam es dabei nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in diesem Jahr offenbar zu keinen gewalttätigen Auseinandersetzungen oder direkter Polizeigewalt wie die Jahre zuvor. Mindestens 15 Pride-Teilnehmer wurden allerdings von den Polizisten am Ende der Demonstration festgenommen. 

Das Büro des Gouverneurs von Istanbul hatte in diesem Jahr im Gegensatz zu den Jahren zuvor dieses Mal gar keine Begründung mehr genannt für das Pride-Verbot. Die CSD-Teilnehmer bezeichnete die türkische Behörde allerdings als „illegale Gruppe“. 

Angst vor LGBTI*?

Der Kampf gegen die LGBTI*-Demonstration wütet in der Stadt seit rund zehn Jahren, nachdem zuletzt im Jahr 2014 über 100.000 Menschen an der offiziellen Pride-Parade teilgenommen hatten. Dieses sichtbar starke Zeichen für den Wunsch nach mehr Gleichberechtigung für Homosexuelle dürfte dabei nicht nur den Stadtoberen in Istanbul, sondern auch Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Dorn im Auge gewesen sein, der in den letzten Jahren immer wieder mit homohoben Parolen und Statements negativ aufgefallen war.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Fataler Rückschlag im Senegal

Neues Hass-Gesetz tritt in Kraft

Internationaler Druck und eine Petition haben nichts gebracht: Senegals Präsident hat das verschräfte Anti-Homosexuellen-Gesetz unterzeichnet.
Entscheidung des Supreme Court

Zuspruch zu Konversionstherapien

Herber Rückschlag in den USA: Der Supreme Court hat ein Verbot von Konversionstherapien für nichtig erklärt. Queere Verbände sind geschockt.
Transgender Day Of Visibility

Steigende Hasskriminalität besorgt

Der alljährliche Transgender Day of Visibility am 31. März steht in diesem Jahr im Zeichen wachsender Besorgnis und steigender Hasskriminalität.
Engagement von Olly Alexander

Einsatz für Menschen mit HIV

Popsänger und Schauspieler Olly Alexander ist neuer Schirmherr einer der wichtigsten HIV-Organisationen in Großbritannien.
Bavarian Mr. Fetish 2026

Neue Wahl im Freistaat

Der Freistaat hat einen neuen Bavarian Mr. Fetish 2026, der nun ein Jahr lang die Belange der Fetisch-Community in Bayern vertreten wird.
Proteste im Senegal

Petition gegen Hass-Gesetze

Tausende Menschen fordern jetzt in einer Petition die EU und Senegals Präsidenten auf, die neuen Gesetze gegen Homosexuelle im Land zu stoppen.
Kreative Freiheit wird bedroht

Tausende queere Menschen betroffen

In Indien soll künftig die Angabe des Geschlechts medizinisch und staatlich überprüft werden müssen, so das Gesetz "Transgender Amendment Bill".
Appell von ILGA Europe

Ukrainische Community in Not

Seit der politischen Kehrtwende kämpft die Community in der Ukraine. Die ILGA Europe ruft jetzt zur Solidarität mit den queeren Menschen vor Ort auf.
ESC im Herbst in Asien

Expansion des Musikwettbewerbs

Der Eurovision Song Contest expandiert, im November wird es den Musikwettbewerb erstmals auch in Asien geben, zehn Länder sind bereits dabei.