Direkt zum Inhalt
Pornoverbot in den USA

Pornoverbot in den USA Im US-Senat wurde ein Gesetzesvorschlag eingebracht, der die Hardcore-Branche in Erschrecken versetzt

ms - 14.05.2025 - 16:00 Uhr
Loading audio player...

Die Republikaner in den USA sind weltoffen, am Puls der Zeit und in der Moderne angekommen – dieses Bild versuchen die Partei und ihre Mitglieder zumindest seit einigen Jahren in der breiten Gesellschaft immer wieder zu festigen. Das funktioniert meist auch so lange, bis einer von ihnen einmal wieder mit einer spezialgelagerten Gesetzesidee um die Ecke kommt. Den Titel als Sonderlinge des Monats gewinnen im Mai die Republikaner Mike Lee aus Utah und Mary Miller aus Illinois. Ihr Ziel: Pornografie soll in den ganzen USA verboten und sogar zu einem Bundesverbrechen deklariert werden. 

Alles wird obszön und strafbar 

Diesen Gesetzesvorschlag brachte das Duo jetzt in den US-Senat ein. Ob das Vorhaben eine Mehrheit findet, darf bezweifelt werden, obwohl man den Republikanern andererseits inzwischen fast alles zutrauen möchte. Im Falle einer Verabschiedung würde der Begriff „Obszönität“ im Rahmen des Kommunikationsgesetzes von 1934 neu definiert, und zwar so, dass dieser „ein lüsternes Interesse an Nacktheit, Sex oder Ausscheidungen“ bedeutet, „tatsächliche oder stimulierte sexuelle Handlungen mit der objektiven Absicht abbildet, beschreibt oder darstellt, die sexuellen Wünsche einer Person zu erregen, hervor zu kitzeln oder zu befriedigen“, und „in seiner Gesamtheit keinen ernsthaften literarischen, künstlerischen, politischen oder wissenschaftlichen Wert besitzt.“ Dazu soll das Teilen von solchen „obszönen Inhalten“ ebenso strafbar werden – auch unter Erwachsenen.  

Absurd oder echte Gefahr? 

Ein Rundumschlag also, der professionelle Pornofirmen ebenso trifft wie Hobbyfilmer im privaten Kämmerlein oder Sexarbeiter. Senator Lee ist dabei von der hartnäckigen Sorte und versucht bereits zum dritten Mal nach 2022 und 2024, das Gesetz nun endlich durchzusetzen. Unbeirrt erklärte der 53-Jährige, dass man im Internetzeitalter die Amerikaner vor „„extremer Pornografie“ schützen müsste, insbesondere natürlich die Kinder. 

So absurd das Vorhaben auf den ersten Blick klingen mag, ganz unrealistisch ist das Vorhaben inzwischen nicht mehr, nachdem Donald Trump erneut zum US-Präsident gewählt wurde und sich die Mehrheitsverhältnisse in beiden Kammern des US-Kongresses zugunsten der Republikaner verändert haben. Sexarbeiter, Porno-Produzenten und Darsteller warnen deswegen eindringlich vor der Gesetzesidee in einem aktuell „extrem feindseligen politischen Klima.“ Das Verbot sei ein direkter Angriff auf „sexuelle Meinungsäußerung, Redefreiheit und Pornos“. 

Alana Evans, Vorsitzende der Hardcorefilm-Gewerkschaft Adult Performance Artists Guild (APAG), spricht von „einem echt großen Problem“ und warnt gerade die Gay-Community: „Sie sind jetzt schon hinter uns her.“ Besonders heikel: Der Gesetzestext ist so vage und gleichzeitig weitreichend geschrieben, dass je nach Auslegung extrem viel verboten werden könnte – von Softcore-Angeboten über private OnlyFans-Anbieter bis hin zu Clubs mit Lap-Dance oder Läden, die einfach nur Dessous verkaufen.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ausschluss bei Miss America

Trans* Frauen sind nicht erwünscht

Die Veranstalter der Miss America-Wahl haben nun ihre Richtlinien geändert und erklärt, dass trans* Frauen nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen.
Krise im Senegal

Homophobie und HIV

Das schärfere Anti-Homosexuellen-Gesetz sowie eine Welle von Gewalt befeuern im Senegal jetzt auch eine Krise bei der Versorgung von Menschen mit HIV.
Verfassungsänderung in Litauen

Homosexuelle Ehe und Familie

Die Regierung in Litauen will die Ehe und die Familie so in der Verfassung verankern, dass Homosexuelle und Regenbogenfamilien ausgeschlossen sind.
Rauswurf aus US-Militär

Erste trans* Soldaten betroffen

Offenbar ist das US-Militär trotz laufender Gerichtsverfahren dabei, erste trans* Soldaten nach einem Dekret des US-Präsidenten zu entlassen.
Eklat um Coachella Festival

Spenden an Anti-LGBTIQ+-Gruppen

Die Veranstalter des eigentlich queer-positiven Coachella Festivals in den USA spendeten Hunderttausende Dollar teilweise an Anti-LGBTIQ+-Verbände.
Kirche von Wales

Segnung homosexueller Paare

Die Kirche von Wales wird dauerhaft Segnungen von homosexuellen Paaren durchführen. Ein deutliches Statement gegen die Kirche von England.
Rechte Gewalt in Brandenburg

Verstärkter Einsatz der Polizei

Rechte Hetze und Gewalt hat in Brandenburg 2025 zugenommen, die Täter hatten es dabei verstärkt auf homosexuelle Männer abgesehen.
Ex-Rugbystar Gareth Thomas

Kampagne gegen Drogenkonsum

Der schwule britische Ex-Rugby-Nationalspieler Gareth Thomas will mit einer neuen Kampagne vor Chemsex und Drogen in der Community warnen.
Charlie Kirk Act in Tennessee

Neues Gesetz nach Mordfall

Im US-Bundesstaat Tennessee könnte bald der Charlie Kirk Act in Kraft treten; das Gesetz verbietet Protest gegen Anti-LGBTIQ+-Redner an Schulen.