Direkt zum Inhalt

Polens neue Wege Wie stehen die Polen homosexuellen Rechten gegenüber?

Von ms - 03.05.2024 - 10:00 Uhr
Polens neue Wege
Foto: iStock / MikeMareen
ANZEIGE
Loading audio player...

Wie ist es aktuell um die angedachte Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Polen bestellt? Und wie stehen die Polen selbst dem Vorhaben inzwischen gegenüber? Fakt ist, in der polnischen Gesellschaft bewegt sich in diesen Tagen sehr viel, das mag durchaus auch an der neuen Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk liegen – dieser versprach anfangs noch die baldige Einführung der umgangssprachlichen Homo-Ehe. 

Stadt-Land-Gefälle

Noch immer ist das Land gerade bei der Frage um mehr Rechte für Schwule und Lesben zweigeteilt, wie auch die Kommunal- und Regionalwahlen im April dieses Jahres erneut aufzeigten. In Polen scheint mehrheitlich das altbekannte Gefälle zwischen Land und Stadt tatsächlich noch vielerorts der Wahrheit zu entsprechen: Je ländlicher, desto eher homophober, je städtischer, desto liberaler und offen für die Rechte von Homosexuellen. 

Tusk bekräftigte erst vor wenigen Tagen, dass er den Kurs seines politischen Dreier-Bündnisses fortsetzen will. Noch wird der Ministerpräsident vom konservativen Hardliner Präsident Andrzej Duda ausgebremst, der gegen jedes Gesetz sein Veto einlegen kann und den streng homophoben Kurs der Vorgängerregierung unter der PiS-Partei befürwortet. Dudas Amtszeit endet voraussichtlich im nächsten Jahr.  

Druck aus der EU

Ein Grund, warum Tusk in einem ersten Schritt nun zunächst eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft im Land einführen will, diese ist der Ehe nicht in allen Punkten gleichgestellt, aber rechtlich deutlich einfacher und schneller umzusetzen. Polen ist eines von fünf EU-Staaten, die für Homosexuelle bis heute keine rechtliche Partnerschaft umgesetzt haben. Inzwischen bekommt das Land auch massiven Druck seitens dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, das auf eine baldige Umsetzung pocht. 

Unterstützung in der Bevölkerung wächst

Die Frage ist, wie steht die polnische Gesellschaft selbst dazu? Noch im letzten Jahr zeigte das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center auf, dass gerade einmal 41 Prozent der Polen für die Homo-Ehe sind. Zusammen mit Ungarn war das Land damit Schlusslicht in ganz Europa. 

Nun legt eine repräsentative Umfrage des Privatsenders RMF FM nahe, dass sich hier ein Wechsel vollzogen haben könnte. Befragt nach einer eingetragenen Lebenspartnerschaft im April dieses Jahres befürworteten 66 Prozent der Polen diese. Die Hälfte der Einwohner sprach sich dann sogar für eine gleichgeschlechtliche Ehe aus. Das wäre also in der Tat ein gewisser Sinneswandel. Einzig in puncto Adoptionsrecht sind die Polen noch mehrheitlich sehr skeptisch, 63 Prozent lehnen diese für homosexuelle Paare ab, nur 22 Prozent der Bevölkerung können sich das vorstellen.   

Anzeige

Auch Interessant

Weltpremiere von „Artificial“

Guadagnino nimmt OpenAI ins Visier

Luca Guadagninos „Artificial“ erzählt vom Machtkampf bei OpenAI. Andrew Garfields Darstellung des schwulen Sam Altman sorgt für großes Kritikerlob.
Böse schwule Geister

Spukgeschichten vor Gericht

Ein Mann in Namibia machte „schwule Geister“ für eine tödliche Messerattacke verantwortlich. Das Gericht glaubte der Aussage nicht.
AfD will Jugendhilfe umbauen

Queere Jugendliche im Fokus

Die AfD will das Jugendhilferecht ändern und die Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten jenseits von Mann und Frau zurückdrängen.
Ende von Bowens Karriere?

Wrestling-Pionier vor Abschied

Anthony Bowens schrieb als schwuler AEW-Champion Wrestling-Geschichte. Nach sechs Jahren ist sein Vertrag nun ausgelaufen. Das Ende der Karriere?
Kampf gegen das Vergessen

LGBTIQ+-Geschichte unter Druck

Stonewall-Museumschef Robert Kesten warnt vor Angriffen auf LGBTIQ+-Geschichte und setzt auf Bildung, Archive und einen stärkeren Dialog mit Medien.
Verdacht auf Asylbetrug

Hunderte Fälle in England

In London ermitteln Behörden jetzt gegen ein Netzwerk, das falsche Belege über die vermeintliche Homosexualität von Asylbewerbern verkauft haben soll.
Forderungen an Rot-Grün-Rot

LSVD+ drängt auf klare Zusagen

Der LSVD+ Berlin-Brandenburg fordert von SPD, Grünen und Linken verbindliche Zusagen für Schutz, queere Angebote und den World Pride 2032 in Berlin.
Freikirche sorgt für Kritik

Streit um Jugendhilfe in Karlsruhe

In Karlsruhe wird über die evangelikale Freikirche ICF als Träger der Jugendhilfe entschieden. Queere Verbände warnen vor queerfeindlichen Positionen.
Alito kritisiert Ehe für alle

Oberster Richter warnt vor Folgen

US-Verfassungsrichter Samuel Alito kritisiert in seinem neuen Buch die Ehe für alle und warnt vor Folgen für die Religionsfreiheit.