Direkt zum Inhalt
Niederlage in Polen
ANZEIGE

Niederlage in Polen Präsident Nawrocki lehnt Vorhaben für Schwule und Lesben ab

ms - 21.10.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Polens Präsident Karol Nawrocki hat jetzt bekräftigt, dass er das Gesetzvorhaben zur Einführung eines Partnerschaftsgesetzes für Schwule und Lesben nicht unterzeichnen wird. Dabei betonte der rechtskonservative Staatspräsident: „Wir verteidigen die traditionelle Familie!“ 

Kompromissvorschlag scheitert 

Das zuletzt vorgestellte Gesetzesvorhaben war bereits ein wachsweicher Kompromiss, um so den Präsidenten möglicherweise doch zu einem Zusage zu bewegen. Es sah leichte Verbesserungen von gleichgeschlechtlichen Paaren bei Steuer, Unterhalt oder der Auskunftspflicht im Gesundheitsbereich vor und einen Vertrag, der beim Notar geschlossen worden wäre. Zudem vermied es die Mitte-Links-Koalition von Ministerpräsident Donald Tusk, das Wort „Partnerschaftsgesetz“ überhaupt zu verwenden und sprach durchwegs von einem „Gesetz über den Status der nahestehenden Person in einer Beziehung und den Vertrag über das Zusammenleben.“ Geholfen hat es offenbar alles nichts, auch bisherige Gespräche mit dem Präsidenten blieben demnach erfolglos. 

Keine „Alternative zur Ehe“

Seit einem Jahr wird um das Gesetzesvorhaben gerungen, immer wieder hatte es Änderungen zum Nachteil der schwul-lesbischen Community gegeben, offenbar durchgehend trotzdem erfolglos. Nawrocki steht der früheren ultra-katholischen Regierungspartei PiS nahe, die in ihrer Zeit auch die berüchtigten „LGBT-freien Zonen“ eingeführt hatte. Mit Tusk als neuen Ministerpräsidenten hoffte die polnische Community endlich auf rechtliche Verbesserungen – durch die Wahl von Nawrocki als neuen Staatspräsidenten im Juni dieses Jahres dürfte sich dies nun endgültig zerschlagen haben. 

Nawrocki will die Ehe als verfassungsrechtliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau verteidigen. Beim Gesetzesvorhaben von Tusk „handelt es sich um einen Versuch, eine Alternative zur Ehe zu schaffen“, so der Staatspräsident. Mit seiner Stellungnahme hat Nawrocki den verabschiedeten Vorschlag damit faktisch auf Eis gelegt. Queere Medien im Land sprechen davon, dass der Staatspräsident das Land „in die dunklen Jahre der ultrakonservativen Regierungen der frühen 2000er Jahre zurückwirft.“ Kurz vor dem Statement des Staatspräsidenten hatte auch die PiS erklärt, das Gesetz sei „eine extrem linke, eindeutig verfassungswidrige Lösung, die darauf abzielt, die Ehe durch Pseudopartnerschaften zu ersetzen.“ Die rechtsextreme Partei Confederation bezeichnete das Gesetzesvorhaben gar als „Angriff auf die Grundwerte der Gesellschaft“. 

Frust in der Community

Innerhalb der Community macht sich seit der finalen Absage von Narwocki erneut Bitterkeit und Wut breit, wie ein Sprecher der homosexuellen Gruppe Miłość Nie Wyklucza („Liebe schließt nicht aus“) betonte: „Wir haben 23 Jahre darauf gewartet, dass der Staat uns anerkennt. Aber laut Gesetz sind wir immer noch völlig unbekannt und bleiben es nun auch. Seit den Präsidentschaftswahlen war uns eigentlich bereits klar, dass es im aktuellen politischen System keine Möglichkeit gibt, die benötigten Gesetzesänderungen durchzusetzen. Der Rechtsweg ist für mindestens fünf Jahre versperrt. Es bleibt der Weg der Rechtsstreitigkeiten, das heißt, der Kampf gegen Diskriminierung vor polnischen und europäischen Gerichten.“  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwule Witze

Homosexuelle als Lachnummer

Eine neue YouGov-Studie zeigt: In Großbritannien wächst die Zahl der Menschen, die Witze über Homosexuelle akzeptabel finden.
Kai Wegner zieht Konsequenzen

Rückzug als CDU-Spitzenkandidat

Kai Wegner gibt die CDU-Spitzenkandidatur ab, während Stefan Evers als möglicher Nachfolger den Berliner Wahlkampf übernehmen soll.
Sex bei Heartstopper

Neuer Mut zu mehr Realität

Mit einem finalen Film endet in einer Woche „Heartstopper“ – und die Stars sprechen über Abschied, Sexszenen und die Bedeutung queerer Sichtbarkeit.
Generation Z verändert sich

Mehr Frauen queer als Männer

Eine neue Studie zeigt: Frauen der Generation Z identifizieren sich deutlich häufiger als LGBTIQ+ als Männer derselben Altersgruppe.
Klatsche für Ron DeSantis

US-Gericht stoppt "Woke"-Verbot

Ein US-Berufungsgericht stoppte jetzt Floridas „Stop Woke Act“ an Hochschulen und sieht darin eine unzulässige Machtüberschreitung.
Schadensersatz für Verleumdung

Schwuler US-Lehrer wehrte sich

Ein US-Gericht hat einem schwulen Lehrer und einer LGBTIQ+-Unterstützerin wegen Verleumdung mehr als eine Million Dollar Schadenersatz zugesprochen.
Shigella auf dem Vormarsch

Neue Gefahr durch Resistenzen

Sexuell übertragbare Shigella-Infektionen nehmen in Großbritannien weiter zu und werden zunehmend schwerer behandelbar.
HIV-Experten schlagen Alarm

Warnung vor Versorgungslücken

HIV-Experten warnen vor Folgen sinkender HIV-Hilfen und fordern von Deutschland jetzt mehr internationales Engagement im Kampf gegen HIV/Aids.