Neuer Sitz für Vielfalt Janka Kluge vertritt LGBTIQ+ im SWR-Rundfunkrat
Erstmals wird es im Rundfunkrat des Südwestrundfunks (SWR) einen eigenen Sitz für die Selbstvertretung queerer Bürger geben. Mit dem neuen SWR-Rundfunkrat, der Ende September seine Arbeit aufnimmt, wird damit eine bisher nicht vertretene gesellschaftliche Perspektive in dem Gremium verankert, wie die LSVD+-Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz betonen.
Das Wichtigste im Überblick
- Mit dem neuen SWR-Rundfunkrat gibt es erstmals einen Selbstvertretungssitz für queere Bürger.
- Die Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz des LSVD+ nehmen den Sitz gemeinsam wahr.
- Als Vertreterin wurde die langjährige trans* Aktivistin und Autorin Janka Kluge aus Stuttgart benannt.
- Der neue SWR-Rundfunkrat nimmt Ende September seine Arbeit auf und ist bis 2031 im Amt.
- Der neue SWR-Staatsvertrag sieht erstmals einen Selbstvertretungssitz für LGBTIQ+ im Rundfunkrat vor.
- Grundlage ist das vom Bundesverfassungsgericht 2014 formulierte Prinzip, dass Rundfunkgremien möglichst vielfältige Perspektiven abbilden sollen.
- Der LSVD+ begrüßt den Sitz als wichtigen Schritt für mehr queere Sichtbarkeit und eine differenzierte Berichterstattung.
Erstmals queere Selbstvertretung
Den Sitz werden künftig gemeinsam die Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz des LSVD+ – Verband Queere Vielfalt wahrnehmen. Als Vertreterin wurde die langjährige trans* Aktivistin und lesbische Autorin Janka Kluge aus Stuttgart benannt. Als Stellvertretung konnte Moderatorin und Künstlerin Janboris Ann-Kathrin Rätz aus Mainz gewonnen werden. „Öffentlich-rechtliche Medien tragen eine besondere Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt. Mit der gemeinsamen Vertretung im neuen Rundfunkrat wollen wir sicherstellen, dass queere Perspektiven im Südwesten fest verankert sind und in die Programmgestaltung einfließen“, erklärt Ulrike Goth aus dem Landesvorstand des LSVD+ in Baden-Württemberg.
Auch der Landesverband Rheinland-Pfalz sieht in dem neuen Sitz einen wichtigen Schritt für die Darstellung queerer Menschen in den Medien. „Queere Sichtbarkeit in den Medien kann Vorurteile und Feindlichkeiten abbauen. Wir wollen im Rundfunkrat mit dafür sorgen, dass queere Themen differenziert, respektvoll und vielfältig dargestellt werden – jenseits von Klischees und Polarisierung“, ergänzt Joachim Schulte aus dem Landesvorstand des LSVD+ in Rheinland-Pfalz.
Neue Vertretung im Rundfunkrat
Nach Angaben des LSVD+ sind queere Menschen im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Gruppen bislang in vielen Aufsichtsgremien deutscher Medienhäuser nicht vertreten. Beim Südwestrundfunk soll sich dies nun ändern. Vorausgegangen war ein jahrelanges Engagement aus der Zivilgesellschaft. Mit dem neuen SWR-Staatsvertrag wurde erstmals ein Selbstvertretungssitz für LGBTIQ+ im SWR-Rundfunkrat geschaffen. Damit folgen die beiden Landesregierungen und der Sender dem Grundsatz der Vielfaltssicherung, wie ihn das Bundesverfassungsgericht bereits 2014 in seinem Urteil zum ZDF-Staatsvertrag formuliert hat. Die Zusammensetzung von Rundfunkgremien müsse Personen mit „möglichst vielfältigen Perspektiven und Erfahrungshorizonten aus allen Bereichen des Gemeinwesens“ zusammenführen, heißt es in der Entscheidung. Die Amtsperiode des neuen SWR-Rundfunkrats läuft bis 2031.
Darstellung queerer Themen
In der Medienberichterstattung über lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche sowie queere Menschen hat sich nach Einschätzung des LSVD+ in den vergangenen Jahren vieles verbessert. Viele Redaktionen berichteten inzwischen seriös und differenziert über queere Themen. Gleichzeitig würden queere Menschen und Themen in manchen Medien weiterhin verzerrt, sensationalistisch oder abwertend dargestellt. Mit einer starken queeren Stimme im Rundfunkrat solle diese Perspektive deshalb künftig systematisch gestärkt werden. Bereits 2015 war eine Kampagne des LSVD+ erfolgreich, die zu einem Sitz im ZDF-Fernsehrat führte. Mit der nun vorgesehenen Vertretung im SWR-Rundfunkrat kommt erstmals auch im Südwesten ein eigener Sitz für die queere Selbstvertretung hinzu.