Direkt zum Inhalt
Neue Richtlinien beim ESC

Neue Richtlinien beim ESC Reaktion nach Israels zweitem Platz in diesem Jahr

ms - 24.11.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat nach dem umstrittenen Ergebnis des Eurovision Song Contest (ESC) 2025 in Basel Änderungen an den Abstimmungsregeln angekündigt. Israel hatte in diesem Jahr den zweiten Platz belegt, was zu heftiger Kritik führte. Um das „Vertrauen in den Wettbewerb“ zu stärken und Manipulationen zu verhindern, wird das Publikum künftig nur noch halb so viele Stimmen abgeben können, und die Jury wird wieder im Halbfinale mitentscheiden.

Veränderte Abstimmungsmechanismen 

Im kommenden Jahr, wenn der ESC in Wien stattfindet, wird die maximale Anzahl der Stimmen, die das Publikum abgeben kann, von 20 auf 10 reduziert. Diese Stimmen können weiterhin über Online-Abstimmungen, SMS und Telefonanrufe abgegeben werden. Darüber hinaus wird die Jury nun wieder im Halbfinale ihre Bewertung abgeben, was in den letzten Jahren aufgrund der Kritik an der Juryentscheidung zuvor verändert worden war. Zusätzlich wird die EBU ihre bestehenden Regeln verschärfen, um Missbrauch und unfaire Einflussnahme, etwa durch manipulative Texte oder Inszenierungen, zu verhindern.

Die Änderungen erfolgen als Reaktion auf den ESC 2025, bei dem die israelische Sängerin Yuval Raphael dank eines überwältigenden Publikumsvotings den zweiten Platz belegte. Es gab jedoch Bedenken, dass Israel möglicherweise von einer groß angelegten digitalen Werbekampagne profitierte, die gezielt darauf abzielte, das Publikum zu beeinflussen. Obwohl keine direkten Hinweise auf Manipulationen gefunden wurden, führte dies zu den nun beschlossenen Änderungen.

Erläuterung der neuen Regeln und deren Zielsetzung

Laut der EBU sollen die neuen Abstimmungsmechanismen den Wettbewerb vor unzulässigen Einflussnahmen schützen und sicherstellen, dass die Qualität der Beiträge gleichwertig neben ihrer Popularität gewürdigt wird. Besonders die verstärkte Rolle der Jury im Halbfinale soll dazu beitragen, dass nicht nur kommerziell erfolgreiche, sondern auch künstlerisch anspruchsvolle Beiträge eine Chance auf das Finale haben. Das Juryvoting war 2023 aus dem Halbfinale gestrichen worden, sodass in den letzten Jahren ausschließlich die Zuschauer darüber entschieden, welche Beiträge sich für das Finale qualifizierten.

Auch die technische Sicherheit des Abstimmungsverfahrens wird verbessert, um betrügerische oder koordinierte Aktivitäten zu erkennen. ESC-Direktor Martin Green betonte, dass diese Maßnahmen darauf abzielen, den Fokus des Wettbewerbs auf Musik, Kreativität und die Verbindung zwischen den Ländern zu lenken.

Politische Spannungen und Boykott-Drohungen

Der ESC 2026 wird bereits jetzt von politischen Spannungen begleitet. Mehrere Länder, darunter Spanien und Irland, haben angekündigt, den Wettbewerb zu boykottieren, falls Israel trotz der politischen Lage im Nahen Osten teilnimmt. Auf der anderen Seite hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) klar gemacht, dass Deutschland mit einem Boykott droht, sollte Israel ausgeschlossen werden. Auch Österreich zeigte sich kritisch gegenüber Forderungen, Israel vom Wettbewerb auszuschließen.

Die israelische Rundfunkanstalt KAN bezeichnete einen möglichen Ausschluss Israels als „besonders beunruhigend“ und warnte vor den weitreichenden Konsequenzen für den Wettbewerb und die Werte, die die EBU vertrete. Im Dezember will die EBU durch eine Mitgliederbefragung final über die Teilnahme Israels im kommenden Jahr entscheiden. In Online-Fanforen werden die neuen Regeln äußerst kritisch bewertet, auch unter queeren Fans. Der vorherrschende Tenor lautet: Wenn die EBU das Abstimmverhalten der Fans nicht gefällt, ändere sie einfach die Regeln. 

Ausblick auf den ESC  in Wien

Neben den politischen Diskussionen gibt es auch Gespräche über neue Länder, die am ESC teilnehmen könnten. Kanada hat Interesse an einer Teilnahme im Rahmen des 70. ESC-Jubiläums 2026 gezeigt. Vertreter des kanadischen öffentlich-rechtlichen Senders CBC/Radio-Canada haben erste Gespräche mit der EBU geführt. Der ESC 2026 wird am 16. Mai in Wien stattfinden. Nach dem Sieg des österreichischen Countertenors JJ beim ESC 2025 wird Österreich als Gastgeber auftreten. Die EBU plant, die Liste der teilnehmenden Länder vor Weihnachten bekannt zu geben. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Warnungen vor Überwachung

Über 100 queere Bücher betroffen

Die Leiterin der Rutherford County Library wurde von der Bibliotheksführung entlassen, weil sie sich weigerte, LGBTIQ+-Bücher zu entfernen.
Miersch und Spahn

Debatte übers eigene Schwulsein

Im Interview mit der Zeit diskutieren Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) über ihre Selbstdefinition als schwule Männer.
Aufsehen um neue HBO-Serie

Schwules Leben und Lieben in Polen

Die neue polnische Serie "Proud" porträtiert das Leben von jungen Schwulen und sorgt im Land derzeit für viel Aufregung.
Prominente Kritik an US-Agenda

Im Fokus ICE-Jugendhaftzentrum

Über 200 Prominente, darunter Madonna, Billy Porter oder Javier Bardem, fordern die Schließung einer ICE-Haftanstalt für Kinder und Familien in Texas.
HIV in Schottland

Keine neue Infektionen bis 2030?

Schottland ist auf dem Weg, HIV-Übertragungen bis 2030 ganz zu beenden, dazu bedarf es allerdings jetzt mehr Einsatz der Regierung, so Fachverbände.
Schwere Lage in Australien

Queere Menschen in Down Under

Die Lage für queere Menschen in Australien habe sich innerhalb von knapp zehn Jahren verschlechtert, betonte jetzt die Menschenrechtskommission.
Depressionen bei Jugendlichen

Erneute Zunahme der Fallzahlen

Abermals sind die Fälle von Depressionen bei Jugendlichen angestiegen, besonders belastet sind dabei queere Minderjährige.
Anhörung im Fall Uganda

Sitzung im kanadischen Parlament

Homosexuelle aus Uganda haben sich in einer Anhörung an Kanada gewandt und erhoffen sich mehr Schutz für Schwule und Lesben.
Japan prüft Öffnung der Ehe

Beratungen des Obersten Gerichts

Seit Jahren wird in Japan über die Einführung der Ehe für alle gestritten, nun hat sich endlich das Oberste Gericht der Sache angenommen.