Direkt zum Inhalt
Neue Kritik an der Ampel

Neue Kritik an der Ampel Will die Bundesregierung die LGBTI*-feindliche Agenda in Ghana oder Georgien nicht sehen?

ms - 02.04.2024 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Erneut gibt es Kritik an der Ampel-Regierung: Die Bundesregierung hat jetzt ihren vierten Bericht zur Einstufung von „sicheren Herkunftsstaaten“ offiziell vorgelegt – in dieser Liste befinden sich nun auch Länder wie Georgien, Ghana oder der Senegal. Aus Sicht des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands LSVD+ sind dies allesamt jedoch vor allem für LGBTI*-Menschen keineswegs sichere Herkunftsstaaten. 

Keine Menschenrechte?

Bereits im November letzten Jahres kritisierte der Verein das Vorhaben der Bundesregierung scharf – auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, übte Kritik an der eigenen Ampel-Koalition. Bezüglich der jetzt tatsächlich erfolgten Einschätzung seitens des Bundesamtes für Migration BAMF erklärt Patrick Dörr aus dem Bundesvorstand: „Die Bundesregierung muss auf die sich zuspitzende Lage für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie weitere queere Menschen (LSBTIQ*) in vielen Herkunftsländern reagieren. Staaten wie Ghana und Senegal, in denen die Menschenrechte von LSBTIQ* täglich mit Füßen getreten werden, in denen queeren Personen mehrjährige Haftstrafen drohen und in denen der Staat die massive queerfeindliche Gewalt in der Gesellschaft auch noch befeuert, dürfen nicht als sichere Herkunftsstaaten geadelt werden. In Ghana soll nach dem Willen des Parlaments die staatliche Verfolgung queerer Menschen sogar noch verschärft werden.“ 

Die Lage in Ghana und Georgien 

Dabei verweist der LSVD+ auch auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass keine Staaten als sicher eingestuft werden dürften, in denen nicht alle Personen- und Bevölkerungsgruppen vor Verfolgung sicher sind. Zuletzt erst vor wenigen Tagen hatte beispielsweise auch die Regierung in Georgien angekündigt, an einem neuen Gesetz zu arbeiten, dass „homosexuelle Propaganda“ per Verfassung komplett verbieten soll. In Ghana wird voraussichtlich zeitnah ein neues Gesetz in Kraft treten, dass die bloße Existenz von Homosexuellen strafbar werden lässt und eine Meldepflicht für Schwule und Lesben vorsieht. 

Gibt die Regierung dem Rechtsruck nach?

Warum die Ampel-Regierung an der neuen Beurteilung sicherer Herkunftsstaaten festhält, erklärt sich Dörr so: „Mit dem verfassungswidrigen Festhalten an der Listung der LSBTIQ*-Verfolgerstaaten Ghana und Senegal gibt die Bundesregierung dem Druck rechtsradikaler Kräfte nach und bestärkt so ihre Narrative, anstatt ein Konzept für eine menschenrechtskonforme Asylpolitik zu verfolgen.“

Der LSVD+ sieht jetzt im Besonderen Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sowie Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in der Pflicht, sie müssten die genannten Länder wieder von der Liste streichen lassen. „Es darf nicht sein, dass queere Geflüchtete, die vor schlimmster Gewalt und drakonischen Strafen geflohen sind, einen Bescheid erhalten, in denen ihr Schutzgesuch nicht nur abgelehnt, sondern auch noch als ´offensichtlich unbegründet´ verhöhnt wird.“ Zumindest ein „ordentliches Asylverfahren“ müsse die Regierung dabei schnellstmöglich garantieren.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Homophobie unter Fußballern

Neuer Vorfall in Australien

Der australische AFL-Star Lance Collard muss sich erneut wegen einer homophoben Beleidigung verantworten, er selbst bestreitet die Tat.
Gedenken an NS-Opfer

Kerkeling warnt vor Wegsehen

Hape Kerkeling hat gestern in einer Rede bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des KZ Buchenwald an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert.
Machtwechsel in Ungarn

Orbán hat die Wahl klar verloren

Victor Orbán hat die Parlamentswahlen in Ungarn eindeutig verloren. Doch was bedeutet der Machtwechsel für die LGBTIQ+-Community?
Staffel 3 für Heated Rivalry?

Neue Details von Regisseur Tierney

Freudige Nachricht für alle Fans von "Heated Rivalry": Offenbar wird intern bereits an einer dritten Staffel gearbeitet, Staffel 2 erscheint 2027.
Filmfestival Cannes 2026

Viele queere Filme im Programm

Im Mai kämpfen viele queere Filme um die begehrte Palme d'Or beim Filmfestival in Cannes, jetzt wurden alle Teilnehmer bekannt gegeben.
Akzeptanzverlust in Community

Betroffen sind asexuelle Menschen

Das Gefühl von Akzeptanz ist innerhalb der asexuellen Community im letzten Jahr stark gesunken, so das Ergebnis einer neuen Studie.
30 Jahre "Day of Silence"

Mobbing von LGBTIQ+-Schülern

Der "Day of Silence" feiert in den USA 30-jähriges Jubiläum und soll den Fokus auf das Mobbing von LGBTIQ+-Schülern richten.
Bunter Widerstand in Miami

Regenbogen aus Pflastersteinen

Miami rebelliert mit einem Regenbogen aus Pflastersteinen im Park gegen die skurrilen Verbote von Floridas Gouverneur DeSantis.
Neues Verbot im Profisport

Dart-Verband sperrt trans* Frauen

Der größte Dart-Verband PDC hat jetzt trans* Frauen von Frauenwettkämpfen ausgeschlossen und betont geschlechtsspezifische Unterschiede.