Neubewertung in Großbritannien 130 Fachärzte, Psychiater, Anwälte, Wissenschaftler sowie Politiker aller Parteien fordern in Großbritannien Aufklärung über Trans-Themen an Schulen sowie Trans-Behandlungen
Die Debatten rund um die Behandlung von Trans-Jugendlichen hat sich in den letzten zwei Jahren mit dem Skandal in der Tavistock-Klinik sowie zuletzt durch den Cass-Report in Großbritannien um 180 Grad gedreht – die britische Regierung selbst wurde zu Kritikern der vereinfachten Vergabe von Pubertätsblockern und Hormonen an Kindern und Jugendlichen.
In einem öffentlichen Brief an Premierminister Rishi Sunak fordern jetzt 130 Ärzte und Psychiater sowie auch Parlamentsabgeordnete den britischen Gesundheitsdienst NHS und die Regierung eindringlich auf, eine öffentliche Untersuchung in die Wege zu leiten.
Körperlicher und emotionaler Schaden
Die zentrale Frage dabei ist: Wie viel „allgegenwärtigen Einfluss“ hat die „Transgender-Ideologie“ in britischen Schulen? Man sei „zutiefst besorgt“ über den „körperlichen und emotionalen Schaden“, der Kindern „im Namen der Ideologie der Geschlechtsidentität“ zugefügt werde. Und weiter: „Wir weisen darauf hin, dass in einigen Schulen die Ideologie der Geschlechtsidentität den Schülern so vermittelt wird, als sei sie eine Tatsache, wobei die biologische Realität oft ausgeklammert oder geleugnet wird.“
Zudem erklärten die Fachleute in dem Schreiben: „Die Ermutigung verwirrter und gefährdeter Kinder zu sozialer oder medizinischer Transition, auch mit Pubertätsblockern und geschlechtsübergreifenden Hormonen, hat zu irreversiblen Entwicklungsproblemen, physiologischen Schäden (zum Beispiel Verlust der Knochendichte, Unfruchtbarkeit und sexuelle Funktionsstörungen) und erheblichen sozialen und beziehungsbezogenen Schäden geführt. Dies hatte bereits direkte und lebenslange Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern, deren wahres Ausmaß noch nicht bekannt ist. Wir glauben, dass dies ein großer Skandal ist, der eine öffentliche Untersuchung erfordert. Dabei sollte untersucht werden, inwieweit staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen ihre Fürsorgepflicht verletzt haben, indem sie ein Modell der 'geschlechtsbejahenden Transition' gegenüber Kindern, die glauben, transgender zu sein, unterstützt, gefördert oder erleichtert haben.“
Unterstützung über alle Parteigrenzen hinweg
Zu den Unterzeichnern gehören nebst vielen Fachärzten für Psychiatrie, klinischen Psychologen, Psychotherapeuten, Allgemeinmedizinern, Anwälten und Wissenschaftlern auch die ehemalige Premierministerin Liz Truss sowie mehrere Minister und Parlamentsabgeordnete aus dem gesamten politischen Spektrum. Der Wunsch nach lückenloser Aufklärung eint über die Parteigrenzen hinweg.
Unterstützung finden die Kritiker auch seitens der Ministerin für Frauen und Gleichstellung, Kemi Badenoch, die sich im öffentlichen Statement mit den Worten zitieren lässt, dass spätestens nach dem Cass-Bericht die „Verantwortlichen zur Rechenschaft“ gezogen werden müssten. Sie sei „entsetzt“ darüber, dass einige NHS-Kliniken sich bis heute weigern, hier zu kooperieren und die benötigten Daten herauszugeben.
Im Cass-Bericht hatte die führende Kinderärztin Dr. Hillary Cass nach einer vierjährigen Untersuchungszeit mit mehr als fünfzig Studien aufgezeigt, dass die bisherige Behandlung von Minderjährigen mit Medikamenten zur Geschlechtsumwandlung aus wissenschaftlicher Sicht äußerst fragwürdig ist. Dabei sei auch bereits die soziale Transition, also eine Personenstandsänderung oder eine Einbeziehung der Wunsch-Pronomen an Schulen, mit „äußerster Vorsicht“ zu handhaben, weil auch hier langfristige negative Auswirkungen die Folge sein könnten.
Volle Kooperation aller Kliniken gefordert
Dr. Cass hatte ähnlich wie Badenoch zudem aufgezeigt, dass sich einige Kliniken weigerten, offenzulegen, wie es erwachsenen Trans-Personen inzwischen geht, die als Kinder eine Behandlung beziehungsweise eine Transition begonnen hatten. Inzwischen erklärten auch Gesundheitsministerin Victoria Atkins sowie NHS-Leiterin Amanda Pritchard, man erwarte von allen beteiligten Kliniken „nichts weniger als die volle Kooperation“ – alles andere sei nicht mehr akzeptabel.
Bis heute fehle es trotz anderslautenden Behauptungen laut Dr. Cass auch an tatsächlichen Beweisen, dass der frühe Einsatz von Pubertätsblockern oder Hormonen tatsächlich einen positiven Effekt habe. „Die Realität ist, dass wir keine guten Erkenntnisse über die langfristigen Ergebnisse von Maßnahmen zur Bewältigung geschlechtsspezifischer Probleme haben. Die Gender-Medizin für Kinder und Jugendliche steht auf wackligen Beinen. In diesem Bereich ist die Beweislage bemerkenswert schwach.“
In dem Brief wird eine öffentliche Untersuchung „aller Institutionen, die an diesem Schaden mitschuldig sind“, einschließlich der Regierungsbehörden, des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS), privater Gender-Kliniken, Einrichtungen für psychische Gesundheit, Schulen und Transgender-Kampagnengruppen gefordert.
Umdenken in der Gesellschaft
Einer der in Großbritannien ebenso sehr bekannten Unterzeichner ist der Strafrechtexperte James Esses, der seit Jahren sexuellen Missbrauch und Ausbeutung von Kindern bekämpft und Mitbegründer der „Thoughtful Therapists“ ist, einer Gruppe, die sich gegen die Vereinnahmung der psychiatrischen Berufe einsetzt.
Esses erklärte nach der Veröffentlichung des Briefes an Premierminister Sunak gegenüber des Sunday Telegraph „Die Gesellschaft beginnt langsam aber sicher aufzuwachen und erkennt die Schrecken, die im Namen der Gender-Ideologie verursacht wurden. Kinder und Jugendliche wurden im Namen der Gender-Ideologie seelisch und körperlich geschädigt. Einige wurden unfruchtbar gemacht. Andere haben Teile ihres Körpers verloren, die sie nie wieder zurückbekommen können. Als Gesellschaft haben wir in unserer Fürsorgepflicht gegenüber Kindern versagt. Wir müssen denjenigen Gerechtigkeit widerfahren lassen, die geschädigt worden sind. Vor allem aber müssen wir dafür sorgen, dass kein Kind mehr das gleiche Schicksal erleidet.“