Direkt zum Inhalt
Mutige Proteste
ANZEIGE

Mutige Proteste „Schwulsein ist kein Verbrechen“ erklärten acht Homosexuelle, bevor sie in Kuala Lumpur verhaftet wurden

ms - 10.08.2023 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Die aggressive Stimmung gegen Homosexuelle in Malaysia nimmt offenbar in den letzten Wochen immer weiter zu – jetzt sollen nach jüngsten Angaben acht homosexuelle Menschen verhaftet worden sein, weil sie Ende Juli vor einem Einkaufszentrum in der Innenstadt von Kuala Lumpur für mehr Rechte demonstriert hatten.

Schwulsein ist kein Verbrechen

Die Demonstranten trugen dabei Plakate mit Botschaften wie „Schwule sind keine Kriminellen, Schwulsein ist kein Verbrechen“ und „Menschen sollten nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden“. Dazu riefen sie offenbar Botschaften wie „Nieder mit dem Scharia-Gericht, nur Gott kann richten“, so SNEWS.

Die Verhafteten waren zwischen 18 und 56 Jahre alt und müssen sich jetzt wegen illegaler Versammlung, Behinderung der Polizei und des „Zeigens anstößiger Plakate“ verantworten. Sie wurden durchgehend 48 Stunden lang befragt und schlussendlich gegen eine Kaution in Höhe von jeweils umgerechnet rund 2.300 Euro vorerst freigelassen; aus Angst um ihre Sicherheit sind die acht Menschen seitdem untergetaucht.

Brutale Härte gegen Homosexuelle

Seit mehreren Monaten geht die Regierung mit brutaler Härte gegen Homosexuelle vor, teilweise mit skurrilen Aktionen wie der Beschlagnahmung von Schweizer Uhren in Regenbogenfarben. In Malaysia existiert ein Rechtssystem, das sowohl das Zivilrecht wie auch das islamische Strafrecht, die Scharia, mit einbezieht. Homosexualität ist in beiden Systemen verboten und wird mit bis zu zwanzig Jahren Haft sowie auch Züchtigungsmaßnahmen wie Stockschlägen geahndet.  

„Jeder Versuch, einen perversen Lebensstil zu fördern und zu normalisieren, der den islamischen Lehren und der menschlichen Natur widerspricht, wie zum Beispiel LGBT, ist völlig inakzeptabel. Die Bemühungen, die Verbreitung solcher perversen Überzeugungen zu verhindern, müssen ernsthaft und gemeinsam durchgeführt werden“, bekräftigte so auch das Büro des malaysischen Premierministers für religiöse Angelegenheiten.

Glaubensreligion setzt sich für LGBTI* ein

Alle acht Menschen gehören der sogenannten britischen Ahmadi-Religion für Frieden und Licht an. Hadil El-Khouly, Koordinator der Glaubensgruppe, erklärte: „Dieser Protest war eine Reaktion von Gläubigen der Ahmadi Religion des Friedens und des Lichts auf die Verfolgung der LGBTI*-Community durch die malaysische Regierung, die in letzter Zeit eskaliert ist. Wir unterstützen die Unterdrückung von LGBTI*-Menschen nicht. Unsere Türen sind für alle offen. Wir haben viele Mitglieder der LGBTI*-Community. Einige von ihnen sind in der Türkei, im Iran und in Ägypten inhaftiert worden.“

Verhaftungen verstoßen gegen Menschenrechte

Peter Tatchell, einer der prominentesten LGBTI*-Menschenrechtsaktivisten Großbritanniens, bezeichnete die jüngsten Proteste als ein „lobenswertes, mutiges Beispiel für die Unterstützung einer verfolgten Minderheit durch eine andere.“ Und weiter: „Ihre Verhaftung und Anklage verstößt gegen drei Artikel der malaysischen Verfassung, die Rede-, Versammlungs- und Religionsfreiheit garantieren. Sie verstößt auch gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und die Commonwealth-Charta, die beide das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf Protest und die Freiheit des religiösen Glaubens garantieren.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polizeirazzia in Sierra Leone

Polizei durchsucht Privatparty

Nach einer Polizeirazzia bei einer Privatparty in Sierra Leone sollen rund fünfzig Schwule verhaftet worden sein, nach zwei Aktivisten wird gefahndet.
Neuer Streit um trans* Schüler

US-Regierung verklagt Schulbezirk

Die Trump-Regierung verklagt einen Schulbezirk in Kansas wegen einer queerinklusiven Regelung und beruft sich auf Elternrechte.
Mehr Hochzeiten in Brasilien

Studie belegt „Bolsonaro“-Effekt

Nach Bolsonaros Wahl 2018 heirateten gleichgeschlechtliche Paare in Brasilien deutlich häufiger – aus Sorge um ihre Rechte, so eine neue Studie.
Schweiz plant Verbot

Konversionstherapie im Fokus

Die Schweiz unterstützt ein landesweites Verbot von Konversionstherapien und will damit unterschiedliche Regeln der Kantone vereinheitlichen.
Massenverhaftung in Kamerun

Prozessauftakt heute in Douala

Bei einer Razzia in Douala in Kamerun wurden 68 Männer wegen mutmaßlicher Homosexualität festgenommen, neun von ihnen sitzen weiter in Haft.
25 Jahre nach „Bloody Pride“

Hunderte demonstrierten in Belgrad

25 Jahre nach der gewaltsamen ersten Belgrade Pride demonstrierten am Wochenende Hunderte in Serbiens Hauptstadt für LGBTIQ+-Rechte.
Große Trauer in Tucson

Tödliche Schüsse vor Schwulen-Bar

Nach einem tödlichen Hassverbrechen vor einer Schwulen-Bar in Tucson trauerten nun rund 1.000 Menschen bei einer Mahnwache um die zwei schwulen Opfer.
202 Fragen zum Aktionsplan

Forderung nach Zielen und Geld

Der LSVD+ Bayern fordert von der Staatsregierung mehr Verbindlichkeit, Geld und Beteiligung bei der Umsetzung des Aktionsplans Queer.
Neuer Kurs nach CSD-Attentat

Überarbeitung des Aufenthaltsrechts

Die Union will Ausweisungen ausländischer Straftäter erleichtern, wenn ihre Taten frauen-, queer- oder christenfeindlich motiviert sind.