Direkt zum Inhalt

Missbrauchsvorwürfe beim BVB BILD-Zeitung erhebt schwere Vorwürfe, Fußballklub reagiert

Von ms - 06.10.2025 - 11:00 Uhr
Missbrauchsvorwürfe beim BVB
Foto: iStock / k_samurkas
ANZEIGE
Loading audio player...

Die BILD-Zeitung hat exklusiv Missbrauchs-Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Fußballvereins Borussia Dortmund BVB publik gemacht. Demnach soll ein ehemaliger langjähriger Spitzenmanager des Klubs jugendliche Fußballer missbraucht haben, die Übergriffe sollen bereits verjährt sein. Nun hat der BVB offiziell Stellung zu den Anschuldigungen genommen. 

Profikarriere gegen Liebesdienste?

Der betreffende Manager ist der BILD-Zeitung namentlich bekannt. Die Vorfälle seien dabei nie vollumfänglich aufgeklärt worden. Das ehemalige Ehrenmitglied soll als Talente-Jäger frühere Nachwuchsspieler missbraucht haben, mehrere Fußballer sollen die Anschuldigungen erhoben haben. Nach Einschätzung der BILD würde der Klub den Fall „seit Jahren unter Verschluss“ halten. Die mutmaßlichen Vorfälle sollen sich über drei Jahrzehnte von den 1970er bis in die 1990er Jahre hinein erstreckt haben. 

Nach Recherche der BILD soll sich bereits 2010 ein Anwalt eines Betroffenen an den damaligen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gewandt haben. Der beschuldigte Topmanager habe demnach das Nachwuchstalent wiederholt unter Druck gesetzt und die „Profi-Karriere beziehungsweise deren Versagung mit Liebesdiensten“ verknüpft. Immer wieder sei dabei der Satz gefallen: „Du willst doch Profi werden.“ Die erhobenen Anschuldigungen lagen damals bereits rund 20 Jahre zurück. Des Weiteren soll der Manager den jungen Kicker in der Kabine beim Duschen beobachtet haben und bei „Perspektivgesprächen“ in Restaurants und im Privathaus soll es zu „Umarmungen, versuchten Küssen und Berührungen im Genitalbereich“ gekommen sein. 

Keine Anklage gegen Manager 

Nach BILD-Recherche soll der Fall zunächst intern geregelt worden sein, der Anwalt kommentierte demnach: „Die haben Geld bezahlt, um die Sache nicht nach außen zu tragen.“ Es soll sich dabei um 1.600 Euro gehandelt haben, so die BILD-Zeitung. Der Manager soll daraufhin über Jahre hinweg beim BVB weiter tätig gewesen sein, zuletzt als „institutionalisierter Kontakt zu Nachwuchsspielern“. Im Jahr 2023 soll sich ein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet haben, daraufhin wurde der Manager endgültig ausgeschlossen. Bis heute ist keiner der Vorwürfe gerichtlich bewiesen. Keines der mutmaßlichen Opfer hat Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft ermittelte auch nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Klub reagiert auf Anschuldigungen

Der BVB erklärte jetzt: „Zutreffend ist, dass zunächst im Jahre 2010 ein derartiger Vorwurf an Borussia Dortmund herangetragen worden ist. Gegenstand des vage gehaltenen Vorwurfs waren Näherungsversuche, die ein ehemaliger Mitarbeiter des Vereins in den 90er Jahren gegenüber einem damals volljährigen Nachwuchsspieler gemacht haben soll. Borussia Dortmund hat den Vorwurf sehr ernst genommen und sich durch den hierfür zuständigen Vereinsvorstand intensiv um Aufklärung bemüht. Da der ehemalige Mitarbeiter den Vorwurf vollumfänglich bestritt und der ehemalige Spieler keine Strafanzeige stellte, ließ sich der lange zurück liegende Sachverhalt letztlich nicht erhärten.“

Und weiter: „Im Jahre 2023 wurde Borussia Dortmund über einen weiteren Vorwurf gegen denselben ehemaligen Mitarbeiter informiert. Obwohl auch dieser weitere, angebliche Sachverhalt viele Jahrzehnte zurücklag und dem privaten Lebensbereich des ehemaligen Mitarbeiters zuzurechnen war, beendete der Verein daraufhin unverzüglich das noch bestehende geringfügige Beschäftigungsverhältnis mit dem Mitarbeiter und sorgte dafür, dass er den Verein verlässt. Zu keiner Zeit hat Borussia Dortmund irgendwelche finanziellen oder vergleichbaren Kompensationen geleistet. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe bis heute. Es gilt die Unschuldsvermutung.“

Seit 2019 existiert beim BVB ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt inklusive externer und anonymer Meldestellen – auch ältere Vorfälle können hier jederzeit gemeldet werden. „Borussia Dortmund erhebt hierdurch den Anspruch, jeglicher Art von Diskriminierung und Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher, seelischer oder sexualisierter Art ist, präventiv entgegenzutreten, um die uns anvertrauten Personen bestmöglich zu schützen“, so der Klub. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.