Matt Louis zeigt Stärke Neue Stimme im Latin-Pop steht offen zu seiner Homosexualität
Der puerto-ricanische Popstar Matt Louis hat sich in den vergangenen Jahren mit sinnlichen Songs und einer offenen Darstellung als schwuler Mann einen Namen gemacht. Der Künstler verbindet in seiner Musik nicht nur persönliche Erfahrungen als schwuler Afro-Karibe, sondern will auch die Grenzen der lateinamerikanischen Musikszene verschieben.
Das Wichtigste im Überblick
- Matt Louis gehört zu den aufstrebenden schwulen Stimmen der puerto-ricanischen Latin-Pop-Szene.
- Der Sänger spricht offen über seine Homosexualität und verarbeitet seine Identität in seiner Musik.
- Mit seinen Songs „Bye“, „DEMBOi“ und „Juanga“ setzt er persönliche und gesellschaftliche Zeichen.
- Louis nutzt seinen Körper und Tanz als Ausdruck von Freiheit und stellt traditionelle Männlichkeitsbilder infrage.
- Der Künstler sieht Vorbilder wie Ricky Martin als Wegbereiter für LGBTIQ+-Künstler aus Puerto Rico.
Von der Reality-Show auf die Bühne
„Ich habe viele Jahre darauf hingearbeitet und mir diesen Moment vorgestellt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Musik auf die Straßen kommt und Menschen erreicht“, sagte Louis in einem Interview. „Ich habe das Gefühl, dass ich mich den Menschen offenbare, und es fühlt sich sehr gut an. Ich lerne eine reifere Version von mir selbst kennen, und ich liebe es, dass genau das bei den Menschen ankommt.“ Louis stammt aus Ponce und wurde erstmals 2015 als Teilnehmer der Reality-Musikshow „La Banda“ bekannt. Die Sendung wurde von Puerto Ricos bekanntem schwulen Pop-Idol Ricky Martin produziert, der auch als Juror dabei war. Den Sprung in die geplante Latin-Boyband schaffte Louis nicht, anschließend startete er allerdings seine Karriere als unabhängiger Musiker.
„Bye“ als musikalisches Coming-Out
Ein wichtiger Wendepunkt war 2023 das Musikvideo zu seinem Song „Bye“, das vom schwulen Film „Moonlight“ inspiriert wurde. Darin sprach Louis erstmals öffentlich über sein Schwulsein und begann, seine persönliche Geschichte stärker in seine Musik einzubauen. „Ich befand mich damals in einem Prozess mit einem anderen Management. Sie wollten wirklich, dass ich vorsichtig bin. Sie sagten zu mir: ‚Nein, dafür ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.‘ In mir selbst habe ich geschrien: ‚Aber das bin ich! Ich kann nicht über Frauen singen.‘“
Und weiter: „Ich glaube, dass man eine Verbindung zu Menschen nur herstellen kann, wenn man spezifisch und direkt ist. Ich glaube, dass dieser Song mehr Kontext dazu gegeben hat, wer ich als Künstler bin. ‚Bye‘ war wie mein Coming-Out-Song.“ Für Louis war dieser Schritt nicht einfach. „Ich erinnere mich, dass es für alle Menschen um mich herum schwierig war. Meine Familie, meine Freunde und mein damaliges Team machten sich Sorgen um mich. Für mich war es wie Medizin. Ich habe mich entschieden, eine Verbindung zu ‚Moonlight‘ herzustellen, weil dieser Film mich so sehr berührt hat.“
Homosexualität als Teil der Identität
Louis sagt, sein Homosexualität habe seine Kunst stärker geprägt, als ihm zunächst bewusst gewesen sei. „Bewusst war mir nicht klar, dass es definiert, wer ich als Künstler bin. Jetzt, da ich erwachsen bin und mich immer mehr traue, ich selbst zu sein, sehe ich, dass es einen großen Teil meiner Identität geprägt hat – ohne, dass ich das bewusst wollte.“ Als afro-karibischer Künstler empfinde er seine Herkunft und Identität als etwas Selbstverständliches: „Es steckt in mir. Ich denke nicht darüber nach. Es ist einfach ein Teil von mir.“ Besonders wichtig sei ihm die Sichtbarkeit für andere queere Menschen. „Ich erinnere mich daran, wie ich als schwules Kind auf YouTube nach Musik gesucht habe und mich nicht repräsentiert oder gesehen fühlte. Als ich anfing, offen auf der Straße aufzutreten, wurde mir klar, wie wichtig das ist.“
Kreative Antwort auf Homophobie
Mit seinem Song „DEMBOi“ verarbeitet Louis unter anderem eine Trennung und persönliche Erfahrungen. Der Titel spielt mit dem Begriff „Fuckboy“ und dem Wort „Dembow“, das in Teilen der Musikszene mit homophoben Bedeutungen verbunden war. „Ich hatte gerade eine Trennung hinter mir. Es war Dezember und mir ging es sehr schlecht. Ich hörte SZA. ‚DEMBOi‘ ist eine andere Art, Fuckboy zu sagen. Ich habe dieses Wort erschaffen. Es kommt auch vom Wort ‚Dembow‘, von Shabba Ranks und all dem homophoben Kontext, den dieses Wort hatte. ‚Dembow‘ wurde sehr homophob und aggressiv.“ Louis wollte den Begriff jedoch neu besetzen: „Ich sagte mir: ‚Kann ich dieses Wort nicht einfach nehmen und daraus etwas Positives und Spaßiges machen?‘“ Die Botschaft seines Songs beschreibt er so: „Der Sinn des Songs ist, dass queere Menschen sich in mir wiederfinden – und dass ich mich in ihnen wiederfinde.“
Tanz als Ausdruck von Freiheit
Auch sein Umgang mit dem eigenen Körper spielt eine zentrale Rolle in seiner Kunst. Louis nutzt Tanz und Bewegung, um sich auszudrücken und traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit herauszufordern. „Ich habe das Gefühl, dass der Körper einen am meisten einschränkt, wenn man sich selbst nicht akzeptiert.“ Er habe zunächst Angst gehabt, wie die Öffentlichkeit auf seine Bewegungen reagieren würde. „Meine Stimme ist sehr männlich, und meinen Körper auf eine sehr feminine Art bewegen zu sehen, hat mir Angst gemacht. Ich dachte: ‚Die Industrie wird das hassen. Ich werde Türen schließen.‘ Ich hatte große Angst davor.“
Doch das Tanzen habe ihn schlussendlich befreit: „Danach hat mich das Tanzen unglaublich befreit. Ich habe mir erlaubt, viel freier aufzutreten. Ich kann an keinen Künstler in der Latin-Musik denken, der sich so bewegt wie ich. Als Männer haben wir meiner Meinung nach große Angst davor, uns zu bewegen und unseren Körper zu genießen. Ich fühle mich sexy. Ich fühle mich selbstbewusst.“
Stolz auf Bad Bunny und Ricky Martin
Als puerto-ricanischer Künstler zeigte sich Louis besonders bewegt von der Super-Bowl-Halbzeitshow von Bad Bunny, bei der auch Ricky Martin auftrat. „Ich war so stolz. Es hat mich wirklich glücklich gemacht. In diesem Moment konnte ich es kaum glauben. Ich dachte: ‚Wow! Was passiert hier gerade?‘ Bad Bunny ist beim Super Bowl, er singt mit Lady Gaga und da ist Ricky. Es war, als würde der Algorithmus abstürzen.“ Der Auftritt habe ihm Hoffnung gegeben: „Es hat mir das Gefühl gegeben, dass in diesem Moment alles möglich ist. Für einen Künstler wie mich fühlt es sich so an, als könnte sich jede Tür öffnen, wenn ich weiter hart arbeite.“
Auch Ricky Martins Coming-Out sieht Louis als wichtigen Schritt: „Ihn beim Super Bowl zu sehen, ja, ich habe ein Stück von mir selbst in ihm gesehen. Ich dachte: ‚Das kann auch für mich passieren.‘“ Ein gemeinsames Projekt mit Martin wäre für ihn ein besonderer Moment: „Das wäre ein Moment, in dem sich der Kreis schließt, denn als ich 17 oder 18 war, habe ich für die Reality-Show ‚La Banda‘ vorgesungen und er war Juror. Ich erinnere mich daran, Ricky getroffen zu haben. Er war so begeistert von meiner Stimme. Er hat mich immer unterstützt.“
Neues Projekt steht bevor
Louis arbeitet bereits an neuer Musik. „Ich arbeite seit fast einem Jahr an einem neuen Projekt. Ich freue mich darauf, es bald mit meinen Fans zu teilen.“ Teil davon wird seine nächste Single „Bandido“ sein. „Es ist ein Bachata-Song mit etwas House-Musik.“ Der Song erzählt laut Louis von einem Fuckboy, der sich verliebt und seine eigene Haltung hinterfragt: „Es geht um einen Fuckboy, der traurig ist, weil er sich in einen anderen Fuckboy verliebt hat. Er sagt: ‚Verdammt, ich will kein Fuckboy mehr sein.‘“