Direkt zum Inhalt

Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+ Hunderte Community-Tote trotz Schutzgesetzen

Von ms - 21.09.2026 - 13:30 Uhr
Kolumbien verlässt LGBTIQ+-Koalition
Foto: IMAGO / Depositphotos
ANZEIGE
Loading audio player...

Kolumbien zieht sich aus der internationalen Equal Rights Coalition zurück. Die von der Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella getroffene Entscheidung betrifft eine internationale Allianz, die sich für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten weltweit einsetzt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella zieht Kolumbien aus der internationalen Equal Rights Coalition zurück.
  • Die Koalition setzt sich weltweit für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller, trans* und intergeschlechtlicher Menschen ein.
  • Die Organisation Caribe Afirmativa bezeichnet den Austritt als schweren Rückschlag für die kolumbianische Menschenrechts- und Außenpolitik.
  • De la Espriella hat mehrere prominente Vertreter des rechten politischen Spektrums in seine Regierung berufen und einen „Kulturkampf“ gegen das angekündigt, was er als „Gender-Ideologie“ bezeichnet.
  • Gleichzeitig bestehen in Kolumbien trotz gesetzlicher Schutzmechanismen weiterhin erhebliche Gefahren für LGBTIQ+-Menschen. Menschenrechtsorganisationen berichten von zahlreichen Tötungen, Bedrohungen und anderen Formen von Gewalt.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsverein

Das Außenministerium teilte den Austritt in einem Schreiben an die Organisation mit. Kolumbien hatte die Koalition gemeinsam mit Spanien mitgeleitet. Die Amtszeit der beiden Länder sollte eigentlich noch bis Februar 2027 dauern. Der Rückzug erfolgt damit vorzeitig. Die Equal Rights Coalition wurde 2016 gegründet und vereint mehr als 40 Staaten. Sie soll die internationale Zusammenarbeit zum Schutz und zur Förderung der Rechte von LGBTIQ+-Menschen stärken. Caribe Afirmativa, eine kolumbianische Nichtregierungsorganisation für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen, die an der internationalen Initiative beteiligt war, kritisierte den Schritt scharf. Die Organisation bezeichnete die Entscheidung als „einen schweren Rückschlag für die Außenpolitik und die Verpflichtungen gegenüber den Rechten von LGBTIQ+-Menschen“.

In einer Stellungnahme hieß es: „Wir betrachten diesen Schritt außerdem als Affront gegenüber der internationalen Gemeinschaft, als Abkehr von der Führungsrolle, die Kolumbien aufgebaut hatte, und als unmissverständliches politisches Signal darüber, welchen Stellenwert die derzeitige Regierung den Rechten von LGBTIQ+-Menschen einzuräumen bereit ist.“ Die kolumbianische Regierung erklärte dagegen, die Teilnahme an dem internationalen Mechanismus sei nicht prioritär. Zugleich verwies sie auf den bestehenden verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Schutz von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Konservativer neuer Kurs

De la Espriella hat mehrere prominente Vertreter des rechten politischen Spektrums in seine Regierung berufen und angekündigt, einen „Kulturkampf“ gegen das zu führen, was als „Gender-Ideologie“ bezeichnet wird. Darüber hinaus lehnen De la Espriella und mehrere Mitglieder seines Kabinetts das Recht homosexueller Paare auf Adoption ab. Berichten zufolge wurde zudem der neu ernannte Leiter einer zentralen Planungsbehörde entlassen, weil er gemeinsam mit seinem homosexuellen Partner ein Kind adoptiert hatte. Kolumbien hatte in den vergangenen Jahren zugleich vor dem diesjährigen Regierungswechsel wichtige rechtliche Schritte zur Gleichstellung vollzogen. Unter anderem bestätigte das Land die gleichgeschlechtliche Ehe und die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. 

Gewalt gegen LGBTIQ+-Menschen 

Der politische Kurswechsel fällt in eine Zeit, in der LGBTIQ+-Menschen in Kolumbien weiterhin mit Gewalt und Diskriminierung konfrontiert sind. Human Rights Watch berichtete unter Berufung auf die Organisation Caribe Afirmativo, dass 2024 insgesamt 164 homosexuelle und queere Menschen in Kolumbien getötet wurden. Trotz verfassungsrechtlicher Schutzbestimmungen bestünden weiterhin hohe Risiken durch Gewalt und Diskriminierung. Caribe Afirmativo registrierte für 2025 sogar 270 getötete LGBTIQ+-Menschen. Nach Angaben der Organisation entsprach dies durchschnittlich einem Tötungsdelikt alle 32 Stunden. Zugleich wurden zahlreiche Drohungen und weitere Formen von Gewalt dokumentiert. 

Besonders gefährdet sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen gerade auch schwule Männer, immer wieder kommt es zu Hassattacken oder Angriffen. Auch staatliche Stellen haben inzwischen auf die schwierige Sicherheitslage hingewiesen. Die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft verfügt über spezielle Leitlinien für die Untersuchung von Straftaten, die aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Opfers begangen wurden. In mehreren Regionen, insbesondere dort, wo bewaffnete Gruppen Einfluss ausüben, berichten Behörden und Organisationen zudem von Drohungen, gezielten Tötungen und sogenannten „sozialen Säuberungen“ gegen LGBTIQ+-Menschen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.