Direkt zum Inhalt
Machtkampf bei der FIFA
ANZEIGE

Machtkampf bei der FIFA Richtungswahl: Bekommt die FIFA eine lesbische Chefin?

ms - 05.08.2026 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hat sich jetzt öffentlich für die Norwegerin Lise Klaveness als mögliche Nachfolgerin von Gianni Infantino an der Spitze des Fußball-Weltverbandes ausgesprochen. In einem Beitrag auf der Plattform X lobte der 90-Jährige die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes für ihre Unabhängigkeit und ihren Führungsstil.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter spricht sich für Lise Klaveness als FIFA-Präsidentin aus.
  • Die Norwegerin zählt zu den wenigen offen lesbischen Spitzenfunktionärinnen im Weltfußball.
  • FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät wegen mehrerer umstrittener Entscheidungen zunehmend unter Druck.
  • Klaveness gilt als mögliche Gegenkandidatin bei der FIFA-Präsidentenwahl 2027.
  • Sie setzt sich seit Jahren für Menschenrechte, Transparenz und Reformen im Weltfußball ein.

Lise Klaveness als FIFA-Präsidentin

Klaveness gehört zu den wenigen offen lesbischen Spitzenfunktionärinnen im internationalen Fußball. Nach Ansicht Blatters wäre ihre Wahl ein deutlicher Bruch mit den bislang von Männern dominierten Machtstrukturen innerhalb der FIFA. „Sie verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der FIFA ist die Zeit reif, dass eine Frau die Führung übernimmt.“, schrieb Blatter. Seinen Beitrag versah er unter anderem mit dem Hashtag #lise4president.

Blatters Unterstützung fällt in eine Phase zunehmender Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino. Aus mehreren Mitgliedsverbänden sowie von ehemaligen Profifußballern werden inzwischen Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze des Weltverbandes laut. Auslöser der jüngsten Debatte sind Berichte über einen milliardenschweren Plan, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft und der Klub-WM an private Investoren zu verkaufen. Bereits zuvor hatte Infantino wegen verschiedener Entscheidungen allerdings immer wieder Kritik auf sich gezogen. Dazu zählen unter anderem die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 an Saudi-Arabien sowie kommerzielle Entscheidungen, bei denen Kritiker finanzielle Interessen über den Schutz der Spieler, Menschenrechte, LGBTIQ+-Rechte und Transparenz gestellt sehen.

Klaveness fordert Reformen

Lise Klaveness zählt seit Jahren zu den schärfsten Kritikerinnen der FIFA-Führung. Die ehemalige norwegische Nationalspielerin wurde 2022 als erste Frau zur Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes gewählt und gehört als eine von zwei Frauen dem Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) an. Gemeinsam mit weiteren Funktionären warnte sie zuletzt vor einer „sehr ernsten Situation“ im Weltfußball. Hintergrund seien die zunehmende Machtkonzentration innerhalb der FIFA und die von Infantino verfolgten Reformpläne.

Die UEFA kündigte an, FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, sollte der geplante Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft umgesetzt werden. Auch die Kontinentalverbände CONCACAF und AFC äußerten Kritik an den Plänen. Eigentlich galt Infantino als nahezu sicherer Kandidat für eine Wiederwahl im März 2027. Inzwischen wird jedoch erwartet, dass bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 18. November mindestens ein Gegenkandidat antreten wird. Als aussichtsreiche Bewerberin gilt Klaveness.

Juristin und frühere Nationalspielerin

Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn im Jahr 2012 arbeitete Klaveness zunächst als Juristin und stellvertretende Richterin. Für Norwegen absolvierte sie 73 Länderspiele, nahm an zwei Weltmeisterschaften teil und erreichte 2005 das Finale der Europameisterschaft. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie beim FIFA-Kongress 2022 in Doha. Dort kritisierte sie die FIFA-Führung wegen Menschenrechtsverletzungen, der Situation von Gastarbeitern sowie der Rechte von LGBTIQ+-Menschen. Seitdem setzt sie sich konsequent für Transparenz, ethische Standards und eine Reform der Verbandsführung ein. Das Magazin Sports Illustrated bezeichnete sie zuletzt als die Kandidatin mit den besten Chancen, Infantino herauszufordern.

Klaveness ist mit der früheren norwegischen Nationalspielerin Ingrid Camilla Fosse Sæthre verheiratet. Das Paar hat drei Kinder. Sollte sie zur FIFA-Präsidentin gewählt werden, wäre sie die erste Frau an der Spitze des Weltverbandes. Beobachter erwarten, dass dadurch auch die Themen Gleichberechtigung und LGBTIQ+-Inklusion stärker in den Fokus der FIFA rücken würden – insbesondere mit Blick auf Mitgliedsverbände in Staaten, in denen lesbische und schwule Menschen weiterhin strafrechtlich verfolgt oder anderweitig diskriminiert werden.

McAllister als Mitstreiterin

Unterstützung erhält Klaveness innerhalb der UEFA unter anderem von Laura McAllister. Die Vizepräsidentin des walisischen Fußballverbandes ist die einzige weitere Frau im UEFA-Exekutivkomitee. Die frühere Nationalspielerin lebt ebenfalls offen lesbisch und engagiert sich für LGBTIQ+-Rechte, gleiche Bezahlung sowie Reformen der Verbandsstrukturen. In den vergangenen zwei Jahren, in denen sich der Fußball mit einer endlosen Reihe moralischer Fragen auseinandersetzen musste, gelten McAllister und Klaveness zunehmend als moralischer Kompass. Nach der Ankündigung des UEFA-Boykotts war bemerkenswert, dass vor allem Klaveness und McAllister gegenüber den Medien auftraten und die FIFA offen wegen „wirtschaftlicher Erpressung“ kritisierten. Auf einer Pressekonferenz des norwegischen Fußballverbandes erklärte Klaveness zuletzt mit Blick auf Infantino: „Er hat sehr viel Vertrauen verloren. Wir haben ihn beim letzten Mal nicht gewählt und standen dem skeptisch gegenüber. Es gibt vieles, das bei der FIFA gut ist. Aber wenn man Grundsätze guter Verbandsführung und Regeln zu locker nimmt, verliert man schnell das Vertrauen.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Streit um Gay-Schulclub

Klage gegen US-Schulbehörde

Eltern betroffener Kinder haben Klage gegen eine Schulbehörde in Virgina eingereicht, die unbedingt einen homosexuellen Schulclub verhindern will.
Appell von Autor Can Dündar

Warnung vor homophoben Hass

Autor Can Dündar warnt nach dem CSD-Anschlag vor Homophobie als politischem Instrument und kritisiert doppelte Maßstäbe im Umgang mit Extremismus.
World Pride Konferenz

Menschenrechte im Fokus

Bei der WorldPride in Amsterdam diskutieren ab heute Aktivisten und Politiker über LGBTIQ+-Rechte, Gesundheit und politische Herausforderungen.
Klage gegen US-Regierung

Streit um Krankenversicherung

Fünf trans* Bundesbedienstete verklagen die US-Regierung wegen des Ausschlusses geschlechtsangleichender Behandlungen aus der Krankenversicherung.
Kritik an Kanzler Merz

Versagen nach CSD-Anschlag?

Nach dem CSD-Anschlag fordert der LSVD+ mehr Schutz vor Hasskriminalität – und wirft Bundeskanzler Merz mangelnden Dialog vor.
Streit um Italiens Schulgesetz

Massive Kritik an Eltern-Veto

Kritik am neuen Schulgesetz in Italien: Interessenverbände sehen das Eltern-Veto bei Sexualerziehung und LGBTIQ+ im Widerspruch zur Verfassung.
Viele Fragen nach CSD-Anschlag

Dobrindt fordert schärfere Gesetze

Nach dem CSD-Anschlag bleiben für Innenpolitiker viele Fragen offen. Bundesinnenminister Dobrindt fordert unterdessen schärfere Sicherheitsgesetze.
Proud Staffel 2

Hoffnung auf Fortsetzung

Die HBO-Serie „Proud“ erzählt die Geschichte eines jungen schwulen Mannes – und die Hoffnung auf eine zweite Staffel wächst.
Star Trek bleibt bunt

Sorge um die Zukunft

Zum 60. Jubiläum feiern LGBTIQ+-Stars die Vielfalt von „Star Trek“ – und warnen zugleich vor einem möglichen Rückschritt bei der Repräsentation.