LGBTI*-Kämpfer weltweit im Einsatz „Freiheit bedeutet für mich, zu mir selbst zu stehen und offen meine Meinung sagen zu können.“
Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung ermöglicht uns in diesen Tagen einmal mehr den Blick über den hauseigenen Tellerrand und präsentiert in ihrer kostenfreien Publikation 15 LGBTI*-Menschenrechtsverteidiger, die sich weltweit für Akzeptanz und die Rechte der queeren Community einsetzen.
Die LGBTI*-Aktivisten kommen dabei aus Kolumbien, Namibia, Indonesien, Nigeria, Pakistan, Ruanda, Serbien, Tunesien, Uganda, Botswana, Nicaragua, Simbabwe sowie Russland und die Ukraine. Allesamt Länder, in denen die Lebenssituation für queere Menschen eine dramatisch andere und schlechtere ist als hier in Deutschland. Gerade ein Blick nach Russland und in die Ukraine dürfte in Anbetracht der aktuellen Kriegssituation zudem von besonderem Interesse sein.
Der Titel der Publikation „Es ist ein täglicher Kampf“ zeigt dabei bereits auf, wie schwer die Arbeit der Menschenrechtsaktivisten auf den vier verschiedenen Kontinenten ist – das Buch bietet der LSVD auch im kostenlosen Download an. Gleich zu Beginn stellt Justizministerin Christine Lambrecht dabei klar:
„Immer noch und immer wieder erfahren Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle (LSBTI) in sehr vielen Ländern Ausgrenzung, Feindseligkeit und Gewalt. Unsere Welt braucht daher mutige Menschen, die sich für die Rechte von LGBTI* engagieren; braucht Menschen, die gegen Diskriminierung kämpfen, selbst wenn sie sich dadurch in Gefahr bringen.“
Seit 2007 unterstützt die Hirschfeld-Eddy-Stiftung (HES) den weltweiten Kampf für die Stärkung und Achtung der Menschenrechte von LGBTI*-Personen. Ziel der aktuellen Publikation ist es dabei, den Austausch und das gegenseitige voneinander Lernen zu fördern:
„In vielen Ländern werden die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen mit Füßen getreten. Von Standesamt bis Steinigung reichen die Angebote, die die Staaten dieser Welt für sie bereithalten. In über 70 Ländern ist die gleichgeschlechtliche Liebe noch immer strafbar, in einigen Staaten droht die Todesstrafe. Vielerorts sind staatliche Behörden an der Unterdrückung von LGBTI beteiligt, verweigern ihnen jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt. Sie versuchen, LGBTI in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit zu zwingen und ihnen das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie auf freie Entfaltung der Persönlichkeit abzusprechen.“
Die Portraits sind dabei interessant und bemerkenswert. So erzählt der russische LGBTI*-Aktivist Mikhail Tumasov von der staatlich geförderten LGBTI*-Feindlichkeit im Land und seinem größten Wunsch: „In Freiheit und ohne Furcht leben.“ Andere Menschenrechtsaktivisten aus der queeren Community motiviert, eine bessere Welt zu schaffen, andere zu inspirieren oder einfach ein Leben führen zu dürfen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Eines wird dabei klar, es fehlt oftmals und immer wieder an Schutz und Respekt für die Grundrechte von queeren Menschen, wie beispielsweise auch LGBTI*-Aktivist Jean Elie Gasana aus Ruana erklärt.
Die persönlichen Lebensberichte zeigen dabei auch, dass nicht alle heutigen Aktivisten bereits früh in ihre Rolle hineingefunden haben, manche wie die Anwältin Monica Tabengwa aus Botswana hat erst der Kampf gegen die arg traditionelle Frauenrolle in ihrem Land dazu ermutigt, sich auch und gerade für queere Menschen einzusetzen. Bitter liest sich der Bericht über den LGBTI*-Aktivisten Andriy Maymulakhin aus der Ukraine:
„Ich wusste, dass ich in diesem Leben würde kämpfen müssen – für meine Nonkonformität, für meine persönlichen und politischen Freiheiten.“ Das Interview wurde vor dem Ausbruch des Krieges gemacht, sodass die Aussagen jetzt ungewollt eine noch dramatischere Bedeutung bekommen: „Am meisten im Leben schätze ich Freiheit. Sie bedeutet für mich, auch zu mir selbst zu stehen, offen meine Meinung sagen zu können.“