Kritik an Kirchendokument Bischöfe sind uneins beim Umgang mit queeren Schülern
Einmal mehr zeigen sich die deutschen Bischöfe beim Reformkurs gespalten – während sich die Mehrheit für eine neue Wegrichtung ausgesprochen hat, kritisieren einige bekannte Geistliche erneut jedwede Zuwendung zur LGBTIQ+-Community. Nachdem die üblichen Verdächtigen aus Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg sowie Köln mit Rainer Maria Woelki an der Spitze bereits bei der Herbstsitzung der Deutschen Bischofskonferenz sich einmal mehr gegen Segnungen von Homosexuellen ausgesprochen hatten, kommt nun neue Kritik an einem Dokument der Deutschen Bischofskonferenz auf.
Anerkennung queerer Schüler
Im Oktober hatte diese eine Herangehensweise veröffentlicht, wie die „Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“ gefördert werden könne. Die Schulen müssten dabei ein Ort sein, an dem „Kinder und Jugendliche Schutz vor Diskriminierung und persönlicher Herabwürdigung finden, ein Ort, an dem sie Akzeptanz erfahren in ihrer individuellen Entwicklung und zugleich lernen, andere zu akzeptieren.“ Die Katholische Kirche müsse ihren Teil dazu beitragen.
Der Umgang mit der „Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten“ sei dabei eine Frage der Gerechtigkeit: „Eine Schule, die allen ihren Mitgliedern Gerechtigkeit widerfahren lassen will, vermeidet deshalb solche heimlichen oder offenen Diskriminierungen. Sie nutzt Unterrichtsinhalte und -methoden, die Vielfalt sichtbar machen“ – auch im Religionsunterricht. So müsse künftig verhindert werden, dass queere Jugendliche unsichtbar bleiben und aus Scham oder Angst vor Mobbing versteckt leben müssten.
„In einer inklusiven Schulgemeinschaft dagegen werden sie auch in ihrer spezifischen sexuellen Identität als gleichberechtigte wie gleich bedeutsame Mitglieder der Schulgemeinschaft sichtbar wie hörbar. Es kommt auch auf sie an – auf die Vielfalt ihrer Erfahrungen, ihrer Lebensentwürfe, ihrer Freuden und Hoffnungen wie Trauer und Ängste. Sie sind nicht nur randständig dabei, sondern mittendrin. In einer inklusiven Schule, die allen ihren Mitgliedern Erfahrungen von starker Zugehörigkeit vermittelt, können auch queere Personen die Erfahrung ihres unbedingten Erwünscht- und Anerkanntseins machen, indem das bedingungslose Ja Gottes zu jedem seiner menschlichen Ebenbilder in ihrer eigenen Lebensgeschichte eine konkrete Gestalt annimmt.“
Distanzierung von neuen Richtlinien
Die bereits in der Vergangenheit als homophob und kritisch gegenüber LGBTIQ+ aufgefallenen Bischöfe in Deutschland meldeten sich nun schrittweise erneut zu Wort. Den Anfang macht der Passauer Bischof Stefan Oster, der sich deutlich schriftlich von dem Papier der Bischofskonferenz distanzierte. Die „Sünde desintegriert den Menschen, treibt ihn innerlich auseinander“, so Oster. Das Dokument spreche nicht in seinem Namen und würde unkritisch queere Positionen einnehmen, beispielsweise im Bereich der Transidentität. Auch Kritik von Lehrkräften werde nicht ausreichend bedacht.
Dieser Aussage schlossen sich jetzt zwei weitere Bischöfe an: Rudolf Voderholzer aus dem Bistum Regensburg und Rainer Maria Woelki vom Erzbistum Köln. Sowohl Oster wie jetzt auch Voderholzer betonten dabei, dass Änderungswünsche am Text vorab ignoriert worden seien. Der Geistliche aus Regensburg sagte zudem gegenüber dem Magazin „Kirche und Leben“: „Ich habe nicht den Eindruck, dass aufeinander gehört und dass gemeinsam um das, was uns aufgetragen ist, gerungen wird, sondern es wird eine politische Agenda durchgezogen auf Teufel komm raus (…) Ich möchte nicht in 30 Jahren hören, dass die katholische Kirche auch hier wieder mitgemacht hat.“
Parallel dazu sprach sich auch das Erzbistum Köln im Namen von Woelki ebenso gegen die neuen Richtlinien aus, betonte allerdings auch, dass eine Diskriminierung von Schülern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung an den Schulen in Trägerschaft des Erzbistums nicht geduldet werde.