Direkt zum Inhalt
Krise in Japan
ANZEIGE

Krise in Japan Mit der neuen Premierministerin in spe rückt das Land nach rechts

ms - 10.10.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Er war die Hoffnung für viele LGBTIQ*-Menschen: Japans Premierminister Shigeru Ishiba (68) ließ auf mehr Rechte für die Community hoffen, nach einem Jahr ist nun alles vorerst vorbei. Nach dem Regierungssturz in Japan dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit das Land ab kommender Woche von Sanae Takaichi (64) regiert werden, der ersten Frau an der Spitze Japans. Das Problem: In vielen Bereichen will sie deutlich weniger liberal regieren als ihr Vorgänger. 

Viele kleine Fortschritte – und doch zu wenig

Seit Jahren kämpfen Schwule und Lesben auf der Insel für die Einführung einer gleichgeschlechtlichen Ehe – Japan ist der letzte G7-Staat, der bisher keine Regelungen diesbezüglich für Homosexuelle getroffen hat. Einzelne Regionen haben zuletzt immer wieder rechtliche Partnerschaften unter Bedingungen erlaubt, mehrfach landeten die Fälle auch vor Gerichten, die sich einmal für und ein anderes Mal gegen rechtliche Verbindungen zwischen Homosexuellen aussprachen. Dann vor wenigen Tagen erst hat die Regierung in Tokio neun Gesetze so abgeändert, dass sie bei ehelichen Rechten und Pflichten gleichgeschlechtliche Paare mit einbeziehen und diese damit juristisch bereits zu einer „eheähnlichen Gemeinschaft“ gemacht. Ein mehr als symbolischer Sieg und eine neue Form des Rechtschutzes.

Trotzdem: Eine landesweite einheitliche Regelung gibt es bis heute nicht. Die größte Hürde bleibt dabei die Verfassung selbst, die eine Ehe klar als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Mehrere lokale Gerichte bestätigten bereits, dass diese Richtlinie inzwischen verfassungswidrig ist. Richter hielten dabei fest, dass es „keinen Grund mehr gibt, die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren rechtlich nicht anzuerkennen”. Eine Verweigerung verletze die „Würde des Einzelnen“. 

Strikte Gegnerin der Homo-Ehe

Soweit so gut, was fehlt ist die finale Entscheidung der Regierung, der grundsätzliche Beschluss, die Verfassung zu ändern und die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Doch genau dieser Schritt ist mit Ishibas Rücktritt höchstwahrscheinlich in weite Ferne gerückt. Der neue Vorsitzende der konservativen Liberaldemokratischen Regierungspartei (LDP) wird traditionell auch Premierminister – und das wäre nun erstmals eine Frau. Letztes Wochenende wurde Sanae Takaichi zur neuen Vorsitzenden der Partei gewählt, am 15. Oktober soll die rechtsgerichtete Nationalistin zur Premierministerin ernannt werden.   

In puncto Geschlechtergleichheit ein Meilenstein für das ostasiatische Land, bei den LGBTIQ+-Rechten sieht es hingegen ganz anders aus. Die LDP ist zwar stärkste Kraft, doch ihr fehlt die Parlamentsmehrheit. Die Opposition ist zerstritten, möglich ist eine Koalition mit rechtspopulistischen kleineren Parteien, die bei der letzten Wahl stark zulegen konnten – viele Bürger zeigten sich unzufrieden mit steigenden Preisen und der Einwanderungspolitik. Die politische Richtung ist damit gesetzt – es geht nach rechts. Takaichi ist dabei nicht nur strikt gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, sondern hält auch an althergebrachten Traditionen fest, wie beispielsweise der Gegebenheit, dass Frauen nach der Heirat ihre Mädchennamen aufgeben müssen. Viel Hoffnung auf Reformen dürfte sich da die Community nicht mehr machen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Reaktionen auf Amokfahrt

Entsetzen in der Community

Nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD läuft die Fahndung. Politik und Community reagieren mit Entsetzen.
Anschlag auf CSD Berlin

Eine Tote, mehrere Schwerverletzte

Bei einer Amokfahrt beim CSD in Berlin starb eine Frau, mehrere Menschen wurden lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter ist ein Islamist.
CSD Berlin abgebrochen

Auto rast in Menschenmenge

Der CSD in Berlin wurde am Samstagabend gegen 22 Uhr abgebrochen. Nach ersten Informationen ist ein Auto in eine Menschenmenge gerast.
Der schwule Gentleman-Dieb

Gegenentwurf zu Sherlock Holmes

Der viktorianische Meisterdieb Raffles gilt als schwuler Gegenentwurf zu Sherlock Holmes und wurde von realen schwulen Persönlichkeiten inspiriert.
War Chopin schwul?

Neue Studie über den Komponisten

Eine neue Studie untersuchte Chopins Briefe an Männer und stellt traditionelle Erzählungen über sein Liebesleben infrage. War der Komponist schwul?
Templo zeigt Kraft und Kunst

Schwuler Pole-Star auf Welttour

Der costa-ricanische schwule Pole-Performer Templo bringt beim World Pride 2026 queere Kunst, Athletik und lateinamerikanische Kultur auf die Bühne.
Glamour trotz Hitze

Drag-Queens in der CSD-Sonne

Wenn die Temperaturen wieder Rekorde brechen, liefern sich Make-up, Mode und Sommerhitze bei CSDs einen Kampf, den meist nur der Humor gewinnt.
Team LGBTIQ+ in Glasgow

Commonwealth Games 2026

Bei den Commonwealth Games 2026 in Glasgow treten mehrere LGBTIQ+-Athleten an und setzen trotz kleinerem Teilnehmerfeld ein Zeichen für Vielfalt.
Ekelhafter Angriff in Kiew

Abgehackte Schweineköpfe

Ein Kiewer Schönheitssalon wurde wegen seiner LGBTIQ+-Unterstützung angegriffen: Mit Schweineköpfen sollten die Betreiber eingeschüchtert werden.