Direkt zum Inhalt
Konzept für queere Obdachlose
ANZEIGE

Konzept für queere Obdachlose Rund 72.000 LGBTIQ+-Menschen sind wohnungs- oder obdachlos

ms - 10.09.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Am morgigen Donnerstag findet der bundesweite Tag der wohnungslosen Menschen statt, um auf die schwierige Lebenssituation jener Personen aufmerksam zu machen. Der queer-politische Sprecher der Linken, Maik Brückner, betonte dabei jetzt insbesondere die dramatische Lage für LGBTIQ+-Menschen.

Gesamtgesellschaftlicher Skandal

Deutschland brauche endlich eine Strategie gegen Wohnungslosigkeit bei queeren Menschen, so Brückner: „Wohnungslosigkeit ist ein gesamtgesellschaftlicher Skandal und muss beendet werden. Für nachhaltige Erfolge bedarf es Geld und zielgruppenspezifischer Strategien, denn hinter Wohnungslosigkeit bei queeren Menschen stecken oftmals Diskriminierung und Gewalt. Weder der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit noch der Nationale Aktionsplan ´Queer Leben´ umfassen eine solche Strategie.“ 

Die Lage wird sich in den kommenden Herbst- und Wintermonaten aller Voraussicht nach erneut zuspitzen. Ausgehend von Daten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe BAGW sind derzeit rund 72.000 LGBTIQ+-Menschen in Deutschland wohnungs- oder/und obdachlos. Die Zahlen steigen dabei immer weiter an, wie auch die queere Organisation ILGA Europe warnte. Demnach sind bis zu 40 Prozent der obdachlosen und wohnungslosen Menschen schwul, lesbisch, bisexuell oder queer. 

Aufgrund von Diskriminierungen, Missbrauch, psychischen Erkrankungen, Suchterfahrungen oder auch durch eine Fluchtgeschichte gelten LGBTIQ+-Person als besonders große Risikogruppe. Dazu kommen Probleme beim Coming-Out und innerhalb von Familien. Parallel dazu steigt die Gewalt gegenüber wohnungs- und obdachlosen queeren Menschen rapide an, insbesondere aber nicht nur in Berlin, so eine Studie des Bundesinnenministeriums.

Handfeste Konzepte  

Brückner betont dazu weiter: „Deutschland braucht endlich ein handfestes Konzept gegen Wohnungslosigkeit bei LSBTIQ*. Es liegen zahlreiche Vorschläge auf dem Tisch, die nun endlich umgesetzt beziehungsweise stärker gefördert werden müssen. Dazu gehören unter anderem der Aufbau von größeren Kapazitäten im Bereich Housing First oder bei Krisenwohnungen, die Schaffung sicherer Notunterkünfte oder die Sensibilisierung von Hilfsstrukturen. Darüber hinaus sollte die Politik ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung alternativer Wohnformen legen. Queere Wohnprojekte haben oftmals lange Wartelisten, der Bedarf ist riesig.“ 

Laut Brückner fehlt es bis heute in vielen Kommunen an Angeboten und Beratungsstellen. Landesweit gibt es bisher nur eine direkte Anlaufstelle für queere Obdachlose, das Projekt QueerHome in Berlin. Allerdings schwinge laut Brückner die schwarz-rote Landesregierung dort den Kürzungshammer. „Von einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung zur Beendigung von Wohnungslosigkeit sind wir weit entfernt“, hält der queer-politische Sprecher der Linksfraktion abschließend fest. 

Zudem haben sich jetzt fünf Berliner Vereine zum Housing First Netzwerk Berlin zusammengeschlossen, darunter auch die Schwulenberatung Berlin. „Ziel ist es, gemeinsam Wohnraum zu akquirieren, die Zusammenarbeit mit der Berliner Verwaltung und Vermietenden zu stärken und eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, um wohnungslosen Menschen mit dem erprobten Housing First-Ansatz langfristige Perspektiven zu bieten. Finanziert werden die Projekte durch die für Soziales zuständige Senatsverwaltung des Landes Berlin“, so Stephan Jäkel von der Schwulenberatung. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ehekrisen wegen Heated Rivalry

Schwule Romanze bewegt Frauen

Die Serie „Heated Rivalry“ bringt viele heterosexuelle Zuschauerinnen dazu, ihre eigenen Beziehungen zu hinterfragen, so eine neue Studie.
Schwule beim Weltuntergang

Beziehungskrise und Horror-Show

Im neuen Film „Scorch Marks“ trifft eine toxische schwule Beziehung auf Weltuntergangshorror – mit Chris Salvatore als geisterhaftem Ex.
Todesdrohungen in Utah

Schwuler Mitschüler bedroht

Ein 18-Jähriger aus Utah soll einen schwulen Ex-Mitschüler und dessen Familie mehrfach mit dem Tod bedroht haben. Nun wurde er angeklagt.
Penis-Filler endet tödlich

Influencer stirbt nach Eingriff

Ein britisch-nigerianischer Influencer stirbt nach einer Penisvergrößerung in Thailand an einer durch den Eingriff ausgelösten Lungenembolie.
Neuer Sitz für Vielfalt

Queere Stimme im SWR

Erstmals erhält der SWR-Rundfunkrat nun einen Sitz für queere Selbstvertretung. Trans* Autorin Janka Kluge übernimmt das Mandat.
Geschmacklose Veranstaltung

Aufregung an US-Universität

Ein angeblicher Charlie-Kirk-Doppelgänger-Wettbewerb an der Georgetown University sorgt vor dem ersten Todestag des Aktivisten für viel Kritik.
Neue US-Helpline für LGBTIQ+

Kalifornien plant neue Anlaufstelle

Kalifornien will einen eigenen LGBTIQ+-Zugang zur 988-Krisenhotline schaffen, falls die neue Bundeslösung queere Betroffene nicht berücksichtigt.
Eklat in Washington

Pentagon sucht queere Krankenakten

Das US-Pentagon durchsucht offenbar aktuell Militärakten gezielt nach Hinweisen auf trans* Soldaten und sorgt damit für hitzige Debatten in den USA.