Direkt zum Inhalt

Kommt nicht nach Katar! Fans entrüstet: „Es geht um einen moralisch verkommenen Sport, der sich vor jeden Karren spannen lässt.“

Von ms - 21.09.2022 - 10:00 Uhr
Human Rights Watch warnt Gay-Community
Foto: iStock / Ugljesa Stajic
ANZEIGE
Loading audio player...

Mit ungewöhnlich eindringlichen Worten hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) jetzt alle Homosexuellen davor gewarnt, zur Fußballweltmeisterschaft nach Katar zu reisen – in dieser Deutlichkeit ist HRW die erste internationale Organisation, die sich so klar gegen die WM im Emirat ausspricht und direkt gleichzeitig vor den Spielen warnt. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung sagte Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor von HRW, dass bereits die Erklärung des Emirats, Touristen müssten sich an die “Traditionen des Landes“ halten, als eine “charmant vorgebrachte Warnung“ verstanden werden müsse. Sprecher der katarischen Regierung hatten mehrfach betont, dass vor allem Homosexuelle sich so verhalten sollten, dass ihre Sexualität nicht erkennbar ist – zudem dürfen auch keine Symbole der Gay-Community wie beispielsweise die Regenbogenflagge mitgeführt oder gar gezeigt werden.

Für Michalski schwingt da eindeutig eine Drohung mit, frei nach dem Motto: „Wenn ihr das so auslebt wie in Berlin-Schöneberg, dann werden wir uns schon irgendwas ausdenken.“ Es gäbe keine Garantie, dass nicht auch homosexuelle Touristen in Gefahr sein könnten, so der HRW-Direktor weiter, auch wenn er hoffe, dass sich die Sicherheitskräfte vor Ort aufgrund der internationalen medialen Präsenz zurückhalten werden. Für homosexuelle Katarer ist die Situation eine wesentlich dramatischere, das sieht auch Michalski so. Sollten sie sich während der WM als homosexuell oder gar LGBTI*-Aktivist zu erkennen geben, drohen ihnen nach Ende der Spiele Mitte Dezember mehrjährige Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe. Zudem herrsche in Katar laut dem HRW-Direktor die “totale Überwachung“, überall stünden Kameras, die alles aufzeichnen würden. 

Erst auf einem Kongress in dieser Woche hatte Katars Botschafter Abdulla Mohammed al Thani von einer ungerecht negativen Kampagne gesprochen und erklärte, dass bei den Spielen in Russland damals niemand über die Menschenrechtslage dort gesprochen habe. Die Situation in Katar bessere sich, sei aber eben “noch nicht perfekt“. Der Deutsche Fußballbund hatte zuvor erklärt, er wolle sich für mehr Toleranz in Katar einsetzen, konkrete Schritte sind bisher nicht bekannt geworden. Eine Unterschriftenaktion von LGBTI*-Aktivisten aus Katar hat inzwischen über 60.000 Unterstützer verzeichnen können – gefordert wird eine Streichung des Verbots von Homosexualität in Katar und ein striktes Vorgehen der FIFA. Der internationale Fußballverbund indes versucht seit Monaten durch halbherzige Beschwichtigungen die Lage zu befrieden. Der Protest indes nimmt auch in Deutschland weiter zu, am kommenden Samstag findet eine erneute Kundgebung unter dem Motto “Nicht unsere WM!“ in Frankfurt am Main statt. Veranstalter sind mehrere Fußball-Fan-Vereine, darunter auch das Bündnis “Unsre Kurve“ - Sprecher Dario Minden erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Es geht darum, dass Menschen zur Ermöglichung eines WM-Turniers entrechtet und massenweise in den Überarbeitungs-Hitze-Tod getrieben wurden. Es geht um fehlende Pressefreiheit und schlimmste Diskriminierungsformen gegenüber Frauen und der LGBTIQ Community. Und dass all dies der Fußball-Branche in ihrer Spitze egal zu sein scheint, wenn die Geldbündel, mit denen gewedelt wird, nur dick genug sind. Es geht um einen moralisch verkommenen Sport, der sich noch vor jeden Karren spannen lässt.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.