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Köln streicht Mittel für Jugendhilfe „Jugendliche werden mit ihren Nöten im Stich gelassen!“

Von ms - 06.09.2022 - 10:00 Uhr
Kein Geld für LGBTI*-Beratungsstelle für Jugendliche
Foto: anyway Köln
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Die Fälle von Hasskriminalität gegenüber LGBTI*-Menschen sind binnen eines Jahres um 50 Prozent angestiegen, die depressiven Verstimmungen und suizidalen Gedanken unter LGBTI*-Jugendlichen haben seit der Corona-Pandemie um mehr als 65 Prozent zugenommen – vielleicht also nicht gerade die beste Zeit, um die finanziellen Mittel für eine Beratungsstelle für LGBTI*-Jugendliche zu streichen. Genau das hat die Stadt Köln aber offensichtlich vor.

Bei der Entscheidung geht es um das Jugendzentrum anyway, das allein in diesem Jahr bereits über 600 Beratungskontakte hatte – auch hier ein Anstieg von rund 30 Prozent zum Vorjahr. In den Gesprächen dreht es sich dabei oftmals um das Coming Out, Anfeindungen, Mobbing, Homo- und Trans-Hass, Ängste und explizite Gedanken rund um den Suizid. Anyway ist die einzige Beratungsstelle für LGBTI*-Jugendliche in Köln, eine der zentralen Städte für queeres Leben in Deutschland. Anyway-Chef Jürgen Piger erklärte dazu: „Die Streichung der Stelle ist aus fachlicher Sicht vollkommen unverständlich. Der Beratungsbedarf ist höher als vor Corona. In Folge werden Jugendliche mit ihren Nöten im Stich gelassen. Auch in Zeiten der Haushaltskonsolidierung braucht es eine Jugendpolitik, die Minderheiten und ihre Strukturen bedarfsgerecht fördert.“

Die Nachricht kommt zur Unzeit, zudem wurde die Stelle erst Anfang 2020 in Folge eines gestiegenen Beratungsbedarfes bei queeren Jugendlichen geschaffen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte noch kurz vor der Oberbürgermeisterwahl im September 2020 erklärt: „Sie können sich darauf verlassen, dass ich keine Strukturen zerschlage, die wir aufgebaut haben und wo der Bedarf wirklich da ist. Und dazu gehört diese Struktur. Das wird von mir weder vorgeschlagen noch mitgetragen.“ Auch im Bündnisvertrag versprachen die Grünen, CDU und die Partei Volt ebenso, die Einrichtung zu fördern. Im Wortlaut: „Das bestehende queere Jugendzentrum werden wir stärken." Gegenüber der BILD-Zeitung verwies die Stadt jetzt auf auslaufende Bundesmittel. Insgesamt beklagt das Jugendzentrum nach eigenen Angaben eine Unterfinanzierung von 143.000 Euro. Dass es die Beratungsstelle jetzt doch nicht langfristig geben soll, überraschte die Leitung von anyway zudem. Ferner erklärt die Beratungs-Organisation: „Die unzureichende Grundförderung führt zu allgemeiner Arbeitsüberlastung im anyway, die aktuell nur durch das hohe Engagement der Mitarbeitenden abgefedert werden kann. Dies ist nicht länger leistbar, sodass nun auch eine massive Begrenzung bis hin zum Aus bestehender Projekte droht. Dies könnte beispielsweise den Treff in Köln-Mülheim, die Schulaufklärungsarbeit mit ihrer enorm hohen Nachfrage sowie weitere Projekte betreffen. Abwenden kann dies nur das Ende der Unterfinanzierung.“

Die schlussendliche Entscheidungsgewalt liegt in den Händen des Ratsbündnisses sowie bei Kölns Oberbürgermeisterin Reker. Eine Haushaltsänderung wäre grundsätzlich bis Ende September noch möglich, bevor dieser final verabschiedet wird. Deswegen ruft anyway nun zu Protesten auf. Unter dem Motto “Stärken statt streichen: Eine sichere Zukunft für das anyway!“ findet heute Abend (6. September) ab 19 Uhr eine Demo auf dem Alter Markt in Köln statt. Außerdem sind alle Menschen aus der Community sowie die Kölner Bürger dazu aufgerufen, eine Petition gegen die Kürzung und für eine Stärkung zu unterzeichnen, so anyway weiter.

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