Direkt zum Inhalt
Hassverbrechen gegenüber schwulem Paar eskalierte
ANZEIGE

Kiss-In in Kolumbien "Verschwindet, oder wir werden euch lynchen!"

ms - 02.08.2022 - 15:30 Uhr
Loading audio player...

Hunderte Menschen haben jetzt mit einem Kiss-In für die Rechte von Homosexuellen in Kolumbien protestiert. Der Aktion vorausgegangen war ein Zwischenfall, der in Kolumbien seit einigen Tagen für mediales Aufsehen sorgt: Ein schwules Paar hatte sich in einem Park in Bogotá geküsst und war daraufhin von einer Gruppe von einheimischen Frauen brutal und radikal angegriffen worden. Die Situation eskalierte dabei immer mehr, bis eine der Frauen mit einem Besenstiel auf die beiden schwulen Männer eingeschlagen hatte – der Vorfall war in einem Video festgehalten worden, welches schlussendlich viral ging. Die Polizei bestätigte inzwischen offiziell, dass es sich um ein homophobes Hassverbrechen handelt. Nach Angaben des zuständigen Beamten für sexuelle Vielfalt in Bogotá, David Alonzo, werde der Vorfall aktuell intensiv untersucht. Die erste homosexuelle Bürgermeisterin von Bogotá, Claudia López Hernández, verurteilte den Angriff ebenso scharf und erklärte: „Ich werde weiter kämpfen, bis Gleichberechtigung zum Alltag geworden ist!“

Den Einwohnern von Bogotá reichten diese Bekundungen offensichtlich noch nicht aus – sie luden jetzt zu einer Protest-Aktion im Park ein, der sich mehrere hundert Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Ausprägungen anschlossen. Mit Schildern mit der Aufschrift "Küsse sind Zeichen der Zuneigung, kein Verbrechen" versammelten sich die Menschen in dem Park im Viertel Engativá. Sie schwenkten dabei Regenbogenfahnen, küssten sich immer wieder und feierten bei Musik.

Das Kiss-In wird in Kolumbien auch als klares und bewusstes Statement gegen die Radikalität verstanden, die zuvor von Seiten der gewalttätigen Einheimischen ausgegangen war. In dem Video sind die Frauen zu hören, die das Paar anschreien und ihnen sagen, dass "wir in diesem Viertel keinen Sex im Park erlauben, schon gar nicht vor Kindern". Die beiden schwulen Männer hatten daraufhin gefragt, welchen Sex sie denn meinen würden, sie hatten sich lediglich geküsst. Auf die Frage waren die Angreiferinnen nicht näher eingegangen, sondern beleidigten das schwule Paar weiter und drohten ihnen schlussendlich mit den Worten: "Verschwindet, oder wir werden euch lynchen!" Kolumbien hat 2016 die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert, aber homophobe Angriffe sind bis heute keine Seltenheit.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kürzungen bei Lambda

Regierung begründet Entscheidung

Der Förderstopp des queeren Jugendnetzwerks Lambda sorgt weiter für scharfe Kritik, jetzt begründete die Bundesregierung diesen Schritt.
Die Jugend altert schneller

Studie über queere Gen-Z

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass beschleunigtes biologisches Altern das steigende Krebsrisiko bei jüngeren Menschen mit erklären könnte.
Attacke von Hunter Biden

Debatte um homophobe Heuchelei

Hunter Biden wirft führenden Republikanern vor, ihre Homosexualität zu verbergen und daraus Hass gegen Minderheiten abzuleiten.
Grindr wächst weiter

Viel Kritik ohne Folgen

Trotz anhaltender Kritik gewinnt Grindr weiter zahlende Nutzer – und baut seine Marktführerschaft im Dating für schwule Männer 2026 deutlich aus.
Flucht aus Nigeria

Leben in ständiger Angst

Ein 17-jähriger Schwuler aus Nigeria hofft auf Flucht – weil ihm in seiner Heimat wegen seiner sexuellen Orientierung Haft, Gewalt oder sogar der Tod drohen.
Nachbarschaftskrieg in Florida

Sieben Jahre Haft für Angreifer

Nach wiederholten queerfeindlichen Belästigungen schoss ein Mann in Florida seinen trans* Nachbarn nieder und muss nun sieben Jahre ins Gefängnis.
Neue Angriffe auf DJ Butch

Attacke von Linksextremisten

Nach dem Abbruch eines Auftritts von DJ Barbara Butch in Grenoble wächst die Kritik an der Aktion von linksextremen Aktivisten.
Ein Jahr ohne Helpline

LGBTIQ+-Jugendliche in den USA

Ein Jahr nach dem Ende der US-Krisenhilfe für LGBTIQ-Jugendliche bleibt die Zukunft des Angebots unklar – Experten warnen vor Risiken.
Flucht vor Putins Armee

Homosexuelle Russen in Angst

Russische Deserteure und homosexuelle Menschen fürchten bei einer Rückkehr Verfolgung. Deutschland bietet dabei derzeit nur begrenzten Schutz.