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Kirche verliert an Macht Hass gegen LGBTI* und Kindesmissbrauch haben Folgen

Von ms - 12.04.2022 - 13:10 Uhr
Nur noch eine Minderheit der Deutschen ist kirchlich gebunden // © cyano66
Foto: Nur noch eine Minderheit der Deutschen ist kirchlich gebunden // © cyano66
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Die ersten Vorab-Ergebnisse einer großen soziologischen Studie zeigen nun auf, dass inzwischen weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung überhaupt noch kirchlich gebunden ist. Zu diesen ersten Ergebnissen kommt eine Untersuchung der Forschungsgruppe Weltanschauungen für das Jahr 2021. Die konkreten Zahlen sollen ausführlich im Sommer präsentiert werden. Dabei sei eine Abwärtsentwicklung schon seit längerem zu beobachten gewesen, so Sozialwissenschaftler Frerk gegenüber dem Deutschlandfunk, allerdinge habe sich diese Entwicklung in den vergangenen Jahren noch einmal stark beschleunigt.

Für den Sozialwissenschaftler eine „historische Zäsur“, erstmals seit Jahrhunderten sei es nicht mehr „normal“ und selbstverständlich, in Deutschland Mitglied der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche zu sein. Die Kirchenmitglieder sind inzwischen in der Minderheit. Vor 30 Jahren noch waren rund 70 Prozent der Deutschen kirchlich eingebunden. Der aktuelle Trend zeigte sich dabei bereits in den letzten Jahren, allein 2020 verzeichneten die evangelische sowie die katholische Kirche zusammen einen Mitgliederrückgang von einer halben Million Menschen binnen eines Jahres. Im Jahr 2020 gehörten trotzdem noch 51 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einer der beiden großen Kirchen an – diese Zahl scheint nun wohl unter die 50-Prozent-Marke gefallen zu sein.

Ein Grund für die Ausstritte sind die massiven Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche – zuletzt sorgte zu Beginn des Jahres ein Gutachten aus München für Aufsehen, das explizit über 500 Missbrauchsfälle allein im Münchner Raum dokumentierte. Vor über zehn Jahren hatte zuvor ein ähnlich gravierendes Gutachten das Fehlverhalten der Kirche aufgezeigt. Bezeichnend war laut den Gutachtern der Münchner Anwaltskanzlei, dass in der Kirche seitdem kein Umdenken stattgefunden habe – nach wie vor wird vertuscht, verschleiert und kleingeredet, wo immer dies möglich ist.

Ähnlich ambivalent zeigt sich die Kirche bis heute gerade auch gegenüber der LGBTI*-Community. Nachdem die Aktion #outinchurch dieses Jahr abermals die Frage in den Raum stellte, warum die Kirche am gesetzlichen Arbeitsrecht vorbei Menschen weiter diskriminieren dürfe, nur weil sie schwul, lesbisch oder queer sind, versuchten einzelne Kirchenvertreter wie Kardinal Marx erste Schritte auf die queere Community zuzutun. Die Vorgehensweise war allerdings fast immer die gleiche – kaum hatte ein Kirchenoberhaupt eine sanfte Öffnung hin zur LGBTI*-Community versucht, beispielsweise durch die Idee einer künftigen Segnung von homosexuellen Paaren, bekräftigten mehrere andere hohe Würdenträger der Kirche, dass an den Statuten der Glaubensgemeinschaft nicht zu rütteln sei. Immer wieder wurden explizit auch Homosexuelle als Menschen zweiter Klasse definiert, deren Sexualität in den Augen Gottes eine Sünde sei.

Diese Wankelmütigkeit dürfte weitere Kirchenmitglieder dazu bewegen, schlussendlich mit der Institution Kirche zu brechen, gerade auch deswegen, weil queere Lebenswelten immer mehr zum Alltagsbild in Deutschland gehören. Je mehr queere Menschen als Kollegen, Freunde oder Bekannte wahrgenommen und als gleichwertige Menschen von der Gesellschaft akzeptiert und verstanden werden, desto mehr stellt sich unterbewusst auch die Frage: Was für ein Problem hat meine Kirche noch immer mit homosexuellen und queeren Menschen? Eine Frage, die bei aller zaghaften Öffnung, im Kern zumeist unbeantwortet bleibt, fußt sie doch noch immer auf überlieferte Dogmen und nicht auf sachliches Wissen. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl der Kirchenaustritte auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird.

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