Direkt zum Inhalt
Kampf der Homo-Heilung
Foto: iStock / IURII KRASILNIKOV
ANZEIGE

Kampf gegen die Homo-Heilung Fast jeder zweite schwule Afrikaner durchlebt Konversionstherapien

ms - 12.07.2024 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

In Afrika formiert sich größerer Widerstand gegen die sogenannten Konversationstherapien, die Homosexuelle meist mit archaischen und oftmals auch grausamen Methoden „heilen“ sollen. Internationale Menschenrechts-Organisationen sowie die Vereinten Nationen sind sich einig darin, dass es sich hierbei klar um Folter handelt. 

Forderung nach Ende der grausamen Praxis

Mit einer Petition soll jetzt gegen diese, zumeist von christlichen Einrichtungen angebotenen Heilungsversuche in einem ersten Schritt in Südafrika vorgegangen werden – ein mutiges Unterfangen in einer Zeit, in der immer mehr afrikanische Länder mit drakonischen neuen Gesetzen gegen Homosexuelle vorgehen wollen oder dies bereits tun

Oftmals finden diese Konversionstherapien bis heute im Verborgenen statt und richten dabei sehr großen Schaden an, betont die LGBTI*-Organisation All-Out. Es sind „archaische Praktiken, die nicht nur wissenschaftlich widerlegt, sondern auch zutiefst schädlich sind und die zu schweren psychischen Gesundheitsproblemen und einem erhöhten Suizidrisiko führen“, so Kampagnenleiter Brendan Van Deventer. 

Botschaft ans Parlament

Umso wichtiger sei es jetzt, eine klare Botschaft an das Parlament zu entsenden, um deutlich zu machen, dass diese „grausame Praxis keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Diese gefährlichen Praktiken haben schon vielen homosexuellen Personen auf der ganzen Welt das Leben gekostet. Mit dieser Petition soll das südafrikanische Parlament aufgefordert werden, sich für ein Verbot dieser gefährlichen Praxis einzusetzen. Das Parlament muss diese Praktiken stoppen und sicherstellen, dass unsere Bürger vor dieser Art von Missbrauch und psychologischer Folter geschützt sind“, bekräftigt Van Deventer. 

Mit Handschellen in die Klinik

Zuletzt berichteten mehrere betroffene Schwule und Lesben aus Afrika dem britischen Magazin Globe and Mail davon, wie sie in Handschellen in psychiatrische Kliniken gebracht und dort zu einer Therapie gezwungen worden sind. Über Monate lagen viele von ihnen sediert und unter strenger Bewachung in solchen Einrichtungen. 

Man zwang sie zum Bibelstudium und drohte ihnen damit, sie in eine alte Kühltruhe einzusperren. Immer wieder betonten die Befragten, dass sie in dieser Zeit auch oft über Suizid nachgedacht hatten. In Ländern, die sich zuletzt direkt gegen die Rechte von Homosexuellen richteten wie Uganda oder Ghana, komme es inzwischen wieder verstärkt zu erzwungenen Konversionstherapien.   

Therapie oder Gefängnis 

Der ugandische Schwulenaktivist Frank Mugisha erklärte dazu: „Einige unserer Freunde verschwinden einfach, und dann können wir sie lange Zeit nicht finden. Und wenn sie drei Monate später wieder auftauchen, erzählen sie uns all diese Geschichten, wie ihre Familien sie abgeholt und in ein Rehabilitationszentrum gebracht haben und sie dort für einige Zeit eingesperrt waren.“ 

Pierre Waldemar Brouard, klinischer Psychologe und stellvertretender Direktor des Zentrums für Sexualitäten und AIDS an der Universität von Pretoria in Südafrika, erklärt zudem, dass viele Homosexuelle oftmals ganz direkt auch erpresst werden – entweder Therapie oder Gefängnis.  

Druck von der Kirche

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Outright International sind 44 Prozent der Schwulen und Lesben in weiten Teilen Afrikas von Konversionspraktiken betroffen, 36 Prozent kennen jemanden, der diesen Homo-Heilungen ausgesetzt war. Mehrfach betonten die Interviewten auch, dass vor allem die katholische Kirche sowie Islam-Einrichtungen die Bevölkerung weiter aufstacheln und sogar Familienmitglieder dazu motivieren, ihre Kinder in eine Konversionstherapie zu drängen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

K.-o.-Tropfen im Fokus

Künftig fünf Jahre Haft

Wer K.-o.-Tropfen für Vergewaltigung oder Raub einsetzt, soll künftig mindestens fünf Jahre Haft bekommen, so die Idee der Bundesregierung.
Anti-Gender-Bewegung in Europa

Von der Straße in die Parlamente

Eine neue Studie von Forbidden Colours sieht die Anti-Gender-Bewegung inzwischen in allen 47 untersuchten europäischen Ländern verankert.
Köln stellt 70.000 Euro bereit

Hilfe gegen queerfeindliche Gewalt

Die Stadt Köln unterstützt 14 queere Projekte gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber LGBTIQ+-Menschen mit insgesamt 70.000 Euro.
Geheimes Netzwerk in Italien

Konversionstherapien unter Verdacht

In Italien gibt es Hinweise auf ein geheimes Netzwerk von Konversionstherapie-Anbietern. LGBTIQ+-Organisationen fordern Aufklärung und ein Verbot.
Angriff auf Alfonso Osnaya

Adultstar im Castro attackiert

Adultstar Alfonso Osnaya wurde in San Francisco von einigen Männern angegriffen und bewusstlos geschlagen, mutmaßlich wegen seines Jobs als Sexworker.
Marokko vor der Wahl

LGBTIQ+-Menschen im Fokus

Marokkos Wahl entscheidet über das Parlament – für queere Menschen steht dabei auch der Umgang mit einem repressiven Strafrecht auf dem Spiel.
Newsom stoppt Schutzgesetz

Veto sorgt für Enttäuschung

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom stoppt überraschend ein Gesetz zum Schutz von Anbietern für trans* Versorgung.
Mord nach Grindr-Date

Zwei Jugendliche vor Gericht

Zwei Jugendliche sind wegen Mordes an einem 37-jährigen Mann aus Dublin angeklagt. Sie sollen sich zuvor mit ihm über Grindr verabredet haben.
Angriffe auf Mallorca

Schwule beim Cruising attackiert

Attacke im Cruising-Areal auf Mallorca: In einem Waldgebiet von Palma wurden schwule Männer von einer Gruppe junger Männer beschimpft und angegriffen.