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Immer mehr Essstörungen Magersucht häufigste Diagnose, queere Jugendliche gefährdet

Von ms - 11.08.2026 - 10:30 Uhr
Immer mehr Essstörungen
Foto: iStock / iulianvalentin
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Die Zahl der Menschen, die wegen einer Essstörung stationär behandelt werden, ist in Deutschland erneut gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) gab es im Jahr 2024 insgesamt 12.400 Behandlungsfälle. Das waren 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr mit 12.100 Fällen. Gegenüber 2004 entspricht dies einem Anstieg von acht Prozent. Damals wurden 11.500 Fälle registriert. Besonders risikobehaftet sind dabei homosexuelle und queere Jugendliche und Heranwachsende. 

Das Wichtigste im Überblick

  • 2024 wurden 12.400 Menschen wegen einer Essstörung stationär behandelt.
  • Das waren 2,2 Prozent mehr als 2023 und 8,0 Prozent mehr als 2004.
  • Mit 9.000 Fällen war Magersucht (Anorexie) die häufigste Diagnose, gefolgt von Bulimie mit 1.300 Fällen.
  • Mädchen und Frauen machten 2024 mit 11.500 Fällen 92,9 Prozent der Behandelten aus.
  • Besonders stark stieg die Zahl bei Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren.
  • Nach einer KKH-Hochrechnung litten 2023 bundesweit fast 460.000 Menschen unter einer ärztlich diagnostizierten Essstörung.
  • Eine US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass homosexuelle sowie queere Menschen doppelt so häufig von einer Essstörung betroffen sind wie Heterosexuelle.

Magersucht häufigste Essstörung 

Am häufigsten diagnostizierten die Ärzte 2024 eine Magersucht (Anorexie). Auf sie entfielen 9.000 Behandlungsfälle. Es folgte die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) mit 1.300 Fällen. Über alle Altersgruppen hinweg werden Mädchen und Frauen deutlich häufiger wegen Essstörungen stationär behandelt als Jungen und Männer. 2024 waren 11.500 beziehungsweise 92,9 Prozent der Menschen mit dieser Diagnose Frauen. Zum Vergleich: 2004 waren es 10.100 Patientinnen. Ihr Anteil an allen wegen Essstörungen stationär behandelten Menschen lag damals bei 88,5 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Mädchen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Ihre Zahl hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt. Wurden 2004 noch gut 2.800 Fälle registriert, waren es 2024 knapp 6.000. Damit entfiel 2024 nahezu die Hälfte aller stationär behandelten Essstörungsfälle auf Mädchen dieser Altersgruppe. Ihr Anteil lag bei 48,1 Prozent. 2004 hatte er noch 24,9 Prozent betragen.

Auch andere Daten deuten auf eine erhebliche Verbreitung von Essstörungen hin. Nach einer Hochrechnung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) litten 2023 bundesweit fast 460.000 Menschen unter einer ärztlich diagnostizierten Essstörung. Besonders auffällig war dabei die Entwicklung in der jungen Generation Z. Innerhalb von knapp vier Jahren wurde ein Anstieg von rund 50 Prozent verzeichne

Queere Menschen besonders gefährdet

Innerhalb der LGBTIQ+-Community gelten Essstörungen als ein sehr relevantes Problem. Eine US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass Homosexuelle sowie queere Menschen doppelt so häufig von einer Essstörung betroffen sind als Heterosexuelle. Zuletzt machten 2025 innerhalb der Community die Essstörungen von Popsänger Olly Alexander und Ex-Olympionike Tom Daley Schlagzeilen. Als mögliche Gründe gelten unter anderem psychische Belastungen durch Diskriminierung, Ausgrenzung und Minderheitenstress. Hinzu können ein schwierigeres Verhältnis zum eigenen Körper, der Druck, bestimmten Schönheits- oder Geschlechteridealen zu entsprechen, sowie Konflikte mit der eigenen Identität kommen. Auch Stress vor oder während dem Coming-Out oder Mobbingerfahrungen an Schulen sind Triggerpunkte. 

Bei queeren Jugendlichen können zudem geschlechtsbezogene Körperkonflikte eine Rolle spielen. Diese Faktoren bedeuten allerdings nicht, dass eine sexuelle oder geschlechtliche Identität selbst eine Essstörung verursacht. Vielmehr können die zusätzlichen sozialen und psychischen Belastungen das Risiko erhöhen. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können solche Belastungen mit einer Phase zusammenfallen, in der sich Körperbild, Selbstwertgefühl und Identität ohnehin stark verändern. Mathias Karus, Gründer der Selbsthilfegruppe SHALK EATS für LGBTIQ+-Personen mit Essstörungen, erklärte gegenüber SCHWULISSIMO, dass Essstörungen in der Community oft unsichtbar blieben: „Viele outen sich eher als queer als mit ihrer Essstörung, weil das Schamgefühl riesig ist. Gerade Binge Eating ist oft mit Kontrollverlust und Schuld verbunden. Und Dinge wie Bulimie oder restriktives Essen werden manchmal sogar noch bewundert – Stichwort Disziplin.“

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