Direkt zum Inhalt

Homophobie im Staat Amnesty International fordert mehr Einsatz gegen menschenfeindliche Ideologien

Von ms - 08.12.2022 - 14:00 Uhr
Homophobie im Staat
Foto: IMAGO / aal.photo
ANZEIGE
Loading audio player...

Anlässlich der gestrigen Razzien in der Reichsbürgerszene, zu denen auch Ermittlungen gegen KSK-Spezialkräfte der Bundeswehr gehören, fordert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die staatlichen Behörden wie Polizei und Bundeswehr auf, sich aktiver gegen Rassismus und menschenfeindliche Ideologien einzusetzen – dazu zählen auch homophobe Anfeindungen gegenüber Homosexuellen und queeren Menschen.

Die Gefahr von menschenfeindlichen Ideologien

Zu den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sagt Beate Streicher, Expertin für Polizei und Menschenrechte bei Amnesty International in Deutschland: "Die heutigen Festnahmen zeigen die Gefährlichkeit von rassistischen, antisemitischen und anderen menschenfeindlichen Ideologien. Dabei ist besonders besorgniserregend, dass nach Medienberichten ein erheblicher Teil der Gruppe aus aktiven oder ehemaligen Soldaten besteht, darunter auch Männer mit militärischer Spezialausbildung. Der deutsche Staat ist nach den Menschenrechten dazu verpflichtet, alle Menschen vor rassistischer, antisemitischer und weiterer menschenfeindlicher Gewalt zu schützen. Diese Schutzpflicht wird katastrophal verfehlt, wenn aktive und ehemalige Staatsbedienstete, die im Umgang mit Waffen geschult sind, menschenfeindliche Ideologien in die Tat umsetzen wollen.“

Null-Toleranz-Politik gefordert

Allgemein wird dabei immer wieder betont, wie sehr sich die Situation gerade bei der Bundeswehr aber auch innerhalb der Polizei schrittweise verbessert habe, es gebe allerdings durchaus noch Homophobie und Anfeindungen, oftmals auch unterschwelliger Natur. Erst im Frühjahr dieses Jahres war es zu einem Prozess gegen mehrere, hessische Polizisten gekommen, die über den Messenger-Dienst WhatsApp extremistisches Material geteilt haben sollen, darunter auch eindeutig verächtliche Aussagen gegenüber Homosexuellen. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu ähnlichen Vorfällen, in denen auch vermeintlich oder tatsächlich homosexuelle Kollegen gemobbt worden sind.

Polizei-Expertin Streicher dazu weiter: „Der Handlungsbedarf ist akut. Es braucht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus und menschenfeindlichen Ideologien in den eigenen Reihen der staatlichen Behörden. Dabei müssen die zugrundeliegenden, menschenfeindlichen Ideologien benannt und angegangen werden. Nach dem Grundgesetz und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind alle Menschen gleich an Würde geboren. Diesen menschenrechtlichen Anspruch zu verteidigen, muss Ziel aller sein, sowohl der staatlichen Einrichtungen als auch der gesamten Gesellschaft."

Anzeige

Auch Interessant

Leere Kassen bei LGBTIQ+

Britische Verbände am Limit

Britische LGBTIQ+-Organisationen verlieren Fördermittel, während die Nachfrage nach Hilfe steigt. Viele Einrichtungen geraten an ihre Grenzen.
Rechte Gewalt in Niedersachsen

Acht Angriffe auf LGBTIQ+

In Niedersachsen dokumentierte eine Beratungsstelle für 2025 insgesamt 81 rechte Gewalttaten. Auch LGBTIQ+-Menschen geraten ins Visier.
Sportstars zeigen ihre Liebe

Olympische Vielfalt unter Druck

Mindestens 30 ehemalige Teilnehmer der Olympischen Jugendspiele sind LGBTIQ+. Ihre Geschichten stehen im Kontrast zur Verfolgung Schwuler im Senegal.
120 Jahre Luchino Visconti

Ein Leben voller Widersprüche

Vor 120 Jahren wurde Luchino Visconti geboren. Der schwule Regisseur prägte das Kino mit Filmen über Macht, Liebe und gesellschaftlichen Wandel.
Millionen LGBTIQ+-Schüler

Große Herausforderungen an Schulen

Mehr als elf Millionen Schüler besuchen Deutschlands Schulen, darunter auch rund 2,48 Millionen LGBTIQ+-Jugendliche. Viele erleben Mobbing und Angst.
Streit über US-Volkszählung

Keine Erfassung von LGBTIQ+-Daten

Die US-Regierung will bestimmte Fragen bei der Volkszählung 2030 verbieten. LGBTIQ+-Aspekte sind dabein "unerheblich". Kritiker warnen vor Folgen.
Gerechtigkeit nach 14 Jahren

Gericht stärkt Versammlungsfreiheit

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte jetzt die Ukraine wegen eines Polizeieinsatzes gegen LGBTIQ+-Aktivisten im Jahr 2012.
Hass-Gewalt in Kamerun

Trans* Frau brutal angegriffen

Die Lage für LGBTIQ+-Menschen spitzt sich in Kamerun weiter zu, jetzt wurde eine trans* Frau erneut Opfer brutaler Gewalt.
Russland unter Druck

Škoda droht mit Sponsoring-Aus

Russlands Vorgehen gegen LGBTIQ+-Menschen und der Krieg gegen die Ukraine belasten das Land. Nun wächst auch im Eishockey der Widerstand.