Hasskriminalität gegen LGBTIQ+ Rund 2.900 dokumentierte Fälle in zwei Themenbereichen
Auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Bündnis 90/Die Grünen) hat das Bundesinnenministerium jetzt die vorläufigen Zahlen zur Hasskriminalität gegenüber LGBTIQ+-Menschen veröffentlicht. Bleibt es dabei, kam es erstmals seit mehreren Jahren zu keiner signifikanten Steigerung bei Angriffen auf die Community.
Stagnation auf hohem Niveau
Demnach wurden 2025 in den zwei Themenfeldern „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ insgesamt 2.908 Fälle verzeichnet, im Vorjahr 2024 kam es offiziell zu 2.917 Fällen. Streicht man mögliche Doppelnennungen raus, wurden 2.048 Einzel-Fälle dokumentiert. Wie in den Jahren zuvor auch, bezieht sich der größere Teil der Übergriffe auch 2025 (1.776) auf die Homosexualität der Opfer.
In den letzten Jahren war eine stetige Zunahme von 30 bis zu 50 Prozent jährlich verzeichnet worden, eine Stagnation auf hohem Niveau im Jahr 2025 ist allerdings laut Schönberger noch kein Grund zur Freude: „Die Anzahl der queerfeindlichen Delikte in Deutschland bleibt im Jahr 2025 auf sehr hohem Niveau. Das machen die alarmierenden Zahlen aus dem Bundesinnenministerium deutlich. Zudem verweist das Ministerium auf die begrenzte Datenlage und eine hohe Dunkelziffer. Daher müssen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Anzahl an Angriffen noch viel höher ist.“
Großteil bleibt im Dunkeln
Studien der europäischen Grundwerteagentur sowie zuletzt erst vor wenigen Tagen Daten der neuen Dunkelfeldstudie LeSuBiA zeigten auf, dass weit über 90 Prozent der Angriffe auf homosexuelle und queere Menschen gar nicht erst angezeigt und damit auch nicht dokumentiert werden. Zudem hielt die Untersuchung des Innenministeriums fest, dass queere Menschen besonders häufig von Gewalt betroffen sind.
„Auch heute trauen sich viele queere Menschen immer noch nicht, Gewaltdelikte anzuzeigen. Dieses Ausmaß an Gewalt gegen die LSBTIQ-Community ist beängstigend und sollte die Bundesregierung und insbesondere den für Sicherheit zuständigen Innenminister alarmieren. Die schwarz-rote Koalition beendet hingegen den von der letzten Regierung beschlossenen Aktionsplan für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (…) Das verkündete Ende des Aktionsplans ´Queer leben´ ist ein fatales Signal,“ kritisiert Schönberger.
Die Grünen-Politikern appelliert daher an die Bundesregierung, umzudenken: „Die Zahlen aus dem BMI müssen die Regierung zum Umdenken bewegen. Damit in Deutschland endlich alle Menschen die Sicherheit erfahren, die ihnen zusteht, brauchen wir gezielte Forschung zu Hasskriminalität, eine genauere Erfassung queerfeindlicher Straftaten, sowie LSBTIQ-Ansprechpartner*innen bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern. Und nicht zuletzt muss in unserem Grundgesetz das Diskriminierungsverbot im Artikel 3 Absatz 3 endlich auch queere Menschen schützen!“