Direkt zum Inhalt
Hasskriminalität in Deutschland

Hasskriminalität gegen LGBTIQ+ Rund 2.900 dokumentierte Fälle in zwei Themenbereichen

ms - 13.02.2026 - 16:16 Uhr
Loading audio player...

Auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Bündnis 90/Die Grünen) hat das Bundesinnenministerium jetzt die vorläufigen Zahlen zur Hasskriminalität gegenüber LGBTIQ+-Menschen veröffentlicht. Bleibt es dabei, kam es erstmals seit mehreren Jahren zu keiner signifikanten Steigerung bei Angriffen auf die Community. 

Stagnation auf hohem Niveau 

Demnach wurden 2025 in den zwei Themenfeldern „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ insgesamt 2.908 Fälle verzeichnet, im Vorjahr 2024 kam es offiziell zu 2.917 Fällen. Streicht man mögliche Doppelnennungen raus, wurden 2.048 Einzel-Fälle dokumentiert. Wie in den Jahren zuvor auch, bezieht sich der größere Teil der Übergriffe auch 2025 (1.776) auf die Homosexualität der Opfer. 

In den letzten Jahren war eine stetige Zunahme von 30 bis zu 50 Prozent jährlich verzeichnet worden, eine Stagnation auf hohem Niveau im Jahr 2025 ist allerdings laut Schönberger noch kein Grund zur Freude: „Die Anzahl der queerfeindlichen Delikte in Deutschland bleibt im Jahr 2025 auf sehr hohem Niveau. Das machen die alarmierenden Zahlen aus dem Bundesinnenministerium deutlich. Zudem verweist das Ministerium auf die begrenzte Datenlage und eine hohe Dunkelziffer. Daher müssen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Anzahl an Angriffen noch viel höher ist.“

Großteil bleibt im Dunkeln 

Studien der europäischen Grundwerteagentur sowie zuletzt erst vor  wenigen Tagen Daten der neuen Dunkelfeldstudie LeSuBiA zeigten auf, dass weit über 90 Prozent der Angriffe auf homosexuelle und queere Menschen gar nicht erst angezeigt und damit auch nicht dokumentiert werden. Zudem hielt die Untersuchung des Innenministeriums fest, dass queere Menschen besonders häufig von Gewalt betroffen sind. 

„Auch heute trauen sich viele queere Menschen immer noch nicht, Gewaltdelikte anzuzeigen. Dieses Ausmaß an Gewalt gegen die LSBTIQ-Community ist beängstigend und sollte die Bundesregierung und insbesondere den für Sicherheit zuständigen Innenminister alarmieren. Die schwarz-rote Koalition beendet hingegen den von der letzten Regierung beschlossenen Aktionsplan für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (…) Das verkündete Ende des Aktionsplans ´Queer leben´ ist ein fatales Signal,“ kritisiert Schönberger. 

Die Grünen-Politikern appelliert daher an die Bundesregierung, umzudenken: „Die Zahlen aus dem BMI müssen die Regierung zum Umdenken bewegen. Damit in Deutschland endlich alle Menschen die Sicherheit erfahren, die ihnen zusteht, brauchen wir gezielte Forschung zu Hasskriminalität, eine genauere Erfassung queerfeindlicher Straftaten, sowie LSBTIQ-Ansprechpartner*innen bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern. Und nicht zuletzt muss in unserem Grundgesetz das Diskriminierungsverbot im Artikel 3 Absatz 3 endlich auch queere Menschen schützen!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Tödliche Messerstecherei

Mord an Universität in Washington

Eine 19-jährige trans* Studentin wurde an der Universität in Washington mit einem Messer ermordet, die Polizei fahndet derzeit nach dem Täter.
Neuer Anlauf in Colorado

Verbot von Homo-Heilungen

Nachdem der US-Supreme Court das Verbot von Konversionstherapien in Colorado gestoppt hat, hat die Regierung nun ein neues Gesetzesvorhaben vorgelegt.
Jubiläum in Italien

Zehn Jahre zivile Partnerschaft

In Italien wird zehn Jahre zivile Partnerschaft gefeiert. Nicht genug, betonen queere Verbände und fordern die gleichgeschlechtliche Ehe.
Rückenwind für Homo-Ehe

Unterstützung von UN-Gremien

Immer mehr Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen unterstützen die Gleichstellung homosexueller Ehepaare, so eine neue Studie.
Scharfe Kritik vor Fußball-WM

Human Rights Watch attackiert FIFA

Die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada im Juni werde zu einer „Menschenrechtskatastrophe“ mit Blick auf LGBTIQ+, betonte nun Human Right Watch.
CSD als UNESCO-Kulturerbe

Nominierung Pride Amsterdam

Die Regierung der Niederlande hat den Pride Amsterdam als "immaterielles UNESCO-Kulturerbe" nominiert. Daumen drücken!
CSD-Schirmherrschaft

Daniel Günther zeigt Flagge

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther übernimmt die Schirmherrschaft für alle der rund 20 CSDs in diesem Jahr im Bundesland.
Rainbow Map 2026

Spanien neuer Spitzenreiter

Die Rainbow Map bewertet die rechtliche Situation von LGBTIQ+-Menschen in Europa, Deutschland landete jetzt erstmals auf dem siebten Platz.
Auslieferung von Liebich

Gericht entscheidet nächste Woche

Im April wurde die Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich in Tschechien festgenommen, nächste Woche wird über eine Auslieferung entschieden.