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Dunkelfeldstudie der Bundesregierung

Dunkelfeldstudie Deutschland Queere Community und Frauen sind besonders betroffen

ms - 10.02.2026 - 12:50 Uhr
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Die neue Dunkelfeldstudie (LeSuBiA) im Auftrag der Bundesregierung bestätigt jetzt die Daten der Europäischen Grundwerteagentur: Der Großteil der Gewalterfahrungen in Deutschland wird nicht angezeigt. „Die Anzeigequoten sind unabhängig von der Form der verübten Gewalt durchgehend niedrig; sie liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent“, so das zentrale Fazit der Untersuchung, die heute von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sowie BKA-Präsident Holger Münch vorgestellt wurde. 

Großteil der Übergriffe wird nie angezeigt 

Für die Studie wurden bundesweit rund 15.000 Menschen im Alter von 16 bis 85 Jahren befragt, um so ein Licht auf alle jene Straftaten und Angriffe zu werfen, die in der offiziellen Kriminalstatistik gar nicht erst auftauchen. Mit Blick auf Beziehungen wird dabei festgehalten: Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften liegen die Anzeigequoten psychischer und körperlicher Gewalt sogar unter fünf Prozent. Zudem: Frauen sind bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking meist häufiger und stärker betroffen als Männer. 

Ein weiterer zentraler Befund der Dunkelfeldstudie ist allerdings auch: Frauen und Männer sind dann indes gleichauf von psychischer als auch körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften betroffen (Frauen: 5,2%, Männer 6,1%). Psychische Gewalt in einer Beziehung erlebten so knapp die Hälfte der Frauen (48,7%) und 40 Prozent der Männer. „Obwohl Frauen über ihr gesamtes Leben stärker betroffen sind, zeigt die Betrachtung der letzten fünf Jahre, dass auch Männer vergleichsweise häufig von psychischer Gewalt (Männer: 23,3%; Frauen: 23,8%) und insbesondere von kontrollierender Gewalt (Männer: 8,7%; Frauen: 7,1%) betroffen sind“, so ein Ergebnis der Studie. 

 Sexualisierte Gewalt und Belästigungen

Bundesfamilienministerin Karin Prien erklärte dazu: „Die Zahlen machen sichtbar, was lange im Verborgenen lag: Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land. Fast jede sechste Person erlebt körperliche Gewalt in der Partnerschaft – und 19 von 20 Taten werden nicht angezeigt. Dieses Schweigen ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe (…) Wir müssen Gewalt verhindern, bevor sie entsteht. Schuld und Scham liegen immer bei den Tätern, niemals bei den Betroffenen.“

Sexuelle Belästigung hat bereits fast jede zweite Person (45,8%) in ihrem Leben erfahren, konkret: Über ein Drittel der Frauen (34,7%) und etwa jeder siebte Mann (14,5%) war in den letzten fünf Jahren von sexueller Belästigung ohne Körperkontakt betroffen. Bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegen die Werte bei 14,5 Prozent (Frauen) und 4,6 Prozent (Männer). Täter sind überwiegend fremde oder flüchtig bekannte Personen. Mehr als jede zehnte Person (11,2%) wurde in ihrem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs. Bei Frauen war oftmals der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin (46,5%) Täter beziehungsweise Täterin, bei den Männern eine flüchtig bekannte Person (33,3%). 

 Junge Menschen und LGBTIQ+-Personen

Neben dem Geschlecht spielt auch das Alter bei Gewalterfahrungen eine große Rolle. Junge Menschen sind nahezu von allen Gewaltformen deutlich häufiger betroffen als ältere Menschen, so die Studienautoren weiter: „Jüngeren Personen widerfährt Gewalt besonders häufig durch sexuelle Belästigung, in Form von digitaler Gewalt und verabreichten K.o.-Tropfen.“ In Deutschland definieren sich dabei 22 Prozent der jungen Menschen als LGBTIQ+. Ebenso besonders stark betroffen von Gewalt sind auch im Generellen homosexuelle und queere Menschen, wie die Studie weiter festhält. Eine weitere hohe Opfergruppe sind zudem Personen mit Migrationshintergrund – auch hier vor allem Frauen und queere Flüchtlinge. 

Ein relevanter Teil der Bevölkerung berichtet überdies davon, in der Kindheit und Jugend schon einmal Gewalt durch Eltern oder Erziehungsberechtigte erlebt zu haben. Mehr als jede zweite junge Person ist von körperlicher Gewalt und mehr als jede dritte Person von psychischen Gewalterfahrungen betroffen. Jeder fünfte Befragte (21,2%) hat bereits Stalking erlebt, jede fünfte Frau (20%) und jeder siebte Mann (13,9%) wurde auch mit digitaler Gewalt konfrontiert. Die Opfer kommen erneut zumeist aus der jungen, queer-affinen Generation: So waren über 60 Prozent der 16- bis 17-jährigen Frauen und rund 33 Prozent der 16- bis 17-jährigen Männer Opfer digitaler Gewalt. 

Härtere Strafen für die Täter

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte zu den Daten: „Es geht darum, die Opfer von Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Die Opfer brauchen Schutz und müssen sich frei bewegen können. Darum ist es gut, dass jetzt das spanische Modell der Fußfessel auch in Deutschland kommt. Der Einsatz von K.o.-Tropfen wird künftig so geahndet wie der Einsatz einer Waffe. Wir setzen früh an und klären junge Menschen auf, an welcher Stelle Gewalt in der Partnerschaft beginnt. Es geht um mehr Schutz für die Opfer und härtere Strafen für die Täter.“

 Und BKA-Präsident Holger Münch betonte abschließend: „Mit LeSuBiA liegen erstmals umfassende geschlechterübergreifende Dunkelfelddaten zu Gewalterfahrungen in Deutschland vor. Mit dieser belastbaren Datenbasis trägt die Studie zu einer gezielten Weiterentwicklung von Schutz- und Hilfsangeboten bei. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass mehr Betroffene den Mut finden, Gewalt anzuzeigen, um Unterstützung zu erhalten.“

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