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Hass im Baseball-Stadion

Hass im Baseball-Stadion Geschichte einer homophoben Attacke geht in den USA viral

ms - 01.07.2026 - 16:00 Uhr
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Eine persönliche Erfahrung bei einem Baseballspiel hat den US-Amerikaner Bill Nesnidal dazu bewegt, öffentlich über die Bedeutung von Pride-Veranstaltungen im Sport zu sprechen. Nachdem er und sein Freund Paul bei einem Spiel der Chicago White Sox homophob beleidigt worden waren, veröffentlichte Bill ein Video über den Vorfall. Das wurde inzwischen Hunderttausendfach angesehen und ist Gegenstand zahlreicher Debatten in den USA. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Baseball-Fan Bill Nesnidal berichtet von schwulenfeindlichen Beleidigungen bei einem Spiel der Chicago White Sox.
  • Sein Freund Paul belastete der Vorfall so sehr, dass er weinte und sagte, er fühle sich nur noch in der Community sicher.
  • Ein Video, in dem Bill seine Erlebnisse schildert, wurde Hunderttausendfach angesehen.
  • Für Bill zeigt der Vorfall, warum Pride-Veranstaltungen im Sport wichtig sind.
  • Die Chicago White Sox unterstützen die LGBTIQ+-Community unter anderem mit Pride-Aktionen und einer Teilnahme an der Pride-Parade.

Homophobe Anfeindungen im Stadion

Nach eigenen Angaben hatte Bill Regenbogenflaggen und Pride-Symbolen früher keine besondere Bedeutung beigemessen. Das habe sich jedoch durch die Erlebnisse mit seinem Partner grundlegend geändert. Der Abend im Stadion habe zunächst unbeschwert begonnen. Bill wollte seinem Freund einen Teil seines Lebens zeigen und gemeinsam mit ihm seine Leidenschaft für die White Sox erleben. Weil beide viel Spaß hatten, blieben sie auch nach Spielende zum Feuerwerk.

Während des Feuerwerks legte Bill seinem Partner den Arm um die Schultern. Kurz darauf habe ein Zuschauer, der mehrere Reihen hinter ihnen saß, das Paar als „ekelhaft“ beschimpft und ihnen zugerufen, sie würden „allen das Feuerwerk verderben“. Wieder in Bills Wohnung angekommen, habe Paul zu weinen begonnen. Er habe erklärt, dass genau solche Erfahrungen der Grund seien, weshalb er sich am liebsten nur noch in der Community aufhalte. „Warum sollte ich jemals zu einer Veranstaltung gehen wollen, bei der ich mich so fühlen könnte?“, fragte Paul.

Baseball-Fan macht Vorfall öffentlich 

Die Worte seines Partners hätten ihn tief bewegt, erklärte Bill später. Er sei sein ganzes Leben Fan der White Sox gewesen und habe diese Begeisterung mit Paul teilen wollen. Gleichzeitig höre er jedes Jahr im Pride-Monat erneut die Frage, warum Sportvereine überhaupt Pride-Veranstaltungen ausrichteten. „Es gibt so viel Gegenwind gegen Pride-Abende. Aber genau deshalb braucht es sie“, sagte Bill, der in einem Online-Video schlussendlich von dem Vorfall berichtete. Dabei erklärte er, er habe mit dem Clip bewusst Menschen außerhalb der eigenen Community erreichen wollen. „Das scheint bei vielen Menschen einen Nerv zu treffen. Ich weiß, dass solche Geschichten passieren, aber ich habe nicht viele Menschen gesehen, die öffentlich darüber sprechen. Ich hatte das Gefühl, dass ich es tun sollte.“

Bill betonte zugleich, dass er den Chicago White Sox keine Verantwortung für den Vorfall gebe. Er habe seitdem bereits weitere Spiele des Teams besucht. Die White Sox hätten ihre Unterstützung für die LGBTIQ+-Community in diesem Jahr unter anderem mit einer Zusammenarbeit mit der lesbischen Comic-Künstlerin Tee Sanders gezeigt. Dabei entstand eine Sonderedition einer Baseballkappe mit einem Aufnäher zu den Stonewall-Unruhen sowie einem Emblem zur Erinnerung an das Grundsatzurteil Obergefell v. Hodges, das die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA legalisierte. Außerdem nahm das Team-Maskottchen Southpaw an der Pride-Parade in Chicago teil.

Homophobie und Regenbogenflaggen 

Dennoch seien Pride-Aktionen im Profisport weiterhin umstritten. In sozialen Netzwerken werde regelmäßig Kritik an entsprechenden Veranstaltungen laut. Zuletzt sorgten die San Francisco Giants für Schlagzeilen, nachdem drei Spieler Bibelverse auf ihre Regenbogenkappen geschrieben hatten. Konservative Politiker und Kommentatoren hätten den Vorfall anschließend politisch aufgegriffen. Ähnliches geschah zuletzt auch bei der WM in den USA. Für Bill gerate dabei häufig aus dem Blick, worum es LGBTIQ+-Fans eigentlich gehe. „Man hört ständig Leute sagen: 'Ich unterstütze Menschen dabei, das zu tun, was sie möchten. Aber haltet mir die Flagge nicht vor die Nase.' Nun, diese Menschen wissen nicht, was andere durchmachen. Ich versuche einfach, sie dafür zu sensibilisieren.“

Nach der Veröffentlichung seines Videos habe er hunderte unterstützende Nachrichten erhalten. Er hoffe, dass insbesondere heterosexuelle Menschen dadurch besser nachvollziehen könnten, wie wichtig sichtbare Solidarität für die Community sei. Außerhalb von LGBTIQ+-Räumen sei dieses Gefühl von Sicherheit nicht selbstverständlich. „Bevor ich mich geoutet habe, haben Regenbogenflaggen in einem Café oder einem Geschäft für mich nicht dieselbe Bedeutung gehabt wie heute“, sagte Bill. „Heute geben sie mir das Gefühl, dass es ein sicherer Ort ist.“ Mit einer abschließenden Frage brachte er seine Botschaft auf den Punkt: „Ist das nicht genau der Sinn der Sache?“

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