Direkt zum Inhalt

Häusliche Gewalt in England Im Zentrum der Debatten steht der Umgang mit Trans-Menschen.

Von ms - 11.07.2023 - 11:00 Uhr
Häusliche Gewalt in England
Foto: iStock / William Barton
ANZEIGE
Loading audio player...

Und erneut brodelt es in Großbritannien, seit einigen Tagen sorgt ein neuer Leitfaden für Staatsanwälte der britischen Strafverfolgungsbehörde CPS (Crown Prosecution Service) für heftige Debatten – im Zentrum der Diskussionen steht der Umgang mit trans- sowie nicht-binären Menschen. Die neuen Richtlinien sehen so unter anderem vor, dass die Weigerung eines Menschen, für die Geschlechtsumwandlung seine Partners zu bezahlen, künftig juristisch als „häusliche Gewalt“ gewertet werden könne, wie der britische Telegraph berichtet.

Falsche Pronomen-Wahl kann Missbrauch sein

Hält ein Ehepartner künftig Geld für eine Transition zurück, käme das einer Zwangskontrolle oder einem Missbrauch gleich, so die neuen Leitlinien. Ähnlich könne der Vorwurf von missbräuchlichem Verhalten aufgeworfen werden, wenn der Ehepartner nicht die bevorzugten Namen oder Pronomen des Trans-Partners benutzt, Bilder aus der Zeit vor der Geschlechtsumwandlung anderen Menschen zeigt oder den Trans-Partner als „nicht richtige Mann/Frau“ bezeichnet. Gleiches gilt für nicht-binäre Menschen. Der CPS hat insgesamt neun Verhaltensweisen aufgelistet, die einen Missbrauch von trans- oder nicht-binären Menschen durch ihre Partner oder Familienmitglieder darstellen können.

Leitlinien schädlich für Frauen und Familien

Scharfe Kritik kommt von mehreren Frauenverbänden, allen voran dem Women's Rights Network (WRN), die den neuen Leitfaden als „schädlich für das Vertrauen von Frauen“ bezeichnet hat. Gründerin Heather Binning dazu: „Wie um alles in der Welt kann die Weigerung, für elektive, unnötige Operationen aus der Familienkasse zu zahlen, von irgendjemandem als Beispiel für häuslichen Missbrauch angeführt werden, geschweige denn vom CPS? Im selben Dokument heißt es, dass die korrekte Bezeichnung des Geschlechts eines Familienmitglieds ebenfalls Missbrauch ist. Dies ignoriert völlig die Schwierigkeiten und Emotionen, die viele Menschen erleben, wenn sich ein Familienmitglied als etwas identifiziert, was es eindeutig nicht ist.“

Einzigartige Formen von Gewalt

Der CPS indes verteidigt seine neuen Richtlinien und erklärte zur Motivation: „Trans- und nicht-binäre Menschen können einzigartigen Formen häuslicher Gewalt ausgesetzt sein, die mit ihrer trans- oder nicht-binären Identität zusammenhängen, einschließlich einiger, die denen von LGB-Gemeinschaften ähneln.“ In dem Leitfaden für Staatsanwälte werden diese auch darauf hingewiesen, dass die Geschlechtsidentität nicht mit dem anatomischen Geschlecht gleichzusetzen ist. Die Geschlechtsidentität könne nur von der Person selbst bestimmt werden, so der CPS.

Der Bericht ist Teil eines aktualisierten Leitfadens, der im Zuge der neuen Gesetzgebung zur häuslichen Gewalt erstellt wurde. Der Crown Prosecution Service ist eine Strafverfolgungsbehörde für England und Wales. Insgesamt beschäftigt diese rund 3.000 Staatsanwälte.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostMit dem Stöckelschuh gegen Monster: „Queens of the Dead“Süddeutsche ZeitungBaden-Württemberg: Hagel sagt, Transpersonen hätten ihn überzeugtDER SPIEGEL»Selling Sunset«-Star: Chrishell Stause gibt Trennung von G Flip bekanntBerliner MorgenpostBerliner Theater senden Zeichen an LGBTQ-Community: „Ihr gehört dazu“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Poodle Beach wird Denkmal

Schwuler Strand schreibt Geschichte

Ein historischer Strand der schwulen US-Community wird offiziell geehrt: Delaware erinnert mit einer Gedenktafel an die Geschichte von Poodle Beach.
Basquiats Leben neu verfilmt

Neues Projekt von Rapper Kid Cudi

Rapper Kid Cudi spielt den Künstler Jean-Michel Basquiat in einem neuen Kinofilm und sucht gezielt queere Schauspieler für das Projekt.
Pride-Strategien für 2027

Europas Prides vor einem Wandel

Wie können Prides 2027 politisch mehr bewirken? Die ILGA-Europe will bei einem Gipfel mit europäischen Aktivisten neue Strategien entwickeln.
BBC sucht neuen ESC-Star

Kein Flop 2027 in Bulgarien

Nach zwei enttäuschenden ESC-Ergebnissen sucht die BBC für 2027 einen etablierten britischen Musikact mit überzeugender Live-Erfahrung.
„Maxxing“ ist Wort des Jahres

Selbstoptimierung als Internettrend

Von Fitness bis Schönheit: „Maxxing“ prägt die Sprache sozialer Medien. Dictionary.com kürt den Begriff zum Wort des Jahres 2026.
US-Lesbenbar vor dem Aus

Maskenpflicht polarisiert Community

Die lesbische Bar The Last Ditch in Massachusetts stellt ihren regulären Betrieb ein. Zuvor hatten gelockerte Corona-Regeln für viel Kritik gesorgt.
Empörung über Nicki Minaj

Rapperin gegen trans* Jugendliche

Bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump kritisierte Nicki Minaj erneut geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Minderjährige.
Italiens Sexualkunde

Verbotsgesetz wird überprüft

Italiens Kassationsgericht macht den Weg frei für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, das Sexualbildung inklusive LGBTIQ+ an Schulen einschränkt.
Auszeichnung für Tugay Saraç

Ehrung für mutige Aufklärungsarbeit

Der schwule 29-jährige Tugay Saraç wird für seine Präventionsarbeit an Schulen und seinen Einsatz für LGBTIQ+-Muslime mit 10.000 Euro ausgezeichnet.