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Poodle Beach wird Denkmal Delaware würdigt schwulen Treffpunkt

Von ms - 28.10.2026 - 16:00 Uhr
Poodle Beach wird Denkmal
Foto: iStock / Art-Of-Photo
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Einer der bekanntesten Treffpunkte der schwulen Community an der amerikanischen Ostküste erhält jetzt eine offizielle historische Würdigung. Der US-Bundesstaat Delaware wird morgen eine Gedenktafel für den sogenannten Poodle Beach in Rehoboth Beach enthüllen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Historische Anerkennung: Der US-Bundesstaat Delaware würdigt den Poodle Beach in Rehoboth Beach mit einer offiziellen historischen Gedenktafel.
  • Bedeutender schwuler Treffpunkt: Seit den späten 1970er-Jahren gehört Poodle Beach zu den bekanntesten schwulen Stränden an der amerikanischen Ostküste.
  • Geschichte der Ausgrenzung: Bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts trafen sich schwule Männer an nahe gelegenen Strandabschnitten, weil es andernorts kaum sichere Begegnungsmöglichkeiten gab.
  • Initiative aus der Community: Der Antrag auf die Gedenktafel wurde 2020 gestellt. Die ursprünglich für Juni geplante Enthüllung musste aus Sicherheitsgründen verschoben werden.

Ziel für LGBTIQ+-Menschen

Der Strandabschnitt am südlichen Ende der Promenade ist seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt insbesondere für schwule Männer. Mit der Auszeichnung soll an seine Bedeutung für die schwule Geschichte des Bundesstaates erinnert werden. Die Zeremonie morgen Vormittag in der Nähe der Kreuzung von Prospect Street und South Boardwalk. Rehoboth Beach gilt seit Langem als beliebtes Sommerurlaubsziel für Menschen aus den Großräumen Washington, D.C., und Philadelphia. Besonders für die LGBTIQ+-Community entwickelte sich die Küstenstadt zu einem wichtigen Ferienort. Die neue Gedenktafel soll daran erinnern, dass solche Orte für homosexuelle Menschen über viele Jahrzehnte weit mehr waren als gewöhnliche Urlaubsziele.

Verspätete Enthüllung 

Ursprünglich war die Enthüllung bereits für Ende Juni während des LGBTIQ+-Pride-Monats vorgesehen. Der Termin musste jedoch verschoben werden, weil die geplante Aufstellung unmittelbar am Strand besondere Sicherheitsfragen aufwarf. Maegan Peterman, Direktorin und Staatsarchivarin der Delaware Public Archives, bezeichnete das Vorhaben als „ungewöhnliche Installation“ und erklärte: „Normalerweise wird eine Gedenktafel am Straßenrand und auf Beton aufgestellt, nicht am Strand“, erklärte sie gegenüber dem US-Magazin Metro Weekly“. Die geplante Befestigung im Sand sorgte bei den zuständigen Fachleuten für Bedenken. „Als der Schilderwerkstatt mitgeteilt wurde, wo genau die Tafel aufgestellt werden sollte, gab es erhebliche Bedenken hinsichtlich der Haftung und der Möglichkeit, dass die Gedenktafel versehentlich umfallen und jemanden verletzen könnte“, sagte Peterman. Deshalb habe zunächst geklärt werden müssen, wie sich das Schild sicher und dauerhaft befestigen lasse. Mit dem neuen Termin fällt die Enthüllung nun in den LGBTIQ+ History Monat, der jedes Jahr im Oktober begangen wird.

Community beantragte Anerkennung

Die Initiative für die Auszeichnung ging nicht von den Behörden selbst aus, sondern kam aus der Bevölkerung. Das historische Gedenktafelprogramm Delawares wird von den Delaware Public Archives verwaltet. Einwohner und gesellschaftliche Organisationen können dabei Orte oder Ereignisse vorschlagen, die für die Geschichte des Bundesstaates von Bedeutung sind. Der Antrag für Poodle Beach wurde bereits 2020 eingereicht. „Mitglieder der Gemeinschaft haben Poodle Beach als einen Ort von historischer Bedeutung identifiziert und einen Antrag auf eine Gedenktafel gestellt“, erklärte Peterman.

Die anschließende Prüfung und historische Recherche hätten die Bedeutung des Strandabschnitts bestätigt. „Durch das Antragsverfahren und die Recherchen, die wir zur Ausarbeitung des Textes für die Gedenktafel durchgeführt haben, wurde eindeutig nachgewiesen, dass Poodle Beach ein wirklich wichtiger Treffpunkt für Delawares Gay-Community sowie für andere Besucher des Bundesstaates gewesen ist.“ Dabei habe der Strand insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Ausgrenzung eine wichtige Funktion erfüllt. „Er war ein Ort, an dem Menschen offen und sicher zusammenkommen konnten, um Spaß zu haben und sich zu entspannen – zu Zeiten, als das anderswo nicht unbedingt möglich war“, sagte Peterman. Die Gedenktafel wird als sogenannter „Social History Marker“ eingeordnet. Mit dieser Kategorie werden Orte und gesellschaftliche Gruppen gewürdigt, die Delawares Kulturgeschichte geprägt haben.

Strand einer lesbischen Millionärin

Die Geschichte des homosexuellen Strandlebens in der Region reicht dabei sogar noch weiter zurück bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Damals trafen sich schwule und lesbische Urlauber zunächst weiter südlich der heutigen Strandpromenade von Rehoboth Beach, in der Nähe eines Anwesens namens Carpenter Mansion. Bei dem Anwesen handelt es sich um das sogenannte Shell House, ein rund 100 Jahre altes Herrenhaus in Dewey Beach. Es wurde von einem Mitglied der wohlhabenden Unternehmerfamilie du Pont errichtet und liegt wenige Gehminuten südlich der Stadtgrenze von Rehoboth Beach. Dort verbrachte Louisa du Pont Carpenter regelmäßig ihre Sommer. Carpenter war Pilotin, geschieden und lesbisch. Das Anwesen gehörte ihrer Familie. Zu ihren regelmäßigen Gästen zählte ihre langjährige Freundin Tallulah Bankhead, die als Schauspielerin am Broadway und in Hollywood bekannt geworden war. Auch „spezielle“ männliche Freunde zählten zu dem gesellschaftlichen Kreis. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Strand in der Nähe des Anwesens dann immer mehr zu einem beliebten Treffpunkt für schwule Männer.

Hunderte schwule Männer reisten schließlich Jahr für Jahr an den Strand, um sich zu sonnen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Dabei hielten sie Abstand zu den heterosexuellen Paaren und Familien, die sich überwiegend entlang der Promenade von Rehoboth Beach aufhielten. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt noch keine Schwulenbars. Für viele Schwule war es zudem gefährlich, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu zeigen. Ein unfreiwilliges Coming-Out konnte den Verlust des Arbeitsplatzes oder erhebliche gesellschaftliche Nachteile nach sich ziehen. Der Strandabschnitt wurde informell „Carpenter Beach“ genannt und bot dabei tagsüber einen vergleichsweise abgeschirmten Treffpunkt. Dort konnten schwule Männer Kontakte knüpfen, ohne sich der öffentlichen Aufmerksamkeit aussetzen zu müssen. Am Abend verlagerten sich die Begegnungen häufig auf private Hauspartys. In den 1970er Jahren verlagerte sich das schwule Strandleben dann näher an die Promenade von Rehoboth Beach – der Strandabschnitt wurde dadurch landesweit in der Community bekannt. Heute wird am Strand schwules Leben gerne gefeiert, zu den langjährigen Traditionen gehörte beispielsweise auch das jährliche „Labor Day Drag Volleyball Game“ – erst Corona beendete die Feierlichkeiten. 

Schwule Cousins und ihre Pudel 

Woher der ungewöhnliche Name Poodle Beach stammt, ist bis heute indes nicht eindeutig geklärt. Eine örtliche Überlieferung erzählt von zwei schwulen Cousins, die mit ihren Pudeln einen Strandtag verbringen wollten. Ursprünglich sollen sie auf dem Weg zum weiter entfernten Carpenter Beach gewesen sein. Nachdem sie ihre Strandstühle und Kühlboxen bereits ein Stück über die Promenade hinausgetragen hatten, seien sie jedoch des weiteren Weges überdrüssig geworden. Statt weiterzugehen, breiteten sie ihre Decken unmittelbar südlich des Boardwalks im Sand aus. Andere Strandbesucher, die ebenfalls nicht bis zum Carpenter Beach laufen wollten, sollen ihrem Beispiel gefolgt sein. So sei nach und nach ein neuer Treffpunkt entstanden, dessen Name auf die mitgebrachten Pudel zurückgehe.

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