Ende massiver Streitigkeiten in der US-Community: Eine erst im vergangenen Jahr gegründete Lesbenbar im US-Bundesstaat Massachusetts steht vor einer ungewissen Zukunft. Das Lokal The Last Ditch in der Stadt Greenfield hat angekündigt, den regulären Betrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. Zugleich suchen die Verantwortlichen dringend nach Menschen, die das Projekt übernehmen. Hintergrund sind Debatten um den Einsatz von Corona-Schutzmasken.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Lesbenbar The Last Ditch in Greenfield, Massachusetts, hat jetzt angekündigt, ihren regulären Betrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen.
- Kontroverse um Maskenpflicht: Das 2025 eröffnete Lokal hatte zunächst strenge Corona-Schutzregeln. Die Lockerung der Maskenpflicht löste im August Proteste aus.
- Entschuldigung bei Stammgästen: Nach Kritik von Menschen mit Behinderungen und geschwächtem Immunsystem entschuldigten sich die Betreiber Anfang September für ihre Kommunikation.
- Zwei der drei Gründerinnen haben das Projekt nun verlassen. Die verbliebene Betreiberperson muss einen Kredit über 50.000 US-Dollar zurückzahlen.
- Neue Eigentümer gesucht: Der Betrieb wird mit einem geschätzten Wert von 70.000 US-Dollar angeboten. Bereits gebuchte Veranstaltungen sollen weiterhin stattfinden.
Schließung der Bar
Die Entscheidung folgt auf eine schwierige Phase, in der die Bar sowohl mit wirtschaftlichen und organisatorischen Problemen als auch mit massiver Kritik aus der eigenen Community konfrontiert war. Besonders die Lockerung der ursprünglich strengen Corona-Maskenpflicht hatte im Spätsommer für Auseinandersetzungen gesorgt. Jetzt veröffentlichten die Betreiber auf Instagram eine Mitteilung mit der unmissverständlichen Überschrift: „WIR SCHLIESSEN.“ Darin erklärten sie, dass sie „so schnell wie möglich neue Eigentümer“ suchten. Die bisherige Arbeit habe viel persönlichen Einsatz erfordert. „Wir haben unser Leben zurückgestellt, um Netzwerke gegenseitiger Fürsorge, Hilfsangebote und einen festen Ausgangspunkt für gemeinschaftliche Organisierung aufzubauen. Jetzt ist es an der Zeit, all das weiterzugeben“, hieß es in der Erklärung.
Neben den finanziellen Belastungen nennen die Verantwortlichen vor allem personelle Schwierigkeiten als Grund für die Entscheidung. Seit der Gründung habe man versucht, eine tragfähige Organisationsstruktur aufzubauen. Geplant war unter anderem, den Betrieb in eine Genossenschaft in Arbeitnehmerhand zu überführen. Dafür fehlten jedoch weiterhin die notwendigen Verantwortlichen. „Wir stellen den regulären Betrieb daher mit sofortiger Wirkung vorläufig ein. Alle bereits gebuchten Veranstaltungen finden weiterhin statt. Ansonsten bleibt die Bar geschlossen“, erklärte das Team. Ob der Treffpunkt unter einer neuen Leitung wieder regelmäßig öffnen kann, ist bislang unklar.
Strenge Corona-Regeln
The Last Ditch war erst 2025 von Asa Rosario, Jackie Matellian und Sage Territo gegründet worden. Die drei lebten damals gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Auslöser für die Eröffnung war auch der Verlust anderer lesbischer oder homosexueller Begegnungsorte in der Umgebung. Kurz zuvor hatten zwei entsprechende Einrichtungen ihren Betrieb eingestellt. Mit der neuen Bar wollten die Gründer einen Raum schaffen, in dem sich unterschiedliche Teile der Community treffen, austauschen und organisieren konnten. Neben dem gastronomischen Angebot stand damit von Anfang an auch ein gesellschaftlicher Anspruch im Mittelpunkt. The Last Ditch sollte nicht nur eine Bar sein, sondern ein „Ort gegenseitiger Unterstützung und gemeinschaftlicher Aktivitäten“.
Ein wesentliches Merkmal des Konzepts war die Maskenpflicht. Anders als in vielen anderen gastronomischen Einrichtungen mussten Gäste bei The Last Ditch auch nach dem Ende aller staatlicher Corona-Beschränkungen weiterhin einen Atemschutz tragen. Vorgeschrieben war während des gesamten Aufenthalts eine gut sitzende Maske des Standards KN95 oder mit höherer Schutzwirkung. Mit dieser Regelung wollten die Verantwortlichen das Risiko einer Übertragung des Coronavirus verringern. Insbesondere Menschen mit Behinderungen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten die Möglichkeit erhalten, den Treffpunkt unter erhöhten Schutzbedingungen zu besuchen. Ende August kündigte das Team dann allerdings eine Änderung an. Künftig sollte das Tragen einer Maske an Samstagabenden freiwillig sein.
Widersprüche und Wirtschaftlichkeit
Die Ankündigung stieß bei Teilen der Stammkundschaft auf deutliche Ablehnung und sorgte für heftigen Streit in der Community. Kritiker sahen darin einen Widerspruch zum ursprünglichen Anspruch des Lokals. Aus ihrer Sicht drohte die neue Regelung ausgerechnet diejenigen auszuschließen, für die The Last Ditch ursprünglich ein sichererer Raum sein sollte. Zwei Tage nach der Ankündigung reagierten die Verantwortlichen auf die Kritik und veröffentlichten eine Entschuldigung. Zudem erklärten sie, man versuche, „sämtliche Bedürfnisse“ aller möglichen Gäste der Lesbenbar „umfassend zu berücksichtigen.“ Befriedet wurde die Situation dadurch offenbar allerdings nicht. Zudem kämpfte die Bar mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten – Kritiker legten online nahe, dass dies auch auf eine Beibehaltung der Maskenpflicht zurückzuführen sei. Von den drei Menschen, die The Last Ditch 2025 gegründet hatten, sind inzwischen zwei aus dem Projekt ausgeschieden. Die Verantwortung liegt nun bei der verbliebenen Betreiberperson. Zu diesen Verpflichtungen gehört ein Kredit in Höhe von 50.000 US-Dollar, der zurückgezahlt werden muss. Die Bar soll deswegen jetzt für 70.000 US-Dollar an neue Eigentümer verkauft werden. Wie schnell sich Interessenten finden lassen und ob sie das bisherige Konzept fortführen würden, ist offen. Die Debatte über die Geschäftspraxis der Lesbenbar hält indes landesweit an.