Direkt zum Inhalt

Grundsatzprogramm der CDU Klares Bekenntnis zur Ehe für alle und für LGBTI*-Gleichberechtigung

Von ms - 08.05.2024 - 08:00 Uhr
Grundsatzprogramm der CDU
Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
ANZEIGE
Loading audio player...

Die CDU hat auf dem Bundesparteitag gestern in Berlin ihr neues Grundsatzprogramm vorgestellt – darin bekennt sich die Partei ungewöhnlich deutlich auch zu Homosexuellen sowie zu rechtlichen Errungenschaften wie die „Ehe für alle“. So ist in dem neuen Leitlinien-Text unter anderem zu lesen: „Wir erkennen die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit als gleichwertig an Wir bejahen Pluralismus und Vielfalt und treten für die freie Selbstentfaltung und Gleichberechtigung ein.“

Neues Leitbild der Ehe 

Einmal mehr betont die Partei das Leitbild von Ehe und Familie, bekräftigt aber außerdem, dass die CDU für ein „gleichberechtigtes Verständnis von Partnerschaft“ eintrete. Das klassische Bild von Ehe und Familie solle erweitert werden, dazu zählen dann auch gleichgeschlechtliche Ehen oder Patchworkfamilien. „Jede Familie ist einzigartig. Familie ist überall dort, wo Menschen miteinander dauerhaft verbunden oder verwandt sind und verbindlich Verantwortung füreinander übernehmen“, so die Partei im Programm. Ein deutlicher parteiinterner Wandel – beim letzten Wahlprogramm aus dem Jahr 2007 lehnte die CDU die Gleichstellung mit der heterosexuellen Ehe für Homosexuelle noch strikt ab. 

Mehr Einsatz gegen Hasskriminalität

Mit Blick auf die steigende Zahl von Hasskriminalität gegenüber LGBTI*-Menschen findet sich zum Thema Gewalt ebenso ein Passus im Grundsatzprogramm: „Wir dulden keine rechtsfreien Räume. Wer sich nicht an Recht und Gesetz hält, muss umgehend bestraft werden. Wir wollen insbesondere Intensiv- und Serientäter härter bestrafen.“ Dazu gehöre auch, den Opferschutz zu stärken. Ferner betont die Partei: „Menschen leben heute in vielfältiger Form auch eine soziale Geschlechtlichkeit oder eine abweichende Geschlechtsidentität im Rahmen ihrer persönlichen Freiheit. Wir stellen uns jeglicher Diskriminierung entgegen.“

Nachdem zuletzt die Kriminalstatistik für 2023 aufzeigte, dass gerade die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzung um 6,8 Prozent auf rund 155.000 Fälle angestiegen ist, wobei rund die Hälfte der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass hatten, will die Partei ein Verfahren ähnlich dem britischen Ruanda-Modell einführen: Asylbewerber sollen in einen sicheren Drittstaat gebracht werden und dort ein Asylverfahren durchlaufen. Zugewanderte Menschen müssen sich „ohne Wenn und Aber“ der deutschen Leitkultur verschreiben, dazu zählen auch grundsätzliche Menschenrechte wie die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. 

Geschlechtliche Minderheiten und Biologie

Auch in puncto geschlechtliche Minderheiten will sich die Partei stärker für transsexuelle und intersexuelle Menschen einsetzen und sie besser unterstützen. Allerdings betont die CDU auch: „Wir respektieren die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität. Einen ideologischen Genderbegriff lehnen wir ab. Das biologische Geschlecht ist eine naturwissenschaftliche Tatsache und nicht veränderbar. Deshalb halten wir an der rechtlichen Unterscheidung der beiden biologischen Geschlechter fest.“ 

Mehr Zusammenhalt, weniger Identitätspolitik

Mit Blick auf die Identitätspolitik betont die CDU weiter: „Wir wollen Zusammenhalt statt Identitätspolitik. Es entspricht unserem historischen Selbstverständnis als Volkspartei, die vielfältigen berechtigten Interessen und Sichtweisen gesellschaftlicher Gruppen anzuerkennen und sie, wo notwendig, zu einem Ausgleich zu bringen und damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen. Ein identitätspolitisches Politikverständnis, das Gruppeninteressen verabsolutiert und damit zur Fragmentierung unserer Gesellschaft beiträgt, entspricht nicht unserem Menschenbild.“ 

So bekräftigt die Partei abschließend auch, sich für eine geschlechtergerechte Sprache, aber gegen einen Gender-Zwang einzusetzen. In staatlichen Einrichtungen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk solle „keine grammatikalisch falsche Gender-Sprache“ verwendet werden.

Anzeige

Auch Interessant

Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.
Schwuler Vater kann aufatmen

Keine Anklage nach viralem Schlag

Nach der Konfrontation mit einem rechten Streamer wird David Vulin nicht angeklagt. Der schwule Vater hat eine Vereinbarung mit der Justiz erfüllt.
Queerfeindlicher Hass an der FU

Hakenkreuze nach Flaggen-Attacke

Pride-Flagge abgerissen, Hakenkreuze entdeckt: Die FU Berlin verurteilt Angriffe am Institut für Theaterwissenschaft. Die Polizei ermittelt.
Lara Heubeck lebt offen

DSC-Kommentatorin macht Mut

Lara Heubeck spricht über ihr Leben als trans Frau. Die Kommentatorin des Deggendorfer SC berichtet von großer Unterstützung nach ihrem Coming-out.
Solidarität mit Casa Kuà

Hunderte protestieren nach Razzia

Rund 500 Menschen demonstrieren in Berlin für trans* Gesundheitsversorgung. Nach der Razzia im Casa Kuà wächst der Protest gegen den Polizeieinsatz.
Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.