Direkt zum Inhalt

Grundgesetzänderung LGBTI*-Menschen sollen bis 2025 ins Grundgesetz aufgenommen werden

Von ms - 30.01.2023 - 12:00 Uhr
Grundgesetzänderung
Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie
ANZEIGE
Loading audio player...

Im Zuge des erstmaligen Gedenkens an die homosexuellen und queeren Opfer der NS-Zeit am vergangenen Freitag hat jetzt die Deutsche Aidshilfe in eindringlichen Worten darauf hingewiesen, wie wichtig eine zeitnahe Ergänzung des Grundgesetzes im Artikel 3.3 ist – dort werden all jene Menschengruppen als besonders schützenswert genannt, die in der NS-Zeit in besonderer Weise verfolgt worden waren, beispielsweise Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder ihres Glaubens. Nur homosexuelle und queere Menschen werden dort bis heute nicht genannt.

Aidshilfe fordert staatliches Schutzversprechen

Allein während der NS-Zeit wurden dabei rund 50.000 homosexuelle Männer aufgrund des Paragrafen 175 (Verbot von sexuellen Handlungen zwischen Männern) verurteilt und inhaftiert, rund 15.000 starben in Konzentrationslagern. Ein Ziel der Bundesregierung ist es daher auch, diese Menschengruppe durch den Passus “sexuelle Identität“ mit in den Artikel 3.3 des Grundgesetzes aufzunehmen. Die Deutsche Aidshilfe erklärte dazu jetzt: „Vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen gegen LGBTI*s, aber auch aktueller queer-feindlicher Gewalt, braucht es eine Verankerung der Rechte queerer Menschen im Grundgesetz – als verlässliches staatliches Schutzversprechen.“

Errungenschaften wie die Homo-Ehe schützen

Ähnlich äußerte sich zuletzt der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, gegenüber der Tagesschau: „Queere Menschen sind die letzte von den Nazis verfolgte Gruppe, die noch keinen expliziten Schutzstatus im Grundgesetz haben. In seiner jetzigen Form konnte Artikel 3 etwa auch die strafrechtliche Verfolgung von homo- und bisexuellen Männern nach dem alten Strafrechtsparagrafen 175 nicht verhindern. Oder den Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern. Ein ausdrücklicher verfassungsrechtlicher Schutz ist wichtig, auch damit bestimmte Errungenschaften, wie die Ehe für alle, nicht wieder zurückgedreht werden können.“

Streit um Begriff “Identität“

Für eine solche Grundgesetzänderung bedarf es allerdings einer Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat, abseits der AfD bräuchte es so die Stimmen der Union. Zwar gab es hier vereinzelt bereits positive Signale einzelner CDU-Politiker, ebenso allerdings Kritik an dem Begriff “Identität“. Immer wieder steht die Forderung im Raum, wie zuletzt in diesem Monat in den Niederlanden auch in Deutschland das Grundgesetz um den Schutzbegriff der “sexuellen Orientierung“ zu erweitern – darauf könnten sich vielleicht auch ausreichend viele Unions-Politiker einigen.

Dies geht allerdings vor allem den Grünen nicht weit genug, da somit Teile der LGBTI*-Community ausgeschlossen werden würden. Verfassungsrechtler indes kritisieren auch den Begriff “Identität“, weil er aus juristischer Sicht keine fest definierbare Größe darstellt, sodass aus rein rechtlicher Sicht ein Chaos entstehen könnte. Lehmann wiederum beteuerte, man sei aktuell in intensiven Gesprächen und wolle noch in dieser Legislaturperiode einen Anlauf für eine Abstimmung machen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDÜberraschendes Geständnis von Maite Kelly - Ich könnte mich auch in eine Frau verliebenrbb24CSD-Anschlag: Regenbogenbank im Tiergarten immer wieder beschädigtFrankfurter Allgemeine ZeitungBrief aus Istanbul: Das Jahrhundert der AbzockeMOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.
Queere Jugendliche in Wien

Mehr Angst vor Anfeindungen

Anfeindungen und Gewalt belasten queere Jugendliche in Wien zunehmend. Experten warnen vor psychischen Folgen und fordern bessere Hilfsangebote.
Russlands Strafen explodieren

Rekordbußen gegen LGBTIQ+

Russland verschärft die Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen: 2025 stiegen die Geldstrafen um 83 Prozent, die Verfahren um ein Drittel.
Verbot spaltet Tasmanien

Streit um Homo-Heilung

Tasmanien will über ein Verbot von Konversionsmaßnahmen abstimmen. Während die Befürworter auf Schutz drängen, warnen Gegner vor Einschränkungen.
Behrens rechtfertigt Eklat

Kicker betont "dumme Aussage“

Zwei Jahre nach seinem homophoben Spruch spricht Fußballer Kevin Behrens über die Folgen des Eklats, Anfeindungen und Probleme bei der Vereinssuche.
Niederlande zeigen Lila

Statement gegen Ausgrenzung

Am „Lila Freitag“ zeigen die Niederlande heute Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen vor dem Hintergrund sinkender Akzeptanz gegenüber Homosexuellen.