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Grund zur Freude für LGBTI*s? Hass auf queere Menschen – mit oder ohne Twitter-Kopie

Von ms - 12.04.2022 - 09:50 Uhr
Donald Trumps Social-Media-App floppt // IMAGO / NurPhoto
Foto: Donald Trumps Social-Media-App floppt // IMAGO / NurPhoto
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Endlich einmal gute Nachrichten aus Amerika – Donald Trumps groß angekündigtes Social-Media-Netzwerk „Truth Social“ scheint ein wahrer Rohrkrepierer zu sein. Nachdem Trump von Twitter und Facebook dauerhaft aufgrund der fortlaufenden, hasserfüllten Verbreitung von Fake News ausgesperrt worden war, hatte der Ex-Präsident im Oktober 2021 einen eigenen Social-Media-Dienst angekündigt: Truth Social – eine direkte Kopie von Twitter.

Die Angst gerade auch innerhalb der LGBTI*-Community war groß, dass der neue Online-Dienst zur nächsten großen Plattform für alle homophoben Menschenhasser werden könnte, sodass queerfeindliche Menschen und Organisationen noch stärkere Netzwerke gegen die LGBTI*-Community hätten aufbauen können. Ein gefährliches Spiel mit Wahn und Wirklichkeit, gerade auch mit Blick auf die US-Zwischenwahlen in diesem November und den nächsten Präsidentschaftswahlen 2024. Noch immer scheint Trump auf ein Comeback als Präsident zu hoffen.

Allerdings machen ihm bereits andere Hardliner aus der eigenen Partei massiv Konkurrenz, allen voran der jetzige Gouverneur Floridas, Ron DeSantis. Der homophobe Star der Republikaner ist jung (43 Jahre), redegewandt und vertritt all die konservativen Werte, die den Stammwählern so wichtig sind – allen voran die starke Ablehnung der LGBTI*-Community. Trotz massiver Proteste von Seiten zahlreicher Unternehmen, Aktivisten und sogar des amtierenden Präsidenten Joe Biden unterzeichnete DeSantis ein Gesetz, das ab Juli diesen Jahres LGBTI*-Themen an Schulen verbietet (das sogenannte Don´t Say Gay-Gesetz).

Vielleicht braucht es für die Republikaner also gar keinen Trump 2.0, vielleicht reicht schon ein DeSantis aus, um den Hass gegenüber queeren Minderheiten wieder ins Weiße Haus zu tragen? Trump scheint immer mehr ins Abseits zu geraten, auch wenn seine Fanbase noch groß sein dürfte. Für einen Erfolg von Truth Social hat es indes bisher nicht gereicht. Zuerst erschwerten massive technische Probleme den reibungslosen Start des Dienstes im Februar, dann blieben die Nutzerzahlen am Boden. Bis heute haben sich gerade einmal rund 1,5 Millionen User überhaupt registriert, bei anderen funktioniert bis heute die Freischaltung nicht und ihr homophober Enthusiasmus verdorrt in der Warteschlange. Das Chaos scheint auch hinter den Kulissen Methode zu haben – zwei wichtige Topmanager kündigten nach Recherche von Reuters erst in den letzten Tagen.

Auch technisch bleibt die „Wahrheit Trumps“ im digitalen Raum weiter hinter der Entwicklung zurück: Bis heute kann man sich nur mobil und nur als iPhone-Besitzer anmelden. Das schließt bereits rund 50 Prozent der Amerikaner aus, die ein Android-Smartphone benutzen. Zudem ist noch immer absolut offen, wie der neue Dienst gerade in der Anfangszeit finanziert werden soll – die Erfahrungswerte anderer Social-Media-Giganten zeigen, dass die ersten Jahre sehr kostspielig sein können. Geplant sind deswegen zwar ein Börsengang und die Verschmelzung mit einer digitalen Investmentfirma, doch ob und wie das überhaupt von der Börsenaufsicht genehmigt wird, ist eine Frage von mehreren Monaten.

Und dann wäre da noch Multimilliardär Elon Musk, der mit rund neun Prozent zum größten Aktionär bei Twitter geworden ist. Auch wenn er aktuell doch nicht Mitglied im Verwaltungsrat werden will, ist anzunehmen, dass Musk den Kurznachrichtendienst weiter ausbauen will und damit zu einer noch stärkeren Konkurrenz für Trumps Angebot werden dürfte. Und so fasst der Direktor des Center for Social Media and Politics der New York University Joshua Tucker gegenüber dem Handelsblatt die Situation so kurz zusammen: „Es ist ein Desaster!“

Und Trump selbst? Nach verschiedenen Medienberichten wütet der Ex-Präsident und ist schlicht stinksauer, dass aus seinem großen Coup anscheinend nichts wird. Im Gegenteil sogar: Im Internet ist Donald Trump längst zur Witzfigur verkommen – man sieht ihn an der Seite von Brieftauben oder mit einer Kindertafel, auf der er künftig seine Nachrichten schreiben kann. Er selbst hat bisher übrigens auch nur eine einzige Nachricht auf Truth Social veröffentlicht: „Haltet Euch bereit! Euer Lieblingspräsident wird Euch bald sehen!“ Ron DeSantis dürfte den Sachverhalt anders beurteilen.

So erfreulich die Tatsache ist, dass die queerfeindliche Twitter-Kopie wahrscheinlich größtenteils ungehört verpufft, dürfte sich zum Leidwesen der LGBTI*-Community immer mehr abzeichnen, dass die Republikaner einen Donald Trump gar nicht mehr brauchen, um den Hass gegen queere Menschen in die Welt hinauszutragen und auch nicht dafür, um all das laut zu sagen, was man sich vor wenigen Jahren mit ein wenig Schamgefühl selbst als hartgesottener Homohasser noch nicht traute. Einen Verdienst kann sich Trump also dann doch zuschreiben – er hat das Unsagbare sagbar gemacht und die Grenzen soweit verschoben, dass niederträchtigster Hass gegenüber queeren Menschen heute einfach nur eine „Meinung“ ist, die man eben aushalten muss.

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