Direkt zum Inhalt
Gewalt in Berlin

Gewalt in Berlin Hauptmotiv für Angriffe ist Homophobie

ms - 05.12.2022 - 14:39 Uhr
Loading audio player...

Rund 21 Prozent mehr Hass und Gewalt gegenüber Homosexuellen in Berlin binnen eines Jahres – zu diesem Fazit kommt die zweite Ausgabe des sogenannten Monitoringberichts der Berliner Initiative für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt (IGSV). Die Organisation legte dabei dieses Mal ihre Schwerpunkte auf homofeindliche sowie transfeindliche Gewalt. Dabei werden neben den offiziellen Daten der Polizei auch weitere staatliche Stellen und Opferberatungsgruppen mit einbezogen, um ein umfassenderes Bild der Lage in der deutschen Hauptstadt aufzeigen zu können.

456 Fälle von LGBTI*-Hass in Berlin

Berlins Senatorin für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung, Lena Kreck (Linke), betonte dabei, wie wichtig der zweite Monitoring-Bericht sei, um bundesweit öffentliche Debatten über die Menschenrechte anzustoßen: „Diese Aufmerksamkeit ist bedeutsam für die Bekämpfung von Hassgewalt, weil wir sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen müssen, die Solidarität braucht und transparente Informationen darüber, wie die Situation in Berlin tatsächlich ist.“ Wenig verwunderlich nach den landesweiten Zahlen mit einem fünfzigprozentigen Anstieg von Hassverbrechen gegenüber LGBTI* nahm auch in Berlin im Jahr 2021 die offiziell festgehaltenen Fälle zu – von 377 Fällen im Jahr 2020 auf insgesamt 456 Taten im Jahr 2021.

Beleidigungen und Körperverletzung

Bei rund der Hälfte der Vorfälle handelt es sich um Beleidigungen, ein weiteres Drittel sind leichtere Körperverletzungen. Bei jedem zehnten Vorfall kam es dabei auch zu gefährlichen oder sogar lebensgefährlichen Körperverletzungen. Dabei zeige sich im zweiten Monitoring-Bericht auch, dass die Berliner Polizei Hassverbrechen gegenüber LGBTI*-Menschen inzwischen mit mehr Sensibilität und Fachkompetenz begegnet – ganz um Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern, in denen dies nach wie vor noch immer eher die Ausnahme darstellt. Wenig verwunderlich ereigneten sich die meisten Zwischenfälle und Angriffe auf öffentlichen Plätzen, Straßen sowie im öffentlichen Nahverkehr in den Abendstunden, vor allem in den beiden LGBTI*-Vierteln Tempelhof-Schöneberg sowie Friedrichshain-Kreuzberg, gefolgt von Neukölln und Berlin-Mitte. In den wenigsten Fällen (7%) kamen Passanten zur Hilfe.

LGBTI* in der Gruppe sicherer

Deutlich zeigt sich dabei auch, dass LGBTI*-Menschen in der Gruppe nachts in Berlin sicherer unterwegs sind als allein – rund drei Viertel der Attacken richteten sich gegen einzelne Menschen. Zu den allermeisten Motiven zählt mit fast 70 Prozent Homophobie, gerne auch in Verbindung mit Sexismus (rund 77 Prozent). Unter den Berliner Trans-Menschen gab knapp die Hälfte an, im Jahr 2021 Gewalterfahrungen gemacht zu haben, binnen der letzten fünf Jahre waren es sogar 66 Prozent. Ähnlich wie in den landesweiten sowie europäischen Studien zum Thema Hassverbrechen haben auch in Berlin nur knapp 13 Prozent der LGBTI*-Menschen den Vorfall zur Anzeige gebracht. Eine noch höhere Dunkelziffer von Hassdelikten vermutet die Berliner Polizei in den sozialen Medien – von den Befragten gaben rund 62 Prozent an, immer wieder online angegriffen zu werden.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neues Lustzentrum beim Mann?

Überraschende Forschungsergebnisse

Wissenschaftler aus Spanien haben nun überraschend nachgewiesen, wo genau tatsächlich die erogenste Zone beim Mann liegt.
Homosexualität in Malawi

Gründung queerer Organisation

Eine neue queere Organisation soll künftig mit UN-Hilfe dafür kämpfen, dass Homosexualität in Malawi straffrei wird.
Shigella-Infektion in England

Massive Zunahme unter Schwulen

Eine schwerwiegende Darminfektion mit Shigella-Bakterien bereitet sich aktuell durch schwulen Sex in der britischen Community aus.
Protest in Georgia

Aufstand gegen Hassgesetze

Widerstand im Orangen-Bundesstaat: In Georgia wurden jetzt alle Anti-LGBTIQ+-Gesetze der Trump-Regierung von 2026 gestoppt.
Anklage wegen Kindesmissbrauch

Anti-LGBTIQ+-Professor in Haft

Der bekannte Anti-LGBTIQ+-Autor und US-Universitätsprofessor John Kent Tarwater wurde jetzt wegen mehrfachen Kindesmissbrauch angeklagt.
Hinhaltetaktik in Uganda

Im Fokus Anti-Homosexuellen-Gesetz

Der Supreme Court in Uganda hat jetzt die eingeklagte Überprüfung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes auf unbestimmte Zeit verschoben.
Pride-Chef gefeuert

Konsequenzen in London

Der ehemalige Chef des Pride in London ist jetzt nach massiven Veruntreuungsvorwürfen final gefeuert worden.
Urteilsspruch in Rumänien

Wichtige Entscheidung vor Gericht

Mit einem Richterspruch wurde in Rumänien jetzt Geschichte geschrieben: Erstmals wurde damit ein trans* Mann offiziell als Mann anerkannt.